Drei Kandidaten im Rennen um Führung der EU-Verteidigungsagentur

Drei Kandidaten, darunter die ehemalige niederländische Verteidigungsministerin, konkurrieren um die künftige Ausrichtung der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA). Deren zukünftige Rolle ist bislang noch unklar.

EURACTIV.com
Dutch Defense Minister Kajsa Ollongren visits Prague
Alle drei Kandidaten haben unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen. Ollongren (Bild) hat jedoch das hochrangigste Profil. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Drei Kandidaten, darunter die ehemalige niederländische Verteidigungsministerin, konkurrieren um die künftige Ausrichtung der Europäischen Verteidigungsagentur. Deren zukünftige Rolle ist bislang noch unklar.

Die EU-Mitgliedstaaten suchen nach einem Nachfolger für den derzeitigen Leiter der Europäischen Verteidigungsagentur (European Defence Agency, EDA), Jiří Šedivý, und es gehen bereits zahlreiche Bewerbungen ein.

Mehreren Quellen zufolge gehören zu den Kandidaten der derzeitige Stellvertreter von Šedivý, André Denk, der derzeitige Direktor für Fähigkeiten, Rüstung und Planung der Verteidigungsagentur, Stefano Cont, und die ehemalige Verteidigungs- und Innenministerin der Niederlande, Kajsa Ollongren.

Šedivý, ein ehemaliger tschechischer Minister, der zuvor Diplomat und Beamter war, wird im Frühjahr 2025 von seinem Posten bei der Verteidigungsagentur zurücktreten.

Fünf Jahre lang hatte er einen der höchsten Posten der Agentur inne, der nur noch von der Position des Chefdiplomaten der EU übertroffen wurde. Diese Position wird derzeit von Josep Borrell bekleidet und geht demnächst an die ehemalige estnische Premierministerin Kaja Kallas über.

Das Auswahlverfahren für Šedivýs Nachfolger wird von den Mitgliedstaaten geleitet, die letztendlich die Entscheidung treffen werden.

Vom zukünftigen Führungsposten wird erwartet, dass er die Richtung der Agentur für die Zukunft vorgibt. Diese befindet sich derzeit an einem Scheideweg. Es ist unklar, welche Rolle sie langfristig im Rahmen des Europäischen Programms für die Verteidigungsindustrie (EDIP) spielen wird, das darauf abzielt, die Rüstungsproduktion in Europa zu erhöhen, um den Bedarf in Kriegszeiten zu decken.

Im vergangenen Jahr hat die Europäische Verteidigungsagentur turbulente Zeiten durchlebt.

Bisher lag der Schwerpunkt der Agentur auf der Forschung und Entwicklung von Verteidigungsprojekten. Doch nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sahen sich die Mitgliedstaaten gezwungen, ihre Vorräte aufzustocken. Die Verteidigungsagentur erhielt erstmals den Auftrag, die gemeinsame Beschaffung von Luftverteidigungssystemen und Munition zu übernehmen, wie ursprünglich in den EU-Verträgen vorgesehen. Allerdings machten nur wenige Mitgliedstaaten von dieser Möglichkeit Gebrauch, darunter auch die Niederlande.

Unterschiedliche Hintergründe und Profile

Alle drei Kandidaten haben unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen. Ollongren hat jedoch das hochrangigste Profil.

Sie ist eine erfahrene Beamtin, Diplomatin und Politikerin. Im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Mark Rutte war sie zunächst Innenministerin und später Verteidigungsministerin. Sie erlangte auch Popularität, weil sie die niederländische Unterstützung für die Ukraine leitete, unter anderem in der F-16-Koalition.

Darüber hinaus verfügt Ollongren auch über wirtschaftliche Erfahrung, was in Zeiten von Diskussionen über Haushaltsfragen ein klarer Vorteil ist.

Denk und Cont sind hingegen beide Militärs. Denk ist General bei der Bundeswehr und der Italiener Cont Generalmajor.

Denk verfügt über einen eher operativen und logistischen Hintergrund. Cont, der für die Überwachung der Fähigkeiten- und Technologieentwicklung der Europäischen Verteidigungsagentur zuständig ist, hat Erfahrung in diesem Bereich und als Diplomat in den Vereinigten Staaten.

Sollte einer der beiden Männer den Posten erhalten, wäre dies das erste Mal, dass die Agentur von einer Person mit militärischem Hintergrund geleitet wird.

Frühere Profile, die für den Spitzenjob bei der Verteidigungsagentur im Gespräch waren, ähnelten eher dem von Ollongren: ein Diplomat, Politiker oder Beamter mit Erfahrung in Verteidigungsdirektionen oder -strukturen.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]