EU-Abgeordnete fordern UEFA auf, Champions-League-Finale aus Russland zu verlegen

Einige Europaabgeordnete wollen den europäischen Fußballverband UEFA schriftlich auffordern, das Champions-League-Finale im kommenden Mai nicht in St. Petersburg, Russland, auszutragen.

EURACTIV.com
Zenit St. Petersburg vs Juventus FC
Die EU-Abgeordneten nehmen auch die kontroverse Beziehung zwischen der UEFA und Gazprom ins Visier, dem russischen Energiekonzern, der seit 2012 einer der Hauptsponsoren der Champions League ist. [<a href="https://webgate.epa.eu/thumb.php/57244228.jpg?eJw1jjEOwjAMRe_imSF17DrNhrqAREGiSMCEQpqwIAZKJ8rdMa2Ynr7fl-031EvwOdz7tIB6BR5AeQJfKM4TNmvwqNiqTI_bZeiDdhpNLEiE6H7xMHXbqdrW4EnRzDNVr-eg-4-z3oMXYzQ2f7FTASRERWKhKpZd4iyMxmbrjLjEZFCv6KuA1lk3IlYljyFdCTlGcjZIERE-XyiRMiM~" target="_blank" rel="noopener">[EPA-EFE/MALTSEV]</a>]

Abgeordnete des EU-Parlaments wollen den europäischen Fußballverband UEFA schriftlich auffordern, das Champions-League-Finale im kommenden Mai nicht im russischen St. Petersburg auszutragen.

Der Brief richtet sich an UEFA-Präsidenten Aleksander Čeferin und UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoris. Die deutsche Grünen-Europaabgeordnete Viola von Cramon-Taubadel hat die Initiative zu dem Brief gestartet und andere Abgeordnete haben bis heute (23. Februar) um 16 Uhr Zeit, den Brief vor der formellen Einreichung mitzuunterzeichnen.

Ein Entwurf des Briefes, den EURACTIV einsehen konnte, fordert Čeferin und die UEFA dazu auf, „angemessene und konsequente Maßnahmen“ nach den jüngsten politischen Entwicklungen in der Ukraine zu ergreifen.

Das Finale der Champions League soll am 28. Mai in Sankt Petersburg im Krestovsky-Stadion ausgetragen werden. Das Stadion ist aus Sponsoringgründen auch als Gazprom-Arena bekannt.

„Angesichts der ernsten weltpolitischen Lage nach der Anerkennung des Donbass durch Putin und dem Einmarsch russischer Truppen in ukrainisches Gebiet ist es klar, dass die Stadt Sankt Petersburg nicht in der Lage sein wird, das Champions-League-Finale am 22. Mai auszutragen“, heißt es in dem Brief.

Neben der Wahl eines alternativen Austragungsortes für das Finale „als ersten und sehr dringenden Schritt“, forderten die EU-Abgeordneten die UEFA auf, keine andere russische Stadt als Austragungsort für internationale Fußballwettbewerbe in Betracht zu ziehen.

„Russland muss der ganzen Welt zeigen, dass es sich um die Werte des Sports, der Brüderlichkeit, der Zusammenarbeit und des Respekts kümmert und der Diplomatie den Vortritt lässt. Es ist nie zu spät“, kommentierte die italienische Europaabgeordnete Tiziana Beghin, Leiterin der Delegation der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung in Brüssel und eine der Mitunterzeichner:innen des Schreibens.

Die Abgeordneten nahmen auch die kontroverse Beziehung zwischen der UEFA und Gazprom ins Visier. Der russische Energiekonzern ist seit 2012 einer der Hauptsponsoren der Champions League.

In dem Entwurf fordern die Abgeordneten die UEFA auf, die Zusammenarbeit mit Gazprom als UEFA-Sponsor zu beenden und Sanktionen gegen russische Beamt:innen zu erwägen, die an Völkerrechtsverletzungen beteiligt sind.

In einem Tweet schlug von Cramon vor, dass auch der Gelsenkirchener Fußballverein Schalke 04 sein langjähriges Sponsorenverhältnis mit Gazprom beenden sollte.

„Abhängigkeit vom russischen Geld ist ein großes Problem – auch im Sport. Wir sind politisch verletzlich und erpressbar“, schrieb sie.

„Die UEFA muss jetzt handeln und kann diesem Regime nicht länger eine Bühne und damit Legitimität bieten“, schloss der Brief.

Auf Nachfrage von EURACTIV sagte ein UEFA-Sprecher, dass der Fußballverband einen Briefentwurf erst dann kommentieren könne, wenn er abgeschickt worden sei.

In einer Erklärung sagte die UEFA, sie beobachte „die Situation ständig und aufmerksam, und jede Entscheidung würde zu gegebener Zeit getroffen werden, falls notwendig“, aber „derzeit gibt es keine Pläne, den Austragungsort zu ändern“.

Jüngsten Berichten von BBC und ESPN zufolge erwägt die UEFA jedoch ernsthaft die Möglichkeit, das Finale aus Russland zu verlegen.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]