EU-Gasbehörden besuchen Washington um über Gas zu sprechen
Europäische Energieaufsichtsbehörden sind zurzeit in Washington, um niedrigere Preise für aus den Vereinigten Staaten importiertes Schiefergas auszuhandeln.
Europäische Aufsichtsbehörden, wie die Bundesnetzagentur, sind zurzeit in Washington, um über Gas, die Energiekrise und langfristige Handlungsspielräume zu sprechen.
Dies geht aus Informationen von EURACTIV hervor, die von der französischen Energieaufsichtsbehörde CRE bestätigt wurden.
Europa ist mitten in einer Energiekrise, die Gaspreise schnellen aufgrund von gestoppten russischen Lieferungen nach oben. Dies ist eine Goldgrube für Lieferanten wie Norwegen und die USA, die ihre Lieferungen nach Europa aufgrund der anhaltend starken Nachfrage erhöht haben.
Angesichts dieser Situation haben einige Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Polen, letzte Woche offene Gespräche mit diesen Lieferanten gefordert.
Das hat offensichtlich Anklang gefunden, denn gemäß EURACTIV Informationen sind seit Mittwoch (12. Oktober) zehn Behördenvertreter aus EU-Ländern in Washington, um Verhandlungen zu führen.
Vertreter der französischen Commission de régulation de l’énergie (CRE) und der Bundesnetzagentur (BNetzA) – sind unseren Quellen zufolge anwesend.
Emmanuelle Wargon, die Leiterin der französischen CRE, bestätigte diese Information später öffentlich auf Twitter.
Westliche Solidarität?
Für die Regulierungsbehörden geht es in erster Linie darum, die amerikanischen Behörden und die Energieregulierungsbehörden des Landes daran zu erinnern, dass der Westen Solidarität zeigen muss.
Im Mittelpunkt des Besuchs stehen wohl die Verhandlungen über die Senkung der Preise für US-Schiefergas, die laut dem deutschen Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck „astronomische“ Preise erreicht haben.
ACER betonte jedoch, dass sie nicht in Washington seien, um „niedrigere Preise für aus den Vereinigten Staaten importiertes Schiefergas auszuhandeln“.
„Vielmehr treffen sich ACER und CEER mit ihren US-Kollegen, der Federal Energy Regulatory Commission (FERC) und der National Association of Regulatory Utility Commissioners (NARUC), im Rahmen eines regelmäßigen EU-US-Regulierungsdialogs“, sagte Una Shortall, Sprecherin von ACER.
Ganz oben auf der Tagesordnung der Gespräche in Washington steht die „Energiekrise und Maßnahmen zur Abschwächung“, gefolgt von längerfristigen Themen wie Netzresilienz, saubere Energie und Dekarbonisierung, Elektrifizierung und neue Technologien oder Cybersicherheit, so ACER gegenüber EURACTIV.
Unseren Gesprächspartnern zufolge sind sich die Amerikaner, die selbst unter einer Rekordinflation leiden, des Ausmaßes der Wirtschafts- und Energiekrise, mit der 440 Millionen Europäer konfrontiert sind, nicht voll bewusst.
Bei Geschäftsschluss am Mittwoch (12. Oktober) verzeichnete die europaweite Benchmark (TTF) einen Preis von 160 €/MWh, verglichen mit 15 €/MWh im Februar 2021.
Die Diskussionen auf der anderen Seite des Atlantiks könnten also direkte Auswirkungen auf die Kaufkraft der Europäer haben.
Ebenfalls europäische Solidarität?
Die europäischen Regulierungsbehörden reisen mit neuen Argumenten nach Washington, denn die Europäische Kommission wird voraussichtlich am kommenden Dienstag (18. Oktober) eine Reihe von Vorschlägen zur Senkung der Energiepreise in Europa vorlegen.
Dazu gehört auch ein europäischer Mechanismus für gemeinsame Gaseinkäufe, eine Maßnahme, die insbesondere von Deutschland und den Niederlanden unterstützt wird.
Diese Einkaufsplattform würde es den EU-Mitgliedstaaten ermöglichen, bei Verhandlungen mit US-Lieferanten mehr Einfluss zu nehmen, indem sie ihre Kaufkraft bündeln.
Die Kommission bereitet auch eine Preisobergrenze für importiertes Gas vor. Diese Maßnahme soll zeigen, „dass die EU nicht bereit ist, jeden Preis für Gas zu zahlen“, sagte die Präsidentin der EU-Exekutive, Ursula von der Leyen, in einem Brief an die europäischen Staats- und Regierungschefs Anfang des Monats.
Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, den richtigen Preis zu finden, der die Verbraucher zufrieden stellt, ohne die Lieferanten zu verscheuchen.
Nachdem die Europäische Kommission die Idee einer Preisobergrenze – wenn auch nur vorübergehend – nur zögernd unterstützt hat, verfolgt sie nun auch ihre bevorzugte Lösung: direkte Verhandlungen mit den Gasversorgern.
In ihrem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs empfahl von der Leyen tatsächlich, „die Verhandlungen mit zuverlässigen Lieferanten“ wie Norwegen und den Vereinigten Staaten zu intensivieren.
Der Besuch der EU-Regulierungsbehörden in Washington dient dazu, den Weg für ein solches Abkommen zu ebnen.
Unterdessen treffen sich die Finanzminister:innen der 19 Länder der Eurozone am Freitagmorgen (14. Oktober) in Brüssel zu Gesprächen am Rande der Tagungen von IWF und der Weltbank.
An den Gesprächen wird auch US-Finanzministerin Janet Yellen teilnehmen. Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftlichen Aussichten nach dem Krieg Russlands in der Ukraine, die Energiekrise und die hohe Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks, heißt es in einer Erklärung.
Der Pressemitteilung zufolge sollen die transatlantischen Wirtschaftsaussichten und -risiken „im Lichte des Krieges [und] der Energiekrise“ erörtert werden.
[Davide Basso hat diesen Artikel bearbeitet und dazu beigetragen].