EU plant Sicherheitsstandards für Zigaretten [DE]
Finnland hat beschlossen, alle Zigaretten, die im Land verkauft werden, darauf zu testen, wie leicht bei ihrem Abbrennen ein Brand ausgelöst werden kann. Diese Maßnahme könnte ab 2011 auch auf EU-Ebene ausgeweitet werden, um Wohnungsbrände und die damit verbundenen Personenschäden zu vermeiden.
Finnland hat beschlossen, alle Zigaretten, die im Land verkauft werden, darauf zu testen, wie leicht bei ihrem Abbrennen ein Brand ausgelöst werden kann. Diese Maßnahme könnte ab 2011 auch auf EU-Ebene ausgeweitet werden, um Wohnungsbrände und die damit verbundenen Personenschäden zu vermeiden.
Im letzten Monat hat die finnische Regierung vorgeschlagen, den internationalen ASTM-Standard E2187 zur Überprüfung des Zündpotenzials von Zigaretten auf Bettwäsche und Polstermöbeln einzuführen.
Etwa 700 Brände mit 35-40 Toten werden jährlich in Finnland durch brennende Zigaretten verursacht. Schätzungen der Kommission zufolge kommen in Europa jährlich mindestens 1000 Menschen bei solchen Bränden ums Leben. Auch viele Waldbrände würden durch weggeworfene Zigaretten verursacht, fügt die Kommission hinzu.
Jede brennende Zigarette sei ein potenzieller Brandfaktor. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit eines Brandes geringer, wenn unbeaufsichtigte Zigaretten so kontrolliert abbrennen würden, wie im ASTM-Standard festgelegt, so die ASTM.
Stephen Russel, Generalsekretär der ANEC, einer europäischen Verbraucherorganisation, begrüßte die finnische Initiative als einen Beitrag zu einer verbesserten Verbrauchersicherheit. Er unterstütze die Anwendung des ASTM-Standards bei einem solchen Testdurchlauf bis schließlich ein offizieller EU-Standard ausgearbeitet werden könne.
Ein Beschluss der Kommission vom 25. März 2008 definiert eine „Zigarette mit vermindertem Zündpotenzial” als „ Zigarette, die, bevor sie auf ihrer gesamten Länge abgebrannt ist, von sich aus verlöscht, wenn nicht aktiv an ihr gezogen wird”. Dem Beschluss zufolge sind die europäischen Sicherheitsanforderungen dann erfüllt, „wenn nicht mehr als 25 % eines Loses zu prüfender Zigaretten auf ihrer gesamten Länge abbrennen“, wenn sie unbeaufsichtigt bleiben. Bisher wurde allerdings noch kein einziger europäischer Standard für die Prüfung von Zigaretten festgelegt, sondern bleibt noch den Behörden der einzelnen Mitgliedstaaten überlassen.
Florence Berteletti Kemp, Koordinatorin der RIP Alliance, die für verbesserte Sicherheitseigenschaften von Zigaretten wirbt, meint, die EU solle den Zigarettenherstellern strenge Brandsicherheitsvorschriften auferlegen. In Anbetracht der Tatsache, dass die technologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten bestünden, um Brandsicherheitsstandards für Zigaretten zu erfüllen, solle in der EU von den Herstellern die alleinige Produktion und Vermarktung von Zigaretten mit vermindertem Brandpotenzial gefordert werden. Sie fügte hinzu, dass Tabakproduzenten den gleichen Standard anwenden sollten, der auch in New York zur Anwendung komme, wo Zigaretten mit vermindertem Zündpotenzial bereits 2003 eingeführt wurden. Der Standard wurde später von Kanada sowie 35 weiteren US-Bundesstaaten übernommen (vergleiche Karte).
Auf EU-Ebene hat das Europäische Kommitee für Normung (CEN) im August mit der Entwicklung eines Brandsicherheitsstandards begonnen, der EU-weit Geltung finden soll. Eine Sprecherin von Meglena Kuneva, EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, teilte EURACTIV mit, dass die Entwicklung solcher Standards in der Regel etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen würden. Mit einem Inkrafttreten dieser neuen Regelungen könne bis etwa 2011 gerechnet, fügte sie hinzu.