EU-Abgeordnete leben noch im Web 1.0
EU-Abgeordnete googlen sich gern ihre Informationen zusammen, mit Blogs und sozialen Netzwerken können die meisten aber wenig anfangen. Eine Studie zu digitalen Trends kommt zu dem Ergebnis, dass die wenigsten EU-Parlamentarier die digitalen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Bürger in den politischen Prozess einzubeziehen.
EU-Abgeordnete googlen sich gern ihre Informationen zusammen, mit Blogs und sozialen Netzwerken können die meisten aber wenig anfangen. Eine Studie zu digitalen Trends kommt zu dem Ergebnis, dass die wenigsten EU-Parlamentarier die digitalen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Bürger in den politischen Prozess einzubeziehen.
Der Fleishman-Hillard Studie European Parliament Digital Trends survey (auf Englisch) zufolge nutzen 75 Prozent der Europaabgeordneten ihre Webseite, um ihre Wähler zu erreichen, aber nur knapp die Hälfte (51 Prozent) besuchen mehr als einmal pro Woche einen Blog. Zwei Drittel haben noch nie etwas von dem sozialen Netzwerk Twitter gehört oder haben keinerlei Pläne, es demnächst zu nutzen.
Den Spitzenplatz bei der Nutzung der digitalen Technologien nehmen die Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) ein. Sie nutzen die Online-Technologie am intensivsten für ihre Kampagnen und die Kommunikation.
Fast jeder Parlamentarier nutzt Suchmaschinen für die tägliche Arbeit, und auch auf Wikipedia wird häufig nachgeschaut. Dennoch vertrauen die Abgeordneten den Fernseh- und Zeitungsberichten immer noch stärker als den Informationen auf Websites oder in Blogs.
Die Studie legt allerdings nahe, dass sich diese Einstellung in den nächsten Jahren ändern könne. Parlamentarier, die heute bereits aktiv bloggen, sähen Blogs auch als relevante Informationsquelle an.
US-Vorbild für EU-Abgeordnete
Insgesamt hinken die EU-Abgeordneten ihren amerikanischen Amtskollegen beim Thema digitale Trends weiter hinterher. Von 535 Abgeordneten im US-Kongress nutzen bereits 116 Twitter (22 Prozent). In Brüssel nutzen der Studie zufolge nur 27 Abgeordnete Twitter, was 3,5 Prozent der 785 Mitglieder des Parlaments sind.
Die Analysten bei Fleishman-Hillard prognostizieren, dass sich die Europaabgeordneten dem Trend schnell anschließen werden. Allerdings wird das mit wenigen Ausnahmen wohl kaum noch vor der Europawahl im Juni 2009 sein. (mka)
Die Methodik
Die Fleishman-Hillard Studie basiert auf einer Online-Umfrage unter den EU-Parlamentariern vom 1. April bis zum 1. Mai 2009. Insgesamt haben 110 Abgeordnete auf die acht Multiple-Choice Fragen geantwortet. Das entspricht 14 Prozent aller derzeitigen Abgeordneten, wobei sich Vertreter aller Mitgliedsländer (außer Luxemburg) beteiligt haben.
Hintergrund
Laut einer Studie (auf Englisch) des Marktforschungsinstituts Nielsen Online vom März 2009 sind soziale Netzwerke und Blogs die am schnellsten wachsenden Online-Bereiche. Sie werden von der globalen Internetgemeinde inzwischen mehr genutzt als der eigene Email-Account.
Verschiedene Studien zeigen, wie das Internet von einer reinen Informationsquelle zu einem Instrument der vernetzten Kommunikation und Interaktion geworden ist.
Vor den Europawahlen hat das Europäische Parlament auf verschiedenen sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Flickr (alle auf Englisch) Profile erstellt, um junge Wähler anzuziehen.