EU-Länder wollen Vorschlag gegen Lebensmittelverschwendung verwässern

Die EU-Mitgliedstaaten versuchen, die Vorschläge für eine Richtlinie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung zu verwässern, zeigen geleakte Dokumente.

EURACTIV.com
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In der EU landen jedes Jahr 88 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. [This Is Rubbish]

Die EU-Mitgliedstaaten versuchen, die Vorschläge für eine Richtlinie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung in der EU zu verwässern. Das geht aus geleakten Dokumenten des Europäischen Rates hervor, die EURACTIV.com vorliegen.

Die Dokumente zeigen, dass die Staatsführungen versucht haben, Lebensmittelverschwendung, die nicht im Einzelhandel geschieht, aus der Richtlinie auszuschließen sowie gewisse Fristen nicht umzusetzen.

Die Abfälle im sogenannten Pre-Retail-Bereich (also auf den Höfen und bei der Verarbeitung innerhalb der Nahrungsmittelkette) machen 59 Prozent aller Lebensmittelabfälle in der EU aus und würden nach Wunsch der zuständigen Minister nicht in die geplante Richtlinie einfließen.

Außerdem lehnten die Mitgliedstaaten auch die vom EU-Parlament vorgeschlagenen Ziele ab, die Lebensmittelverschwendung bis 2025 um 30 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Stattdessen sollen solche Ziele zeitunabhängig formuliert und erreicht werden. Darüber hinaus sprachen sie sich auch gegen den Parlamentsvorschlag für eine „Lebensmittelverschwendung-Hierarchie“ aus, nach der noch essbare Nahrung von Einzelhändlern gesammelt und entweder an Armenküchen verteilt oder als Tiernahrung weiterverwendet werden müsste.

Derzeit werden jährlich um die 88 Millionen Tonnen Lebensmittel in der EU weggeworfen. Laut der NGO Europäisches Umweltbüro (EEB) ist das neun Mal so viel, wie benötigt würde, um die 55 Millionen Europäer, die in Armut leben, zu versorgen. Eine Reduzierung der Nahrungsmittelverschwendung würde gleichzeitig auch zu CO2-Einsparungen und besserer Landnutzung führen, erklärt das EEB.

Die vorgeschlagene Richtlinie über Abfälle beinhaltet auch Vorschläge für mehr Recycling und weniger Müll, der auf Deponien endet. Sie wurde 2015 als Teil des EU-Pakets für die Kreislaufwirtschaft vorgestellt und mit der Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen verknüpft.

Unter den SDG-Vereinbarungen hat die EU sich verpflichtet, die pro-Kopf-Lebensmittelverschwendung auf Einzelhandels- und Verbraucherebene um die Hälfte zu kürzen. Die Verluste und Abfälle in der Produktion und der Versorgungskette sollen ebenfalls reduziert werden. Am morgigen Dienstag treffen sich EU-Ratsvertreter mit MEPs, um die Abfallziele zu diskutieren. Zeitgleich findet in New York der UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung statt.

Die Entscheidung des Europäischen Parlaments im März wurde von einer großen Kampagne verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen unterstützt: Insgesamt sammelten 55 Organisationen aus 18 EU-Ländern 95.000 Unterschriften, mit denen sie ambitionierte und deutliche Ziele gegen die Lebensmittelverschwendung forderten.

Martin Bowman, Kampagnen-Koordinator bei This Is Rubbish, kommentierte die Haltung des Europäischen Rates: „Es ist eine Schande, dass der Rat versucht, die Fortschritte der EU beim SDG 12.3 über die Halbierung der Lebensmittelverschwendung zu sabotieren. Die Uhr tickt in Richtung 2030, und eine Verzögerung der Einführung dieser Lebensmittelziele schädigt die Chancen der EU, die Ziele überhaupt zu erreichen. Wir rufen daher den Rat und auch die Kommission auf, die Position des Europäischen Parlaments in dieser Sache zu unterstützen.“