Bundesregierung gegen globale Kontonummern
Nach Plänen der EU-Kommission müssen sich deutsche Bankkunden schon bald auf 22-stellige internationale Kontonummern und 11-stellige Bankleitzahlen umstellen. Die Bundesregierung will das nun verhindern.
Nach Plänen der EU-Kommission müssen sich deutsche Bankkunden schon bald auf 22-stellige internationale Kontonummern und 11-stellige Bankleitzahlen umstellen. Die Bundesregierung will das nun verhindern.
In einem Schreiben des Finanzstaatssekretärs Steffen Kampeter (CDU), das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wird betont, dass die Verwendung der alten Kontonummer und Bankleitzahl "zur Abwicklung rein nationaler Zahlungsvorgänge" weiterhin möglich bleiben muss.
Kommission: schneller und billiger
Nach dem Vorstoß der EU-Kommission sollen die alten, nationalen Nummern im innerstaatlichen Zahlungsverkehr ab spätestens 2013 nicht mehr gelten. Dann würden nur noch die internationalen Formate IBAN (Kontonummer) und BIC (Bankleitzahl) gelten. Bei Überweisungen ins Ausland sind diese heute schon Pflicht.
Das EU-Projekt SEPA (Single European Payments Area) soll Geldtransfers in ganz Europa schneller und billiger machen; es hebt jegliche Auslandsgebühren auf. Im September will die Kommission vorschlagen, bis wann die neuen Regeln umgesetzt werden müssen.
Finanzministerium: kompliziert und aufwendig
Eine Sprecherin des Finanzministeriums erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Für die Kunden sind die langen Zahlen kompliziert und verlangen deutlich mehr Aufwand und Konzentration beim Ausfüllen einer Überweisung."
Ähnliche Befürchtungen hatten Verbraucherschützer bereits vor wenigen Wochen geäußert. Sie befürchten ein Chaos bei der Umstellung der Kontonummern auf EU-Standard. Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherschützer hatte erklärt: "Viele werden mit den neuen Zahlenkolonnen überfordert." (EURACTIV.de vom 28. Juli 2010)
Automatische Umrechnung?
Für die Bevölkerung seien die längeren Kontonummern ein reines Ärgernis, sagt der CSU-Abgeordnete Herbert Frankenhauser. "Vor allem ältere Kunden werden damit Probleme haben." Frankenhauser hatte eine Anfrage an das Bundesfinanzministerium gestellt, auf die Kampeter nun antwortete.
Die Regierung will sich jetzt für eine verbraucherfreundlichere Lösung einsetzen. "Es wäre denkbar, dass die Kunden auch in Zukunft ihre vertrauten Zahlen verwenden, die Banken diese aber automatisch in IBAN und BIC umrechnen", sagte die Ministeriumssprecherin. "Technisch ist das möglich."
dto
Links
EU-Kommission: Single Euro Payments Area
Europäische Zentralbank: Pressemitteilung – Erste Sitzung des SEPA-Rats. Erörterungen zum Endtermin für die SEPA-Migration und zur Zukunft von SEPA für Karten (7. Juni 2010)
EURACTIV.de: Globale Kontonummern werden Pflicht (28. Juli 2010)
EURACTIV.com: Die Zahlungsdiensterichtlinie: Auf dem Weg in eine bargeldlose Zukunft? (25. Januar 2010)