Deutsch-französisch-schweizerischer Kampf gegen die Tigermücke
In Europa breitet sich die asiatische Tigermücke aus. Nun hat sich ein Team aus französischen, schweizerischen und deutschen Forschenden zusammengeschlossen, um den weiteren Vormarsch des kleinen Tieres unter Kontrolle zu bringen. EURACTIV Frankreich berichtet.
In Europa breitet sich die asiatische Tigermücke (auch Tigermoskito genannt) aus. Nun hat sich ein Team aus französischen, schweizerischen und deutschen Forschenden zusammengeschlossen, um den weiteren Vormarsch des kleinen Tieres unter Kontrolle zu bringen. EURACTIV Frankreich berichtet.
Laut einem Bericht der französischen Nationalversammlung vom Juli 2020 handelt es sich um ein „großes Gesundheitsrisiko“. Ausnahmsweise ist einmal nicht von COVID-19 die Rede, sondern von einem eingeschleppten Insekt, das so klein wie offenbar blutdurstig ist: Die Tigermücke.
Das nach seiner schwarz-weißen Musterung benannte Tier stammt eigentlich aus dem tropischen Asien, hat sich inzwischen aber in mehreren südeuropäischen Ländern gut eingelebt. Bereits im Jahr 2019 war es in 58 der 96 französischen Festland-Départements zu finden. Auch in Deutschland wurde die Art bereits gesichtet.
Aedes albopictus, so der wissenschaftliche lateinische Name, war zunächst hauptsächlich im Süden Frankreichs und in der Region Ile-de-France aufgetreten, scheint sich inzwischen aber auch an den schattigen Ufern des Rheins zu erfreuen – sei es im Elsass, im deutschen Bundesland Baden-Württemberg oder in Teilen der Schweiz. Und da sich das Insekt wenig um Grenzen schert, startete 2018 eine Gruppe französischer, deutscher und schweizerischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein transnationales Überwachungsprojekt im Oberrheingebiet, das Projekt TIGER.
„Ziel von TIGER ist es, die Ausbreitung der Tigermücke gemeinsam zu überwachen und unsere Forschung zu verbinden, um das Tier so besser kontrollieren zu können,“ erklärt Bruno Mathieu, Forscher für medizinische Entomologie an der Universität Straßburg und Koordinator des TIGER-Projekts.
Jedes Jahr werden nun auf allen drei Seiten der Grenzen zur gleichen Zeit mehrere Fallen aufgestellt, in die die Moskitos bestenfalls ihre Eier legen. „So können wir sehen, wo sich die Tigermücke angesiedelt hat, und anschließend entsprechende Karten erstellen,“ erläutert der Forscher. Daher wisse man: „Die Tigermücke wurde erstmals 2011 in Baden-Württemberg gesehen, bevor sie ins Elsass, seit 2014 vor allem ins Département Nieder-Rhein [dem Gebiet um Straßburg], und in geringerem Umfang auch in die Schweiz weiterzog.“
Nutznießerin des Klimawandels
Für Moskitos sind dunkle, warme und feuchte Ort ideale Lebensräume. Da in den vergangenen Sommern immer wieder Rekord-Hitzewerte erreicht wurden, ist laut Einschätzung der Nationalversammlung die Ausbreitung der Tigermücke „in ganz Frankreich unvermeidlich“.
Erstmals in Europa beobachtet wurde die Mücke 1979 in Albanien. Seitdem wandert sie kontinuierlich weiter nach Norden: Von Albanien über die restliche Balkanhalbinsel hinauf zum italienischen Stiefel, bevor sie sich nach Frankreich, Spanien, in die Schweiz und nach Deutschland vorkämpfte. Dabei scheint sie auch Kälte nicht aufzuhalten. „Zu Beginn unserer Forschung hofften wir, dass der strengere Winter in unseren Regionen die Eier des Insekts beschädigen würde, aber das ist offensichtlich nicht der Fall,“ sagt Mathieu.
Neben dem Klimawandel, durch den sich die Verbreitungsgebiete der Tigermücke weiter nach Norden verlagern, sind es vor allem menschliche Aktivitäten, die es der Mücke ermöglichen, sich in neuen Gebieten auszubreiten: „Wir wissen inzwischen, dass die Tigermücke über den Reifenhandel nach Europa gekommen ist,“ so der Koordinator des TIGER-Projekts.
Tatsächlich lege das Insekt seine Eier gerne in neue oder Altreifen. So würden die Eier oftmals von einem Land in ein anderes transportiert, bevor die Jungtiere beim ersten Regen schlüpfen – manchmal am anderen Ende der Welt. Es sei „ein Exodus, der sicherlich seine gewisse Poesie und Romantik hat, der bei uns jetzt aber viele Probleme aufwirft, da die Tigermücke auch ein Überträger von Tropenkrankheiten ist: Dengue-Fieber, Chikungunya- und Zika-Virus,“ warnt Mathieu.
Diese unter Umständen lebensgefährlichen Krankheiten zwingen die Behörden zum Einsatz von Kontrollmaßnahmen. Der winzige Blutsauger – nicht größer als ein Centstück – wird sehr genau überwacht: Zusätzlich zu den Nistfallen hat die Nationale Gesundheitssicherheitsbehörde Frankreichs (Anses) ein Portal zur Meldung der Tigermücke eingerichtet, über das die Bürgerinnen und Bürger Mücken-Sichtungen melden können.
Auch das trinationale TIGER-Projekt hat diese Initiative aufgegriffen: „Unsere Nachbarn jenseits des Rheins hatten keine solchen Systeme. Aus Kohärenzgründen haben wir daher nun ein und dasselbe Berichtssystem entwickelt: Es handelt sich um ein Formular, das in beiden Sprachen, Französisch und Deutsch, ausgefüllt werden kann,“ erklärt der Straßburger Forscher.
Prävention: Bildung und Information
Die Ausrottung der Tigermücke in Europa scheint indes unwahrscheinlich. Wie der Bericht der französischen Nationalversammlung feststellt, erhöht bei Moskitos „bei fast allen Insektizidprodukten eine zu intensive Anwendung das Risiko der Entwicklung einer Resistenz gegen das Produkt – was letztlich die Wirksamkeit der Maßnahmen erheblich verringert.“
Dem Bericht zufolge sei die beste Strategie nach wie vor die „gesellschaftliche Mobilisierung“, also Information und Bildung als Präventionsmaßnahmen. Eine Ansicht, die von Bruno Mathieu geteilt wird, für den „die Bildung und das Informieren der Schlüsselpunkt im Kampf gegen die Verbreitung von Moskitos vom Typ Aedes“ ist.
In diesem Kontext hat das TIGER-Projekt seine Website nun auch mit einem Info-Paket zur Verwendung durch Schul- und Hochschulpersonal ausgestattet. Für lokale Behörden und Rathäuser werden außerdem Wanderausstellungen und Schulungskurse organisiert.
Das Projekt TIGER, das von der Europäischen Union finanziert wird, wird Ende 2020 auslaufen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der sechs Partnerforschungseinrichtungen hoffen derzeit auf neue Fördermittel, um ihre Forschung fortzusetzen und das bisher am Oberrhein Erreichte festigen zu können.
[Bearbeitet von Tim Steins]
https://www.euractiv.de/section/landwirtschaft-und-ernahrung/opinion/erst-ab-10-30-uhr-insektenschutz-bluehstreifen-und-teilverbote-reichen-nicht/

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