EU-Kommission will Kampf gegen synthetische Drogen verstärken
Sie kommen als Badesalze, Lufterfrischer oder Kräutermischungen daher und sollen herkömmliche Drogen wie Kokain und Heroin auf legale Weise ersetzen. Die EU-Kommission schlägt nun Alarm: Neue synthetische Drogen können giftig sein und machen süchtig.
Sie kommen als Badesalze, Lufterfrischer oder Kräutermischungen daher und sollen herkömmliche Drogen wie Kokain und Heroin auf legale Weise ersetzen. Die EU-Kommission schlägt nun Alarm: Neue synthetische Drogen können giftig sein und machen süchtig.
Neue synthetische Drogen sind in Europa auf dem Vormarsch. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Montag vorgestellter Bericht der EU-Kommission. Fünf Prozent aller europäischen Jugendlichen haben synthetische Drogen bereits probiert, so das Ergebnis einer Eurobarometer-Umfrage (Juli 2011). Manche Substanzen imitieren die Wirkung "herkömmlicher" Drogen wie Heroin oder Kokain und können ebenso gefährlich sein. Häufig werden sie allerdings legal über das Internet vertrieben, etwa deklariert als "Badesalze", "Lufterfrischer" oder "Kräutermischungen".
"Die neuen synthetischen Drogen werden mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit in ganz Europa verbreitet. Sie können giftig sein, machen süchtig und haben langfristige schädliche Wirkungen", kommentierte EU-Justizkommissarin Viviane Reding. "Wir müssen auf EU-Ebene handeln. Die Vorschriften müssen verschärft werden, um die Jugendlichen vor diesen gefährlichen Drogen zu schützen." Das gegenwärtige System zur Feststellung der neuen Drogen sei unzureichend, um die erhebliche Zunahme der Substanzen auf dem Markt zu bekämpfen.
Die Kommission prüft Alternativen zu strafrechtlichen Sanktionen, neue Möglichkeiten zur Überwachung bedenklicher Substanzen und die Angleichung von Drogenkontrollmaßnahmen an die Maßnahmen für die Lebensmittel- und Produktsicherheit. Im Herbst will die Brüsseler Behörde eine Reihe von Optionen vorlegen, um dem Problem Herr zu werden.
2010 wurden 41 neue psychoaktive Substanzen in Europa bekannt, darunter auch synthetische Derivate bekannter Drogen und sogenannte "Designerdrogen". Ein neuer Rekord, so die EU-Kommission.
Ohnmacht, Muskelzerfall, Wahnvorstellungen, Nierenversagen
Auch die Drogenbauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, warnt vor der Entwicklung. Im deutschen "Drogen- und Suchtbericht 2011" heißt es: "Eine große Herausforderung der Drogen- und Suchtpolitik ist das Auftreten neuer psychoaktiver, zumeist synthetischer Stoffe (…)." Dem Bundeskriminalamt zufolge wurden Fälle bekannt, in denen der Konsum von "Legal High"-Substanzen zu teilweise schweren, mitunter lebensgefährlichen Vergiftungen führte. "Die meist jugendlichen Konsumenten mussten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen in Krankenhäusern notfallmedizinisch behandelt werden", heißt es im Bericht. In Zukunft müssten Wege gefunden werden, wie in der Praxis den ständig wechselnden chemischen Zusammensetzungen dieser Produkte zu begegnen ist.
Hintergrund
Bei den neuen psychoaktiven Substanzen handelt es sich laut Kommission zunehmend um ein weltweites Problem. Hersteller und Händler neuer Drogen nutzen laut UN-Weltdrogenbericht 2011 international unregulierte Chemikalien.
Red.
Links
Eurobarometer: Umfrage über die Einstellungen der Jugendlichen gegenüber Drogen (Juli 2011)
EU-Kommission: Europäische Kommission verschärft Vorschriften zur Bekämpfung neuer synthetischer Drogen. Presseerklärung (11. Juli 2011)
EU-Kommission: Drogenbekämpfung
Bundesregierung: Drogen- und Suchtbericht 2011 (Mai 2011)