EU-Kommission: Deutschlands Wirtschaft noch schwächer als erwartet
Die EU-Kommission hat die Wachstumserwartung für Deutschland in ihrer Sommerprognose erneut gesenkt und sagt mit einem Rückgang von 0,4 Prozent die schlechteste Wirtschaftsleistung unter den sechs größten Volkswirtschaften der EU voraus.
Die EU-Kommission hat die Wachstumserwartung für Deutschland in ihrer Sommerprognose erneut gesenkt und sagt mit einem Rückgang von 0,4 Prozent die schlechteste Wirtschaftsleistung unter den sechs größten Volkswirtschaften der EU voraus.
EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni betonte jedoch, dass die Bundesrepublik über alle notwendigen Instrumente verfüge, um sich zu erholen.
Die EU-Kommission hatte zuvor vorausgesagt, dass Deutschland im Jahr 2023 mit einem Wachstum von 0,2 Prozent zu den am langsamsten wachsenden europäischen Volkswirtschaften gehören würde. Jetzt hat sie ihre Prognose jedoch aktualisiert und erwartet, dass die Wirtschaft um 0,4 Prozent schrumpfen wird.
„Es gibt eine klare Feststellung der gedämpften wirtschaftlichen Situation in Deutschland mit einem negativen Wachstum in unserer Prognose“, sagte Gentiloni bei der Präsentation der Sommerprognose der Kommission.
Er fügte jedoch hinzu, Deutschland sei „eine starke Wirtschaft mit den Instrumenten und dem Potenzial, sich zu erholen“, weshalb die Kommission die Bezeichnung „kranker Mann Europas“ nicht unterschreiben könne.
Der Economist hatte im August auf seiner Titelseite die Frage aufgeworfen, ob Deutschland der kranke Mann Europas sei. Damit knüpfte er an eine Behauptung an, welche die Zeitung 1999 über die deutsche Wirtschaft aufgestellt hatte, als man ebenfalls mit geringem Wachstum zu kämpfen hatte.
„Diese Berichte sind für mich eigentlich ein Ansporn zu zeigen, dass in Deutschland sehr viel Potenzial steckt“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner kürzlich in einem Gespräch mit internationalen Reportern. „Wir fesseln uns gelegentlich selbst.“
Er argumentierte, dass Deutschland Probleme wie Bürokratie, den Zustand der Infrastruktur und den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften angehen müsse. Andere Faktoren lägen jedoch außerhalb seiner Kontrolle, darunter die wirtschaftliche Lage in China, dem größten Handelspartner Deutschlands.
Gleichzeitig wies die Kommission darauf hin, dass der Einmarsch Russlands in die Ukraine ein großes Problem für die energieintensiven Industrien in Deutschland darstelle, die zuvor von billigeren Erdgasimporten aus Russland profitiert hätten.
„Selbst, nachdem [der Energiepreisschock nach dem russischen Angriffskrieg] abgeklungen war, blieb das Energiepreisniveau im Vergleich zu anderen Produktionsstandorten erhöht“, heißt es in dem Bericht über das schwache Vertrauen von Unternehmen im Land.
Auch andere Forschungsinstitute haben in letzter Zeit ihre Prognosen nach unten korrigiert, darunter das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in der vergangenen Woche und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Juni.
Die Kommission geht jedoch davon aus, dass sich das deutsche Wachstum im nächsten Jahr erholen wird, und prognostiziert ein Wachstum von 1,1 Prozent, womit Deutschland an Italien und den Niederlanden vorbeiziehen würde.