EU-CO2-Handel: China kassiert ab
Europäische Industrien bezuschussten direkte Konkurrenz in China und Indien, indem sie internationale Kredite kaufen, um ihre CO2-Emissionen auszugleichen, sagte eine NRO in einem neuen Bericht.
Europäische Industrien bezuschussten direkte Konkurrenz in China und Indien, indem sie internationale Kredite kaufen, um ihre CO2-Emissionen auszugleichen, sagte eine NRO in einem neuen Bericht.
EU-Unternehmen gaben im vergangenen Jahr etwa 860 Millionen Euro für 78 Millionen internationale Kompensationskredite (CER) aus, um ihre Emissionsgrenzen im Rahmen des EU-Programms zur Begrenzung und zum Handel von Emissionen („Cap and Trade“) einzuhalten.
Die CER, die im Rahmen des UN-Mechanismus für Saubere Entwicklung (CDM) vergeben werden, sind dazu gedacht, es Unternehmen zu ermöglichen, ihre Ziele auf kosteffektivere Art einzuhalten, indem sie Projekte finanzieren, die in Entwicklungsländern Treibhausgase reduzieren.
Eine Analyse von UN und EU-Daten zu CER, die im letzten Jahr in der EU durch die Umwelt-NRO Sandbag gekauft wurden, zeigt auf, dass Stahlfirmen in China und Indien direkt von dem Geld profitierten, das von ihren europäischen Konkurrenten floss.
Das Glock-Salzgitter-Werk der deutschen Stahlfirma Salzgitter kaufte zum Beispiel einem indischen Stahlprojekt 40.000 CER ab, so die NRO. Das Unternehmen kompensierte 99,5 Prozent seiner Emissionen mit CER und entkam damit der Notwendigkeit, sich zuhause zu verbessern.
In der Tat seien 2009 Sandbag zufolge zwei Millionen Stahl-CER im Wert von etwa 22 Millionen von EU-Firmen gekauft und genutzt worden. Die NRO sagt, dies widerspreche der lautstarken Druckausübung der EU-Stahlindustrie gegen strenge Emissionsgrenzen, von denen sie sagten, sie würden ihnen einen Wettbewerbsnachteil verschaffen und sie zur Abwanderung ins Ausland zwingen.
Bryony Worthington, Gründerin und Direktorin von Sandbag, bereute, dass EU-Anlagen einen größeren Anreiz zu haben scheinen, Emissionsreduzierungsprojekte unter ihren Konkurrenten zu finanzieren, als selbst in solche Projekte zu investieren.
„Obwohl es absolut legal ist und auf einer Ebene wirtschaftlich vernünftig, sich so zu verhalten, wirft es die Frage auf, wieso Firmen freiwillig einen direkten Zuschuss an internationale Konkurrenten senden, wenn ihre Angst vor dem Abwanderungsdruck aufgrund von CO2-Emissionsgrenzen so groß ist.“
Solch ein Abwanderungsdruck, der auf Firmen und Industriezweige ausgeübt wird, nennt sich „Carbon Leakage“ und entsteht aufgrund unterschiedlicher Klimapolitik in verschiedenen Regionen und Ländern.
Gasprojekte befeuern Klimawandel
Sandbag zufolge zeigen die Daten aus dem Jahr 2009, dass die Mehrheit von CER von Projekten gekauft wurde, die das industrielle Gas Fluorkohlenwasserstoff (HFC) zerstören.
Das Methodologie-Forum des CDM, welches den CDM-Aufsichtsrat berät, untersucht zurzeit die Kreditvergabe an Projekte, die HFC-23 zerstören, ein gefährliches Treibhausgas, welches ein Nebenprodukt der Herstellung von Kühlgas HFC-22 ist.
Ein Bericht des CDM Watch, eines Zusammenschlusses von Umwelt-NROs, zeigte, dass Unternehmen das System ausnutzten, indem sie mehr Treibhausgase produzierten, als sie es ohne den CDM getan hätten, nur um Kredite zu sammeln.
Das Zerstören von HFC-23 koste nur etwa 0,17 Euro pro Tonne CO2, und doch zahlten Europäer etwa 11 Euro – den Preis eines CER – um eine Tonne zu zerstören, sagte Fionnuala Walravens der Environmental Investigation Agency (EIA), einer NRO. Sie forderte die EU auf, Projekte, die HFC-23 zerstören, vom EU ETS zu eliminieren.