Designierter EU-Sportkommissar: Fragen zu Inklusion und Kinderwohl bei Anhörung

Der Malteser Glenn Micallef, designierter EU-Kommissar für Jugend und Sport, musste sich den Abgeordneten des EU-Parlaments stellen. Befragt wurde unter anderem über die Teilnahme von Transgender-Personen an Sportereignissen und weiteren sensiblen Themen.

/ EURACTIV.com
„Sport ist für alle da, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Identität. Denn das ist die Union, an die ich glaube – eine Union der Gleichheit,“ sagte Micallef (Bild). [©European Union 2024 - Source : EP]

Der Malteser Glenn Micallef, designierter EU-Kommissar für Jugend und Sport, musste sich den Abgeordneten des EU-Parlaments stellen. Befragt wurde unter anderem über die Teilnahme von Transgender-Personen an Sportereignissen und weiteren sensiblen Themen.

Der 35-jährige Micallef ist der jüngste Kandidat, und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ihn für das neue Ressort „Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport“ ausgewählt. Für den Amtsantritt benötigt er jedoch die Zustimmung des Kulturausschusses des Parlaments.

Die Anhörung Micallefs in Brüssel am Montag (4. November) drehte sich um einige der aktuell heikelsten kulturellen Fragen – insbesondere die Teilnahme von transsexuellen Menschen an Frauensportarten und die psychische Gesundheit von Kindern – sowie um technische Fragen zum Urheberrecht.

Auf die Frage von rechts-außen Abgeordneten, ob transsexuelle Athleten im Frauensport antreten dürfen, antwortete Micallef, dass solche Entscheidungen den Sportorganisationen überlassen werden sollten.

Einige Abgeordnete applaudierten jedoch, als er erklärte: „Sport ist für alle da, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Identität. Denn das ist die Union, an die ich glaube – eine Union der Gleichheit.“

Micallef vermied es, den Begriff „Frau“ zu definieren, als der Kroate Stephen Bartulica, Mitglied der rechtskonservativen Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR), ihn dazu aufforderte.

Wichtige Mitglieder der konkurrierenden politischen Gruppen des Ausschusses werden voraussichtlich noch am Abend ihre Meinung äußern, ob er als Kommissar bestätigt oder zu einer weiteren Anhörung eingeladen wird.

Parlamentarische Quellen gaben vor der Anhörung gegenüber Euractiv an, dass eine Bestätigung Micallefs wahrscheinlich sei.

Psychische Gesundheit von Kindern

Micallef argumentierte, dass „übermäßige Zeit vor Bildschirmen in unserer Gesellschaft körperlichen, psychischen und gesellschaftlichen Schaden verursacht“. Er betonte dies mehrmals bei Fragen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

„Das ist eine Priorität für mich, besonders die Auswirkungen des Internets auf Kinder“, sagte er und erklärte, dass die Förderung von Sport und Kultur Kindern „eine gesündere, praktikable Alternative“ bieten könne.

Zudem wurde der Malteser zu seinem Plan gegen Online-Mobbing und zur psychischen Gesundheit junger Menschen befragt.

„Wir brauchen eine Strategie, die wirklich berücksichtigt, dass je mehr Zeit Menschen online verbringen, desto größer das Risiko und die Gefahr von Cybermobbing wird“, sagte Micallef. Zugleich stellte er eine Strategie mit vier Säulen gegen Online-Belästigung vor, die eine gemeinsame europäische Definition und bessere Meldemöglichkeiten für Cybermobbing umfasst.

„Aber wir müssen auch andere Maßnahmen wie Sport fördern, um jungen Menschen und Kindern Alternativen zur Bildschirmzeit zu bieten“, fügte er hinzu.

Eine weitere heikle Frage stellte die rechte Abgeordnete Malika Sorel, eine unabhängige französische Abgeordnete der Fraktion „Patrioten für Europa“. Sie wollte wissen, ob Micallef eine Äußerung verurteilen würde, die zu implizieren schien, dass ein Kind in der Lage sei, in sexuelle Aktivitäten einzuwilligen. Sorel schrieb diese Aussage der EU-Kommissarin für Inneres, Ylva Johansson, zu.

Micallef verurteilte die Aussage nicht ausdrücklich, sagte jedoch: „Wir haben eine moralische und rechtliche Verpflichtung, unsere Kinder zu schützen.“

Faire Bezahlung für europäische Künstler

Micallef betonte auch die finanzielle Notlage europäischer Künstler, und einige Abgeordnete fragten ihn nach den Schwierigkeiten, für die Nutzung ihrer Werke auf Plattformen und außerhalb der EU eine Vergütung zu erhalten.

„Im [kreativen] Sektor arbeiten 7,7 Millionen Menschen“, sagte Micallef. „46 Prozent von ihnen berichten von schlechten Arbeitsbedingungen, und 68 Prozent müssen zwei Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen.“

Catherine Griset von Frankreichs rechtspopulistischem Rassemblement National – ebenfalls Teil der Patrioten für Europa – fragte Micallef nach einem EU-Gerichtsurteil, das es Musikern weltweit erlaubt, Tantiemen zu erhalten, wenn ihre Werke in der EU öffentlich gespielt werden. Im Gegenzug hätten jedoch Musiker aus der EU keine Möglichkeit, eine vergleichbare Vergütung außerhalb der Union zu erhalten.

Micallef sagte, er unterstütze „alle verfügbaren Mittel und Instrumente im Bereich des Urheberrechts und Initiativen, die unseren Kultursektor schützen“.

Der Europaabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, Erik Marquardt, fragte ebenfalls, wie Micallef die Herausforderungen von Künstlern bei der Tantiemen-Vergütung durch Online-Plattformen angehen wolle.

„Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen, die unsere Künstler unterstützen, stabile Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass sie fair entlohnt werden“, antwortete Micallef. Er betonte, dass bestehende Gesetze – wie das KI-Gesetz und das Gesetz über digitale Dienste (Digital Service Act, DSA), welches Online-Plattformen reguliert – bereits „eine gute Grundlage für die Umsetzung bieten“.

Er sagte, eine Bewertung der Durchsetzung bestehender Gesetze würde helfen zu bestimmen, was noch getan werden müsse.

[Bearbeitet von Rajnish Singh/Kjeld Neubert]