April, April: EU-Parlament macht sich über Brexit-Pässe lustig
Das britische Büro des EU-Parlaments hat sich zum 1. April über die Entscheidung Großbritanniens, nach dem Brexit die Farbe der Pässe zu ändern, lustig gemacht und verbreitet, die EU werde im März 2019 ebenfalls auf blaue Pässe umsteigen.
Das britische Büro des EU-Parlaments hat sich am 1. April mit einem Tweet über die Entscheidung Großbritanniens, die Farbe der britischen Pässe nach dem Brexit zu ändern, lustig gemacht und verbreitet, die EU werde im März 2019 ebenfalls auf blaue Pässe umsteigen.
In einem Tweet am frühen Sonntagmorgen verkündete das britische Büro des Parlaments die „Eilmeldung“, dass künftig alle EU-Pässe dunkelblau sein würden – ein Seitenhieb auf die Forderung vieler Briten, die wollen, dass ihre Dokumente nach dem Brexit die Farbe ändern.
Wenn man jedoch auf den Link im Tweet klickt, gelangt man zu den ursprünglichen Regelungen über die Gestaltung von EU-Reisepässen aus dem Jahr 1981 – und nicht zu neuen Gesetzen. Ein Klick hätte also genügt, um festzustellen, dass dieser Tweet ein Beitrag des Parlaments zur jährlichen Fake-News-Flut, auch als Aprilscherze bekannt, war.
BREAKING: All EU passports to become dark blue https://t.co/C6g8kEQx5d pic.twitter.com/xIadOfDSPn
— Europarl UK (@EPinUK) April 1, 2018
Obwohl die EU-Vorschriften den Mitgliedstaaten lediglich nahelegen, eine einheitliche bordeauxrote Farbe einzuführen, um Grenzkontrollen zu vereinfachen und zu beschleunigen, hat das britische Leave-Lager die Rückkehr zu blauen Pässen zu einem der wichtigsten Pfeiler der Forderungen nach dem Brexit gemacht.
Aus Sicht vieler Pro-Brexit-Politiker ist eine Abkehr von der roten Farbe der 26 anderen Mitgliedsstaaten (Kroatien hat einen dunkelblauen Pass beibehalten, da man der Meinung war, Bordeauxrot erinnere zu sehr an die roten Dokumente vor dem Zusammenbruch Jugoslawiens) der Weg sowie ein Symbol, um die britische Souveränität zurückzugewinnen.
Ironischerweise scheint der Auftrag für den Druck der neuen Pässe an die französisch-niederländische Firma Gemalto vergeben worden zu sein, während die aktuellen roten EU-Pässe von einer heimischen Firma hergestellt werden. Die Entscheidung für Gemalto hatte bei britischen Pro-Europäern und bei Brexit-Befürwortern für Vergnügen respektive Empörung gesorgt.
Am 22. März erklärte der bisherige Hersteller De La Rue, er werde gegen das Ergebnis Berufung einlegen. Das Unternehmen warnte, durch den Verlust des 490 Millionen Euro-Auftrags müssten möglicherweise Arbeitsplätze abgebaut werden.
In Reaktion wurden bereits zahlreiche Petitionen eingereicht, in denen die britische Regierung aufgefordert wird, dieser Entscheidung nicht endgültig zuzustimmen. Da Großbritannien aber nach dem Brexit wohl noch für eine Übergangszeit an die EU-Vorschriften für das Beschaffungswesen gebunden sein wird, ist es inzwischen recht unwahrscheinlich, dass die Post-Brexit-Pässe nicht in Übersee hergestellt werden.
Großbritanniens neuer Reisepass wird ab Oktober 2019 ausgestellt und soll „eine Reihe neuer und aktualisierter Sicherheitsmerkmale“ enthalten.
Auch der Sunday Telegraph beteiligte sich am alljährlichen Aprilscherzen und versuchte, seine Leser glauben zu lassen, die EU werde bald eine eigene Version der britischen Royal Yacht Britannia (das ehemalige Residenzschiff der Queen) vom Stapel laufen lassen, um ihre eigenen Handelskapazitäten zu erhöhen.
Das als „le trade yacht“ bezeichnete Schiff solle EU-Handelsbeamte in die ganze Welt transportieren, um die Chancen für die Vermittlung von Handelsgeschäften mit Nicht-EU-Ländern – natürlich insbesondere im Commonwealth – zu erhöhen.
April Fool's Day. A day when people pause to think if that thing they read on the internet is true or not. A skill sorely lacking during the other 364 days of the year.
— Dai Lama (@WelshDalaiLama) April 1, 2018
Insgesamt schienen viele Social Media-Nutzer auf die diesjährigen Versuche, Empörung zu provozieren, verhältnismäßig ruhig und gelassen zu reagieren. Der walisische Twitter-Account Dai Lama scherzte in Reaktion darauf, die User sollten an den übrigen 364 Tagen des Jahres die gleiche Skepsis walten lassen. Gegenüber Fake News sei diese Haltung nämlich eine „schmerzlich fehlende Kompetenz“.