EU nimmt mit Erneuerbare-Energien-Regeln Industrie und Verkehr aufs Korn

Eine bevorstehende Überarbeitung der EU-Vorschriften für erneuerbare Energien wird Maßnahmen für den Transport und die Industrie beinhalten, wo die Nutzung emissionsfreier Energiequellen hinterherhinkt.

EURACTIV.com with Reuters
Simson 17 May 2021
EU-Energiekommissarin Kadri Simson. [<a href="https://multimedia.europarl.europa.eu/en/ep-plenary-session-joint-debate-energy-and-hydrogen_20210517_EP-114564B_VDV_aha_006_p?auth_cloudf=f4c30ee4-2cc1-1aa9-3f26-88d52d6065da" target="_blank" rel="noopener">© European Union 2021 - Source : EP</a>]

Eine bevorstehende Überarbeitung der EU-Vorschriften für erneuerbare Energien wird Maßnahmen für den Transport und die Industrie beinhalten, wo die Nutzung emissionsfreier Energiequellen hinterherhinkt, so die Leiterin der EU-Energiepolitik am Mittwoch (26. Mai).

Die Europäische Kommission bereitet sich darauf vor, im Juli zwölf Maßnahmen zum Thema Klimawandel zu enthüllen, die alle darauf abzielen, die Treibhausgasemissionen schneller zu reduzieren. Eine Überarbeitung der EU-Vorschriften für erneuerbare Energien ist ebenfalls darunter.

EU-Energiekommissarin Kadri Simson kündigte bereits an, die Überarbeitung werde Stromabnahmevereinbarungen für erneuerbare Energien fördern und auch Sektoren wie den Verkehr und die Industrie ins Visier nehmen, die bisher kaum auf Stromquellen wie Wind-, Solar- oder Bioenergie umgestellt haben.

„Das Tempo des Ausbaus der erneuerbaren Energien ist nicht dort, wo es sein sollte. Deshalb prüfen wir, ob wir ein indikatives Ziel für erneuerbare Energien in diesem Sektor festlegen können,“ sagte Simson über die Branchen, die derzeit nicht von der EU-Politik für erneuerbare Energien erfasst werden. Ein solches „indikatives Ziel“ würde allerdings wahrscheinlich nicht bindend sein.

Vor dem Industrieausschuss des Europäischen Parlaments sagte Simson, andere Vorschläge könnten Labels für Industrieprodukte beinhalten, die mit erneuerbaren Energien hergestellt werden. Ein Beispiel dafür wäre Stahl, der in Öfen hergestellt wird, die mit erneuerbarem Strom betrieben werden.

33 Prozent erneuerbare Energie bis 2030

Die EU ist auf gutem Weg, bis 2030 etwa 33 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, während das offizielle Ziel bei 32 Prozent liegt. Um das neue Klimaziel zu erreichen, das eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 vorsieht, muss dieser Anteil jedoch erhöht werden.

Die Nutzung erneuerbarer Energien in Europa ist in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich. Erneuerbare Energien deckten 2019 zwar 34 Prozent des Bruttostromverbrauchs in der EU ab, während sie im Verkehrssektor allerdings nur neun Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs ausmachen.

Neben den Plänen, die Anzahl der Elektrofahrzeuge auf Europas Straßen bis 2030 möglichst schnell zu erhöhen, plane die Kommission „zielgerichtete Maßnahmen“ für den Einsatz von Wasserstoff in Verkehrsmitteln, die nicht schnell elektrifiziert werden können, so Simson.

Die Kommissarin sagte weiter, dass die Vorschläge vom Juli die Nachhaltigkeitsregeln verschärfen werden, die forstwirtschaftliche Biomasse erfüllen muss, um als erneuerbar zu gelten, wenn sie zur Energieerzeugung verbrannt wird – Regeln, die für nordische Staaten mit einer großen Forstindustrie politisch heikel sein dürften.