Todesfälle unter Migranten im Mittelmeer steigen trotz geringerer Ankunftszahlen stark an

Rund 8.500 Migranten versuchten, Europa über die zentrale Mittelmeerroute zu erreichen, fast die Hälfte der im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichneten Zahl. Dennoch starben oder verschwanden 821 Menschen, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

EURACTIV.com
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Todesroute Mittelmeer. [Foto: Sally Hayden/SOPA Images/LightRocket via Getty Images]

Laut einem neuen Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hat sich die Zahl der Todesfälle unter Migranten im zentralen und östlichen Mittelmeerraum in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 mehr als verdoppelt, obwohl sich die Zahl der Überfahrten halbiert hat.

Die verschärften Bedingungen führten dazu, dass weniger Menschen die Reise wagten, doch diejenigen, die es taten,waren weitaus größeren Risiken ausgesetzt.

„Weniger Ankünfte bedeuten nicht, dass die Reisen sicherer sind“, sagte Ugochi Daniels, stellvertretende Generaldirektorin der IOM, der Migrationsorganisation der Vereinten Nationen, anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts zur globalen Migration. 

Rund 8.500 Migranten versuchten, Europa über die zentrale Mittelmeerroute zu erreichen, vor allem in Richtung Italien – fast die Hälfte der im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichneten Zahl. Dennoch starben oder verschwanden 821 Menschen während der Reise, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Die Hälfte dieser Opfer wurde allein im Januar verzeichnet, als der Zyklon Harry die Region heimsuchte.

Trotz eines Rückgangs der Ankünfte um ein Drittel kam es auch im östlichen Mittelmeerraum zu einem starken Anstieg der Opferzahlen: 244 Menschen starben oder werden vermisst – dreimal so viele wie im Vorjahr. Viele von ihnen versuchten, die griechische Insel Kreta zu erreichen.

Geopolitische Spannungen und Klimawandel

Zwar haben geopolitische Spannungen zu diesem Trend beigetragen, doch könnten auch der Klimawandel und zunehmend unberechenbare Wetterverhältnisse eine wesentliche Rolle bei der Zunahme der Opferzahlen spielen.

„Da Naturkatastrophen parallel zu sich verändernden Klimamuster an Häufigkeit und Stärke zunehmen, werden die Reisen immer gefährlicher“, heißt es in dem Bericht.

Der Bericht spiegelt die Situation zwischen Januar und April dieses Jahres wider und berücksichtigt daher nicht die jüngsten Ereignisse, bei denen mehr als 70.000 Migranten die spanische Exklave Ceuta auf dem afrikanischen Festland erreichten und eine politische Krise in der EU auslösten.

Dennoch lässt der Bericht bereits ahnen, was noch kommen sollte, da die Ankünfte in Europa über die westliche Mittelmeerroute um mehr als 60 % zunahmen – angetrieben durch eine Verdreifachung der Landübertritte nach Ceuta und in eine weitere spanische Exklave, Melilla. 

(cm)