Barroso: Jetzt soll Vertrag schnell in Kraft treten
"Danke, Irland! Thank you, Ireland!", sagte der EU-Kommissionspräsident José Barroso am Samstag in Berlin. "Ich hoffe, dass der Vertrag schnell in Kraft treten kann, denn er wird Europa stärker machen." Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow richtete hingegen mahnende Worte an die Europäer.
„Danke, Irland! Thank you, Ireland!“, sagte der EU-Kommissionspräsident José Barroso am Samstag in Berlin. „Ich hoffe, dass der Vertrag schnell in Kraft treten kann, denn er wird Europa stärker machen.“ Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow richtete hingegen mahnende Worte an die Europäer.
Der Vertrag werde Europa stärker machen, sagte Barroso nach dem irischen Ja am Samstagabend in Berlin, als er mit der "Quadriga" ausgezeichnet wurde.
Es sei – wegen des Tags der Deutschen Einheit – ein guter Tag für Deutschland und – wegen des irischen Referendums – ein guter Tag für Europa.
Der EU-Kommissionspräsident erhielt die "Quadriga" als Auszeichnung für seine EU-Verdienste. Der Preis wird seit 2003 vom Verein "Werkstatt Deutschland" e.V. alljährlich am Tag der Deutschen Einheit an Persönlichkeiten mit Zivilcourage und Engagement verliehen. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls stand die "Quadriga" unter dem Motto "Mauern fallen – Brücken bauen".
Barroso sagte, dass er als ehemaliger portugiesischer Ministerpräsident aus der Hand des polnischen Regierungschefs in Deutschland die Quadriga erhalte, sei "ein schönes Symbol dafür, wie weit wir in Europa gekommen sind".
Keine Mauer kann hoch genug sein…
Barroso hob in seiner Dankesrede den Stellenwert des Mauerfalls hervor. "Keine Mauer kann hoch genug sein, dass eine einzelne Nation sich mit ihr schützen könnte – weder vor Krisen noch vor Pandemien noch vor Migration."
"Wir haben keine andere Wahl, als uns die Hand zu reichen, um Brücken zu bauen und in Partnerschaften zusammenzuarbeiten", sagte der Preisträger. Dies hätten die Europäer in den vergangenen 60 Jahren mit herausragendem Erfolg getan. Er wolle weiter daran arbeiten, dass Mauern niedergerissen und Brücken gebaut werden, sagte Barroso.
Gorbatschow als Mahner für Europa
Der betagte Michail Gorbatschow war es, der die Europäer aufrüttelte und mahnte. Es klang, als wolle er Barrsoso persönlich in die Pflicht nehmen. Er kritisierte, dass in den Stimuli-Paketen, mit denen die Krise gemeistert werden soll, die Psychologie zu wenig berücksichtigt werde. "Wir brauchen ein neues Entwicklungsmodell, wo wir die Gefühle der Menschen in den Mittelpunkt stellen."
Wenn man nach der Krise den gleichen Weg wie vorher gehe, habe man bald die nächste Krise. "Wenn wir so weitermachen, wird es in ein paar Jahren wieder eine Krise geben, die wir nicht überstehen."
"Es ist nicht alles in Ordnung"
An Barroso gerichtet, meinte er: „Nicht nur vor Europäern, sondern vor der ganzen Welt brauchen wir Veränderungen.“
"Wir müssen uns einmal in die Augen schauen. Es ist nicht alles in Ordnung." Vor zwanzig Jahren habe er mal gesagt, Europa sei das gemeinsame Haus, das nie mehr Kriegsschauplatz sein dürfe. Trotzdem seien neue Kriege in Europa entstanden. "Wir haben alle erlebt, was im ehemaligen Jugoslawien passiert ist. Und was passiert bei uns?" fragte Gorbatschow vielsagend.
Europa nutzt Chancen schlecht
"Ich möchte sehr hoffen, dass die Europäer ihre Chance nutzen. Wir nutzen sie gegenwärtig schlecht! Und wir bekommen sogar auch noch eine Auszeichnung. Wir sollten sie zurückgeben." Er sei ja schon in Rente. "Aber die Jungen müssten die Auszeichnung vielleicht zurückgeben." Es war nicht ausgesprochen, aber es klang wie auf Barroso persönlich gemünzt.
Quadriga-Preisträger waren in diesem Jahr neben Barroso und Gorbatschow auch der Schriftsteller und frühere tschechoschoslowakische Staatspräsident Václav Havel, die Bürgerrechtlerin und Neue-Forum-Gründerin Bärbel Bohley und der Sänger Marius Müller-Westernhagen ("Freiheit"). Außerdem wurde die iranische Frauenkampagne "Eine Million Unterschriften für die Gleichheit von Männern und Frauen" ausgezeichnet. Da die Vertreterinnen der Kampagne den Iran nicht verlassen durften, nahmen die im Westen lebenden Gründungsmitglieder Rezvan Moghaddam und Fariba Davoudi Mohajer den Preis entgegen.
Ewald König