Mehr Bewegung könnte EU 8 Milliarden Euro jährlich sparen

Mehr körperliche Betätigung könnte den EU-Ländern jährlich bis zu 8 Milliarden Euro an Kosten sparen. Das geht aus einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. 

Euractiv.com
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"Wir haben jetzt sehr gute Daten darüber, was erreicht werden könnte, wenn jeder in Europa effizient körperlich aktiv wäre und die WHO-Empfehlungen einhielte", sagte Hans Kluge, WHO-Europa-Direktor, während der Auftaktveranstaltung am Freitag (17. Februar). [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/poland-warsaw-april-2021-crowd-park-1953733402" target="_blank" rel="noopener">SHUTTERSTOCK/Margy Crane</a>]

Mehr körperliche Betätigung könnte den EU-Ländern jährlich bis zu 8 Milliarden Euro an Kosten sparen. Das geht aus einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. 

Die Studie, die am Freitag (17. Februar) veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass eine Steigerung der körperlichen Aktivität zudem Tausende von vorzeitigen Todesfällen verhindern könnte. Da aber laut der jüngsten Eurobarometer-Studie nur die Hälfte der Europäer körperlich aktiv ist, würde dies bedeuten, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung mobilisiert werden müsste.

„Wir haben jetzt sehr gute Daten darüber, was erreicht werden könnte, wenn jeder in Europa effizient körperlich aktiv wäre und die WHO-Empfehlungen einhielte“, sagte Hans Kluge, WHO-Europa-Direktor, während der Auftaktveranstaltung am Freitag (17. Februar).

Die Berechnungen haben gezeigt, dass mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität von moderater Intensität pro Woche – die Mindestempfehlung der WHO – über 10 000 vorzeitige Todesfälle in der EU pro Jahr verhindern könnten. Außerdem würden so laut der WHO bis 2050 in der EU 11,5 Millionen neue Fälle nicht übertragbarer Krankheiten verhindert.

Dazu gehören 3,8 Millionen Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 3,5 Millionen Fälle von Depressionen, fast eine Million Fälle von Typ-2-Diabetes und mehr als 400.000 Fälle verschiedener Arten von Krebs.

Zudem bringe ein in körperliche Aktivität investierter Euro eine fast zweifache Rendite von 1,7 Euro an wirtschaftlichem Nutzen. So erklärte die WHO, dass die Mitgliedstaaten, wenn sie gemeinsam gegen Bewegungsmangel in ihrer gesamten Bevölkerung vorgehen würden, jährlich fast 8 Milliarden Euro einsparen könnten – mehr als die gesamten jährlichen Gesundheitsausgaben von Litauen und Luxemburg zusammen.

Eine Verdopplung der Zeit für moderate körperliche Betätigung auf 300 Minuten pro Woche hätte demnach eine zwei- bis dreifache Wirkung auf die Bevölkerung. Das entspricht 30.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr und 27 Millionen Fällen nicht übertragbarer Krankheiten, die über einen Zeitraum von 30 Jahren verhindert und die Gesundheitsausgaben um 17 Milliarden Euro pro Jahr senken würden.

„Der Bericht zeigt, dass Investitionen in Maßnahmen zur Förderung der körperlichen Aktivität nicht nur das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung verbessern, sondern sich auch wirtschaftlich auszahlen“, so Kluge.

Jeder zweite Europäer treibt keinen Sport

Trotz der zahlreichen gesundheitlichen Vorteile hält jeder dritte europäische Erwachsene das empfohlene Maß an körperlicher Betätigung nicht ein. Dies ergab die jüngste Eurobarometer-Umfrage unter mehr als 25.000 Europäern, die im September 2022 veröffentlicht wurde.

Die Umfrage ergab, dass bis zu 45 Prozent gar keinen Sport treiben und sich nicht körperlich betätigen. Weniger als 40 Prozent treiben mindestens einmal pro Woche oder öfter Sport, während fast 20 Prozent weniger als einmal pro Woche Sport treiben. Im Vergleich zu den Umfragen der Vorjahre wurde festgestellt, dass während der COVID-19-Pandemie die Hälfte der Europäer ihr Aktivitätsniveau reduzierte oder sogar ganz aufhörte.

„Die Europäer bewegen sich einfach nicht genug“, sagte Ulrik Knudsen, stellvertretender Generalsekretär der OECD, bei der Vorstellung der Studie.

Die Situation ist nicht überall in der EU gleich: Im Durchschnitt bewegen sich vier von zehn Erwachsenen in der EU regelmäßig, aber in Finnland treiben mehr als zwei Drittel der Erwachsenen wöchentlich Sport, in anderen Ländern ist es jeder Fünfte.

Den Befragten zufolge ist das Haupthindernis für sportliche Betätigung der Zeitmangel, gefolgt von mangelnder Motivation oder schlichtweg fehlendem Interesse an der Sportart. Auf der anderen Seite ist der Hauptgrund, aktiv zu sein, die Verbesserung der eigenen Gesundheit, gefolgt von dem Wunsch, das Fitnessniveau zu steigern und Wege zur Entspannung zu finden.

Außerdem treiben Frauen und ältere Menschen seltener regelmäßig Sport oder bewegen sich. Unter den 15- bis 24-Jährigen treiben 73 Prozent der Männer mindestens einmal pro Woche Sport oder bewegen sich, gegenüber 58 Prozent der Frauen.

„Wir müssen die Vorteile einer aktiven Lebensweise besser vermitteln. Und zwar nicht nur die körperlichen Vorteile, sondern auch die Vorteile für die geistige Gesundheit“, sagte Kluge.

Politische Maßnahmen

Innovationskommissarin Mariya Gabriel sagte zu der Eurobarometer-Umfrage: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Bemühungen zur Förderung von körperlicher Betätigung, gesunder Lebensweise und universellen Werten – von der Gleichstellung der Geschlechter bis zur Inklusion – durch den Sport fortsetzen und verstärken.“

Die Kommission wirbt während der jährlichen Europäischen Woche des Sports für die Vorteile des Sports für das körperliche und geistige Wohlbefinden. Darüber hinaus wurde im September 2021 die Initiative HealthyLifestyle4All als zweijährige Kampagne gestartet, um Sport und einen aktiven Lebensstil mit Gesundheits-, Ernährungs- und anderen Maßnahmen zu verknüpfen.

„Wir haben mit unseren Initiativen bereits Millionen von Menschen erreicht, aber die heutige Eurobarometer-Studie zeigt uns, dass wir weiterhin neue Wege finden müssen, um die Europäer zu motivieren, aktiv zu werden“, sagte EU-Kommissionsvize Margaritis Schinas.

Im Vergleich zu 2017 ist in mehreren Ländern ein deutlicher Anstieg der körperlichen Aktivität von Erwachsenen zu verzeichnen. In der Tschechischen Republik zum Beispiel stieg der Prozentsatz der Menschen, die wöchentlich Sport treiben, um 12 Prozent, während andere körperliche Aktivitäten um zwei Prozent zunahmen.

In Österreich, Litauen, Slowenien, der Slowakei, Luxemburg und Finnland nahm die Beteiligung an anderen Formen der körperlichen Betätigung ebenfalls erheblich zu. In Portugal hingegen ging die Beteiligung an beiden Formen der körperlichen Betätigung zurück, während die Beteiligung an Sport und Bewegung in Polen, Ungarn, Belgien, Deutschland, Dänemark und Schweden deutlich abnahm.

„Verhaltensänderungen sind nie einfach. Wir alle wissen, dass wir das Bewusstsein für die Bedeutung körperlicher Betätigung schärfen müssen, um die Menschen in Bewegung zu bringen. Wir müssen die Menschen über das Wie, das Wann, das Was und das Wo informieren“, schloss Knudsen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]