EU-Kommission will Kampf gegen Krebs mit neuer Datenbank vorantreiben
Die Europäische Kommission hat am Montag (23. Januar) eine neue Initiative gestartet, mit der EU-weit eine gemeinsame digitale Infrastruktur geschaffen werden soll, um den Austausch von Daten über Krebskrankheiten zu erleichtern.
Die Europäische Kommission hat am Montag (23. Januar) eine neue Initiative gestartet, mit der EU-weit eine gemeinsame digitale Infrastruktur geschaffen werden soll, um den Austausch von Daten über Krebskrankheiten zu erleichtern.
„Digitale Technologien und künstliche Intelligenz spielen eine immer wichtigere Rolle im Kampf gegen Krebs“, sagte Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, bei der Auftaktveranstaltung zur Europäische Initiative für bildgebende Darstellung von Krebs, die von der Europäischen Kommission organisiert wurde.
Ziel der Initiative ist es, Gesundheitspersonal bei der Integration modernster Bildgebungstechnologien zu unterstützen, um die Krebserkennung und -behandlung durch digitale Infrastrukturen zu verbessern.
„Künstliche Intelligenz bietet noch immer ein enormes, ungenutztes Potenzial, um weiterhin wesentlich Vorteile im Gesundheitswesen zu erzielen – insbesondere bei der Krebserkennung, -behandlung und -pflege“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides auf der Veranstaltung.
Europa verfügt zwar bereits über Spitzentechnologien in der onkologischen Bildgebung und im Krebsmanagement, von der Vorbeugung bis zur Behandlung der Krankheit, doch aus Sicht der Kommissar:innen bleiben noch Herausforderungen.
„Erstens sind die Daten fragmentiert und über verschiedene Datenbanken und klinische Zentren verstreut. Und zweitens sind die Daten oft nicht leicht zugänglich“, so Breton.
Die neue Initiative der Kommission zielt darauf ab, dieses Problem zu lösen, indem zunächst eine gemeinsame Datenbank mit Millionen von Bildern für europäische Forscher:innen und Ärzt:innen zur Verfügung gestellt wird.
Damit würde die Datenkluft zwischen nationalen und europäischen Initiativen überwunden. Die Erleichterung des Zugangs zu diesen Daten wäre auch eine Gelegenheit, Fortschritte in der Krebsbehandlung zu erzielen.
Kurz gesagt, ziele die Initiative darauf ab, „diese Daten zu nutzen, um innovative digitale Lösungen zu entwickeln, die die Krebsbehandlung revolutionieren können“, so Breton.
EU-Strategie gegen den Krebs
Die europäische Initiative zur Krebsbildgebung ist Teil des umfassenderen Europäischen Krebsplans, der im Februar 2021 von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde.
Der Krebsplan verfügt über ein Budget von vier Milliarden Euro, das in vier spezifische Aktionsbereiche unterteilt ist: Prävention, Früherkennung, besserer Zugang zur Behandlung und Verbesserung der Lebensqualität für Patient:innen und Genesene.
Im Bereich der Prävention hat sich die Europäische Kommission ehrgeizige Ziele gesetzt: 90 Prozent der infrage kommenden Europäer:innen sollen Zugang zur Früherkennung von Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Plans ist die verstärkte Früherkennung von Lungen-, Magen- und Prostatakrebs.
Diese sechs Krebsarten sind die häufigsten und machen mehr als die Hälfte aller Krebserkrankungen in der EU aus.
Die Europäische Initiative zur Krebsbildgebung würde nicht nur die Qualität der Krebsvorsorge in ganz Europa verbessern, sondern auch die Behandlung der Krankheit, erklärte Kyriakides. Sie werde „den Akteur:innen aus dem klinischen Bereich, der Forschung und der Innovation wertvolle Ressourcen und Bildbibliotheken zur Verfügung stellen.“
Der Kommissarin zufolge kann ein besserer Zugang zu Informationen zur Entwicklung der nächsten Generation von Krebsdiagnosen und -behandlungen führen.
„Die Technologie allein kann zwar nicht die inakzeptablen Ungleichheiten überwinden, die in der EU bei der Früherkennung immer noch bestehen, aber sie könnte die Früherkennung präziser, zeitnaher und zugänglicher machen“, schloss die Gesundheitskommissarin.
Datenschutz als Bedingung
Die Initiative der Europäischen Kommission soll den Austausch digitaler Daten auf europäischer Ebene verstärken – Daten, die unter anderem manchmal vertrauliche oder sensible Informationen über Patient:innen enthalten.
Um die Daten von Patient:innen, aber auch von Forscher:innen zu schützen und Bedenken in Bezug auf Datenschutz auszuräumen, möchte die Kommission einen „Rahmen des Vertrauens“ schaffen.
„Die Dateninfrastruktur, die wir schaffen, wird offen sein, aber – und das ist wichtig – offen zu unseren europäischen Bedingungen“, sagte Breton.
Mit anderen Worten: Wenn eine Person zustimmt, ihre Gesundheitsdaten weiterzugeben, wird dies in Übereinstimmung mit der Allgemeinen Datenschutzverordnung (DSGVO) geschehen.
Die digitale Infrastruktur werde „den Werten und Vorschriften der EU entsprechen“ und „ein hohes Maß an Sicherheit und Schutz personenbezogener Daten gewährleisten“, versprach Breton.
Im Jahr 2020 starben laut aktuellen Daten der EU-Kommission 1,3 Millionen Europäer:innen an Krebs.
Wenn keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden, werden Krebsfälle laut Schätzungen der Kommission bis 2035 voraussichtlich um 25 Prozent zunehmen und zur häufigsten Todesursache in der EU werden.
„Ich ermutige das gesamte Ökosystem des Gesundheitswesens, eng zusammenzuarbeiten. Gemeinsam können Sie das enorme Potenzial der Gesundheitsdaten, die durch die Europäische Initiative zur Krebsbildgebung erschlossen werden, optimal nutzen“, betonte Breton.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]