BaFin: Auch große Banken wegen Online-Krediten abgemahnt

Verbraucher können offenbar auch bei bekannten Banken nicht auf seriöse Online-Kreditangebote vertrauen. Die deutsche Bankenaufsicht erläuterte gegenüber EURACTIV.de welche Mängel bei "großen und kleinen Banken" auf deutschen Verbraucherkredit-Websites entdeckt wurden.

Wer günstige Online-Kredit sucht, sollte die Angebote kritisch prüfen und sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen, empfiehlt die BaFin.
Wer günstige Online-Kredit sucht, sollte die Angebote kritisch prüfen und sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen, empfiehlt die BaFin.

Verbraucher können offenbar auch bei bekannten Banken nicht auf seriöse Online-Kreditangebote vertrauen. Die deutsche Bankenaufsicht erläuterte gegenüber EURACTIV.de welche Mängel bei „großen und kleinen Banken“ auf deutschen Verbraucherkredit-Websites entdeckt wurden.

Über zwei Drittel der Webseiten, die im Internet Kredite oder Kreditkarten anbieten, informieren ihre Kunden nicht ausreichend über wichtige Kriterien. Dies geht aus einer Studie der EU-Kommission hervor (EURACTIV.de vom 10. Januar 2012). In Deutschland weisen 20 von 26 geprüften Seiten Mängel auf.

Die europaweite Überprüfung der Online-Angebote (ein sogenannter "EU Sweep") erfolgte im September 2011. Die deutschen Verbraucherkredit-Websites wurden von der deutschen Bankenaufsichtsbehöde BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) überprüft. "Unsere Mitarbeiter haben sich in die Lage der Verbraucher versetzt, die im Internet nach einem Angebot für einen Kredit oder eine Kreditkarte suchen", hieß es bei der BaFin gegenüber EURACTIV.de. So wurden die 26 Websites näher überprüft, die bei den Recherchen immer wieder auftauchten. Darunter seien über 20 Seiten von "großen und kleinen Banken". Die anderen Websites seien zum Beispiel von Vermittlern von Finanzdienstleistungen betrieben.

Die Prüfer hätten auf 20 der 26 Websites Mängel festgestellt. Dabei hätten sich drei Probleme herauskristallisiert. Erstens hätten manche Anbieter kein repräsentatives Kreditbeispiel auf ihrer Website veröffentlicht. "Entweder fehlte ein solches Beispiel ganz oder es gab kein nachvollziehbares Zinsangebot oder der dargestellte Kreditzins war nicht repräsentativ", so ein Sprecher der BaFin. Wobei ein repräsentativer Kreditzins dann vorliegt, wenn Zweidrittel der Kunden einen solchen Kreditzins erhalten könnten.

Ein zweites Manko betraf die Impressumspflicht solcher Websites. Teilweise war auf den Websites nicht nachvollziehbar, welcher Anbieter hinter den angebotenen Krediten steckt. Drittens wurde teilweise gegen die Vorschrift verstoßen, dem Kunden transparent den effektiven Jahreszins mitzuteilen. Dieser Zinssatz muss alle Extrakosten beinhalten.

Angemahnt und abgemahnt

Die BaFin erklärte gegenüber EURACTIV.de, dass sie die Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft angemahnt habe, ihre Mitglieder aufzufordern, die Preisangabenverordnung in vollem Umfang umzusetzen. Zugleich seien die 20 betroffenen Anbietern von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs (kurz: Wettbewerbszentrale) abgemahnt worden. Laut BaFin sei den beanstandeten Anbietern eine Unterlassungserklärung zugestellt worden. Die BaFin werde überprüfen, ob die Misstände auch tatsächlich abgestellt würden, so Gebauer gegenüber EURACTIV.de.

Tipps für Verbraucher

Wenn sich Verbraucher für einen Online-Kredit interessieren, sollten sie die Angebote immer kritisch prüfen und vergleichen, empfiehlt die BaFin. Auch eine Beratung bei den Verbraucherzentralen sei hilfreich, um sich vor ireführenden Angeboten zu schützen.

mka

Ein englischsprachiger Beitrag zum Thema erschien auf EURACTIV.com.

Links

Dokumente

EU-Kommission: EU-Überprüfung von Verbraucherkredit-Websites: Marktsegment bleibt hinter Erwartungen der Verbraucher zurück (10. Januar 2012)

EU-Kommission: EU investigates consumer credit websites – a market underperforming for consumers – Questions and answers (10. Januar 2012)

ZumThema auf EURACTIV.de

Brüssel warnt vor Online-Krediten (10. Januar 2012)