EU-Gesundheitskommissar: Washington hört bei Pharma auf Brüssel

US-Präsident Donald Trump zeigt Bereitschaft, die Pharmaindustrie als besonderen Sektor zu behandeln. Im Interview mit Euractiv, sieht EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi darin Chancen für eine engere transatlantische Zusammenarbeit und begrenzte Zölle von maximal 15 Prozent.

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[Photo by Dursun Aydemir/Anadolu via Getty Images]

US-Präsident Donald Trump zeigt Bereitschaft, die Pharmaindustrie als besonderen Sektor zu behandeln. Im Interview mit Euractiv, sieht EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi darin Chancen für eine engere transatlantische Zusammenarbeit und begrenzte Zölle von maximal 15 Prozent.

„Ich denke, wir überzeugen unsere Freunde und Kolleginnen in Washington immer mehr davon, dass die Pharmaindustrie etwas völlig anderes ist als die Automobilindustrie oder andere Branchen“, sagte Várhelyi im Gespräch in seinem Berlaymont-Büro.

Während auf Medizintechnikprodukte bereits ein 15-Prozent-Zoll erhoben wird, sind Pharmaprodukte bislang von Trumps Strafzöllen verschont geblieben.

Der US-Präsident hat allerdings unmissverständlich klargemacht, dass entsprechende Abgaben bald folgen sollen; zwischenzeitlich war sogar von Zöllen bis zu 250 Prozent auf importierte Arzneimittel die Rede. „Unser Verständnis des Abkommens ist eindeutig: Die 15 Prozent sollten die Obergrenze darstellen“, so Várhelyi.

Er betonte, die USA seien im Begriff zu erkennen, dass die innovative Pharmabranche vor allem von amerikanischen und europäischen Unternehmen geprägt werde.

„Diese Firmen teilen wir uns“, erklärte der Gesundheitskommissar. „Ich hoffe, dass wir mit der Zeit und durch weitere Gespräche – etwa über gemeinsame Innovation und deren Verwertung – schrittweise zu einer weiteren Absenkung der Zölle gelangen.“

„Wir haben unsere Wissenschaft“

Der Ungar, der sich selbst als „pragmatischen Mitteleuropäer“ bezeichnet, scheint zudem ein Arbeitsverhältnis zu US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. aufgebaut zu haben – trotz dessen umstrittener Impfkritik. Bei einem Treffen in Boston, so Várhelyi, habe man sich auf eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verständigt.

Den Impf-Skeptizismus seines amerikanischen Pendants will der Kommissar jedoch nicht teilen. „Wir haben unsere Wissenschaft. Wir werden auch weiterhin so impfen wie bisher“, betonte Várhelyi. „Schließlich ist die Impfung eine europäische Erfindung aus dem späten 19. Jahrhundert – und sie hat uns ausgesprochen gute Dienste geleistet.“

(jp, vc, jl)