EU-Parlament möchte Maßnahmen für psychische Gesundheit ausweiten
Um die zunehmenden Probleme der Europäer im Bereich der psychischen Gesundheit zu bekämpfen, sollen Hochrisikogruppen identifiziert werden. Darüber diskutierte der Unterausschuss für öffentliche Gesundheit (SANT) des EU-Parlaments am Dienstag.
Um die zunehmenden Probleme der Europäer im Bereich der psychischen Gesundheit zu bekämpfen, sollen Hochrisikogruppen identifiziert werden. Darüber diskutierte der Unterausschuss für öffentliche Gesundheit (SANT) des EU-Parlaments am Dienstag.
Das Europäische Parlament arbeitet derzeit an seinem ersten Bericht zur psychischen Gesundheit. Während der zweiten Debatte des SANT-Ausschusses über den Bericht am Dienstag (19. September) gab die portugiesische Berichterstatterin Sara Cerdas (S&D) bekannt, dass 524 Änderungsanträge eingegangen seien und das erste Treffen mit den Schattenberichterstattern stattgefunden habe.
Aus den Kommentaren der Schattenberichterstatter wurde deutlich, dass es eine allgemeine Übereinstimmung darüber gibt, dass die Identifizierung gefährdeter Gruppen zur Prävention und Behandlung von psychischen Gesundheitsproblemen notwendig ist und dass Maßnahmen zur psychischen Gesundheit einen sehr breiten Fokus haben müssen.
„Ich sehe eine große Übereinstimmung bei diesem Thema. In diesem Bericht wird nicht behauptet, dass es auf EU-Ebene eine Einheitsgröße für alle gibt“, erklärte Cerdas den Ausschussmitgliedern am Ende der Debatte.
„Es ist wichtig zu verstehen, dass wir 450 Millionen Bürger und 27 Mitgliedsstaaten sind, und dass das, was zum Beispiel in Madeira, wo ich lebe, funktionieren kann, vielleicht nicht für die Menschen in Brüssel geeignet ist“, fügte sie hinzu.
Bei der Debatte wurde auch die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als vorrangig eingestuft. Allerdings erwähnten die Abgeordneten auch gewaltgefährdete Frauen, die Auswirkungen toxischer Männlichkeit auf Männer, ethnische Minderheiten, Hassreden und Gewalt gegen LGBTQIA+-Personen, von Stress betroffene Arbeitnehmer und ältere Menschen.
Vor Corona gab es rund 84 Millionen Menschen in der EU, die nach Schätzungen der Europäischen Kommission von psychischen Problemen betroffen waren.
Während der Pandemie hat sich die generelle psychische Gesundheit insbesondere bei jungen Menschen verschlechtert. Die Klimakrise und Russlands Einmarsch in der Ukraine haben die Lage noch verschlimmert.
Das „Nichthandeln“ im Bereich psychische Gesundheit kostet jährlich etwa 600 Milliarden Euro, schätzte die Europäische Kommission bei der Vorstellung einer Mitteilung zur psychischen Gesundheit im Juni.
Überwachung und Sensibilisierung
Zahlreiche weitere Maßnahmen sind zur Bekämpfung der Stigmatisierung und zur Förderung der psychischen Gesundheitskompetenz, der Prävention, des Zugangs zu Behandlungen, des Aufbaus von Kapazitäten, der Aufstockung der Finanzmittel und zur Investition in weitere Forschung notwendig.
Eines der Hauptprobleme, die hervorgehoben wurden, betrifft die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Überwachung psychischer Probleme.
Dies wurde kürzlich im Juni angesprochen, als Mitglieder des Europäischen Parlaments und Interessenvertreter auf die großen Probleme bei der Erhebung von Daten über die psychische Gesundheit junger Menschen hinwiesen, die ein Verständnis des wahren Ausmaßes des Problems erschweren.
Am Dienstag erklärten Cerdas und andere EU-Abgeordnete, dass sie darauf hoffen, dass der kommende europäische Raum für Gesundheitsdaten (EHDS) dazu beitragen kann, dies zu ändern.
„Wir müssen die Sammlung von Daten für den Austausch fördern und Informations- und Wissenslücken finden. Der EHDS kann ein wichtiger Anstoß in diese Richtung sein“, sagte Cerdas.
Mehrere Abgeordnete forderten die Kommission auf, eine EU-Strategie für psychische Gesundheit auszuarbeiten und ein Europäisches Jahr für psychische Gesundheit auszurufen. Dem Kommissionsvertreter, der an der Ausschusssitzung teilnahm, nach zu urteilen, schien dies jedoch nicht Teil der Pläne zu sein.
Artur Furtado, Leiter der Prävention Abteilung der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Kommission (GD SANTE), betonte, dass während des diesjährigen Europäischen Jahres der Kompetenzen und des letztjährigen Europäischen Jahres der Jugend bereits Maßnahmen zur psychischen Gesundheit ergriffen worden seien.
„Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Schwerpunkt der Diskussionen und der künftigen Arbeit auf der Umsetzung [durch] die Mitgliedstaaten und auf der Nutzung dieser Möglichkeiten liegen würde“, sagte Furtado.
Er bezog sich auf die 1,23 Milliarden Euro an Investitionsmöglichkeiten, die in der Mitteilung der Kommission vom Juni zur psychischen Gesundheit genannt wurden, die er „als Ausgangspunkt für einen neuen Ansatz“ ansieht, und dass es jetzt an der Zeit sei, die „Umsetzung vor Ort zu fördern“.
[Bearbeitet von Giedrė Peseckyte/Alice Taylor]