EHEC: Vorschnelle Verurteilung Spaniens?
Die Kommission hat die EU-Mitgliedsstaaten offiziell über die mögliche Ursache der Infektionen mit dem EHEC-Erreger in Deutschland informiert. EU-Abgeordnete warnen jedoch vor Vorverurteilungen.
Die Kommission hat die EU-Mitgliedsstaaten offiziell über die mögliche Ursache der Infektionen mit dem EHEC-Erreger in Deutschland informiert. EU-Abgeordnete warnen jedoch vor Vorverurteilungen.
Eine mögliche Quelle für die Infektionen mit dem EHEC-Erreger in Deutschland und vier weiteren Staaten sind Gurken aus den südspanischen Provinzen Almeria und Malaga, teilte die EU-Kommission am Freitag Nachmittag mit. Der Brüsseler Behörde zufolge wird eine weitere potenzielle Quelle – Gurken aus den Niederlanden – untersucht.
Die EU-Kommission hat zudem die Informationen der deutschen Behörden über die mögliche Quelle an alle EU-Staaten über das europaweite Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) offziell übermittelt. Neben Deutschland wurden in Schweden, Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden EHEC-Infektionen bestätigt.
Seit Ausbruch der Infektionen steht die Kommission in engem Kontakt mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten sowie nationalen Gesundheitsbehörden. Über das Schnellwarnsystem RASFF können Informationen zu verdächtigen Lebensmitteln sowie Krankheitsfällen innerhalb der gesamten EU ausgetauscht werden.
Die spanische Regierung hat eine umfassende Untersuchung des Falles eingeleitet. Der spanische Hersteller Frunet setzte sich derweil gegen die Verurteilung als "Sündenbock" zur Wehr. Nur eine Palette der gezüchteten Gurken sei nach Hamburg geliefert worden. Beim Transport sei diese womöglich "zu Boden gestürzt".
Neue Hygiene-Vorschriften auf EU-Ebene?
Holger Krahmer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im EU-Parlament, erklärte: "Schuldzuweisungen und Vorverurteilung von Produzenten bringen nichts. Nachdem das Robert-Koch-Institut zu unrecht norddeutsche Gemüsebauern in Verruf gebracht hat, darf man nun den denselben Fehler nicht in Richtung Spanien widerholen. Anstatt vorschnell neue Regeln zu fordern, sollten die Aufklärung des Problems abgewartet werden. Auf dieser Basis muss entschieden werden, ob neue Hygiene-Vorschriften auf EU-Ebene nötig sind. Es ist offensichtlich, dass manche diese Situation nutzen möchten, um Importbarrieren ins Gespräch zu bringen, die letztlich nur Wettbewerbern schaden sollen.“
Peter Liese (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion: "Das Robert-Koch-Institut muss sich umgehend bei den deutschen Landwirten entschuldigen. Das Institut hatte gestern davor gewarnt, Tomaten, Gurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu verzehren. Heute wurde bekannt, dass die Ursache nach Untersuchungen des Hamburger Hygieneinstitutes zumindest teilweise bei Salatgurken aus Spanien liegt. Wer sich ein bisschen in dem Bereich der Lebensmittelproduktion auskennt, weiß, dass Menschen in Norddeutschland nicht nur Produkte essen, die in Norddeutschland angebaut wurden. Der Verdacht lag also sehr nahe, dass es sich um Produkte handelt, die in Norddeutschland verkauft wurden, aber möglicherweise woanders hergestellt werden. Die Verunsicherung der Verbraucher durch die aus meiner Sicht falschen Empfehlung des Robert-Koch-Instituts ist groß. Ich fordere die Europäische Kommission und das Europäische Gesundheitsamt (ECDC) in Stockholm auf, sich des Falles anzunehmen. Durch die Befunde aus Hamburg über spanische Gurken und durch die Ausbreitung der Erkrankung auch in Dänemark haben wir jetzt ein europäisches Problem. Kommission und ECDC müssen bei der Erforschung der Ursache und der Eingrenzung der Erkrankung helfen."
dto
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Dokumente
EU-Kommission: Coli outbreak in Germany (27. Mai 2011)