Energiewende: Gabriel wirbt mit Wohlstand und Arbeitsplätzen
Die Energiewende wird von Skeptikern als zu riskant für die Energiesicherheit und die Preisstabilität betrachtet. Bei einer Konferenz in Berlin versprachen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier nun erneut: Die Umstellung auf erneuerbare Energien ermögliche nicht nur ein sicheres und sauberes Leben, sondern auch Wohlstand und Arbeitsplätze.
Die Energiewende wird von Skeptikern als zu riskant für die Energiesicherheit und die Preisstabilität betrachtet. Bei einer Konferenz in Berlin versprachen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier nun erneut: Die Umstellung auf erneuerbare Energien ermögliche nicht nur ein sicheres und sauberes Leben, sondern auch Wohlstand und Arbeitsplätze.
Klimaschutz, Energieversorgungssicherheit und wirtschaftliches Wachstum passen zusammen. Das ist die zentrale Botschaft, mit der Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier am heutigen Donnerstag eine internationale Konferenz zur Klimawende eröffnete. Großes Ziel der Zusammenkunft: Möglichst vielen Ländern weltweit soll in Berlin das Konzept der Erneuerbaren Energien schmackhaft gemacht werden – und das nicht nur mit guten Argumenten zum Klimaschutz.
„Mehr Menschen sollen nicht nur sicherer und sauberer leben, sondern auch wohlhabender“, brachte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Ziel der Energiewende auf den Punkt. Forschung und Innovation würden hierbei eine wichtige Rolle spielen – für deutsche Unternehmen im Inland und solche, die im Energiebereich Märkte im Ausland für innovative, effiziente und klimaschonende Produkte erschließen.
Viele Unsicherheiten
Deutschland steigt aus der Kernenergie aus, 2022 geht der letzte Meiler vom Netz. Doch einige Fragen bleiben bislang: Reichen erneuerbare Energien, um den deutschen Strombedarf decken? Ist Energiesicherheit gewährleistet? Drohen steigende Preise?
Noch immer stehen viele Länder dem Konzept der Erneuerbaren Energien wegen dieser Unsicherheiten skeptisch gegenüber. Nur wenige haben die Umstellung bislang soweit vorangetrieben wie Deutschland, das aktuell einen Anteil der Erneuerbaren von 27 Prozent vorweisen kann.
Die deutschen Vertreter bemühten sich auf der Konferenz, Bedenken zu entkräften. Der Atomausstieg sei das einzig richtige, betonte Gabriel – auch aus wirtschaftlicher Warte. Heute, so Gabriel, sei Atomenergie die teuerste und unsinnigste Art der Energiegewinnung. Während die Kernenergie zu ihren Spitzenzeiten 30.000 Menschen beschäftigt waren, hätten die Erneuerbaren schon heute 300.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Deutschland ist modellhaft
„Nur Erneuerbare Energien sind in der Lage, unsere Energieversorgung auf eine CO2-freie Basis zu stellen, dabei Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Wertschöpfung vor Ort zu stärken“, sagte auch Fritz Brickwedde, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). Deutschland habe zudem bereits modellhaft bewiesen, dass die Energiewende ein Innovationsmotor für Industrie und Mittelstand ist.
Recht geben ihm nicht nur die Zahlen der Beschäftigten in diesem Sektor, sondern auch die Investitionssummen in erneuerbare Energieträger: Sie stiegen vom knapp fünf Milliarden Euro im Jahr 2000 auf rund 19 Milliarden im Jahr 2014. Auch die Zahl der registrierten Patente in diesem Sektor verfünfachte sich zwischen 2005 und 2013 auf 2000 neue Patente.
Energieunanhängigkeit ist politische Unabhängigkeit
Steinmeier betonte zudem, eine nachhaltige Energieversorgung wäre nicht nur „der Königsweg zu weniger Emissionen“. Sie würde auch das Ende der Abhängigkeit von Importen bedeuten – und damit auch die Möglichkeit beenden, Energie als politisches Druckmittel zu nutzen. Denn, so Steinmeier, „Erneuerbare kann jedes Land selbst produzieren“.
Tatsächlich bezahlt auch Deutschland noch immer große Summen für den Import von Rohöl, Erdgas und Steinkohle. Im Jahr 2012 beliefen sich die Importkosten auf mehr als 90 Milliarden Euro.
Um diese Abhängigkeit zu verringern und die selbstgesteckten Klimaziele noch zu erreichen, gibt sich Deutschland kämpferisch beim Vorantreiben der Energiewende. Doch neun Monate vor der Klimakonferenz in Paris wächst der Druck auf Berlin. Bis 2020 sollen die Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent reduziert werden.
Damit dies noch gelingen kann, soll nach einem Plan von Sigmar Gabriel der CO2-Ausstoß der rund 500 fossilen Kraftwerke bis 2020 um insgesamt 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid gedrosselt werden – mit einer Abgabe für Betreiber von Kraftwerken, die älter als 20 Jahre sind.