EU-RegioStars Award für Brandenburg
Brandenburg gehört zu den Regionen mit besonder signifikanter Überalterung, mit Bevölkerungsschwund sowie ärztlicher Unterversorgung. Mit einem telemedizinischen Projekt können herzkranke Patienten versorgt werden. Das Unternehmen „getemed“ in Teltow bei Berlin wurde dafür am Donnerstag in Brüssel – als einziges deutsches Unternehmen - mit dem RegioStars Award 2010 ausgezeichnet, überreicht von EU-Kommissar Johannes Hahn.
Brandenburg gehört zu den Regionen mit besonder signifikanter Überalterung, mit Bevölkerungsschwund sowie ärztlicher Unterversorgung. Mit einem telemedizinischen Projekt können herzkranke Patienten versorgt werden. Das Unternehmen „getemed“ in Teltow bei Berlin wurde dafür am Donnerstag in Brüssel – als einziges deutsches Unternehmen – mit dem RegioStars Award 2010 ausgezeichnet, überreicht von EU-Kommissar Johannes Hahn.
Bisher mussten Patienten mit Herzinsuffienz immer wieder für zwei Wochen ins Krankenhaus zur „Entwässerung“, wenn sich Flüssigkeit in den Beinen angesammelt hat. Das kostet Geld und Kraft, „und oft geht es den Patienten nachher nicht mehr so gut wie vorher“, meint Robert Downes, Chef der Entwicklungsabteilung des „getemed“ Medizintechnik AG in Teltow nahe Berlin.
Mit einem kleinen Gerät werden EKG, Blutdruck, Gewicht und Atmung protokolliert, die Patienten können die Parameter per Modem und Telefonleitung selber ans Telemedizinzentrum übermitteln.
Bei der Datenübertragung werden die Patienten auch gefragt, wie sie sich heute fühlten, ob sie ihre Medikamente eingenommen hätten und ob sie eine Kontaktaufnahme wünschten. Aus allen Antworten zusammen erkennen die Betreuer im Zentrum schnell, wenn etwas nicht in Ordnung ist, und verständigen den Hausarzt.
Keine Abrechnung mit Krankenkassen
Den Preis bekam getemed erst jetzt, obwohl das Projekt bereits wieder im Abflauen ist. Zu Beginn nahmen rund 140 Patienten teil. Seither ist die Zahl stark rückläufig. Zur Zeit sind noch dreißig Patienten dauerhaft aktiv dabei. Nicht nur wegen der inzwischen verstorbenen Patienten, sondern wegen mangelnder Finanzierung mit Kassenverträgen. „Es gibt noch keine Möglichkeit, solche Leistungen mit den Krankenkassen abzurechnen“, erklärt Downes. „Das ist eben keine Regelleistung.
Unterstützungsgelder gab es im Rahmen des Brandenburger Innovationsprogramms für E-Business und Medienkonvergenz (BIEM) vom Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten und sowie der EU. Der politische Wille scheint durchaus da, die Realität ist indes schwierig. Dennoch will getemed das preisgekröntes Konzept nun international vermarkten.
Entvölkerung statt Bevölkerung
Bei der Bevölkerung Brandenburgs ist eher von Entvölkerung zu sprechen. Die ärztliche Betreuung nimmt ab, Hausärzte und Kardiologen gehen in Rente, Nachfolger fehlen. Für die alten Leute werden die Wege zu Ärzten immer länger. „Das sind alles Indikatoren, für die die Telemedizin für ambulante Betreuung eigentlich prädestiniert ist“, so Downes.
Probleme mit der Technik haben die Patienten in der Regel nicht. Die „Homebox“, die sie bekommen, ist leicht zu bedienen. Störungen gibt es höchstens, wenn sie vergessen haben, dem Telemedizinzentrum mitzuteilen, dass sie ihren Telefonanbieter gewechselt haben.
Der 46-jährige Downes hat nach seinem Elektrotechnikstudium 1986 seine Heimat Irland verlassen, weil er ein einjähriges Stipendium in Berlin erhalten hatte. Danach wollte er nicht nach Irland zurück, landete im damaligen Westberlin beim ganz jungen Unternehmen getemed, das mittlerweile nach Teltow umgezogen ist, und blieb bei der Firma, die sich mit ihren telemedizinischen Monitoren zur Risikominimierung der Patienten unter Beibehaltung der Mobilität zum Pionier auf dem Gebiet der Telemedizin entwickelt hat.
Erstmals Bewerber aus allen 27 EU-Ländern
Am Donnerstagabend durfte er in Brüssel den RegioStars Award 2010 für Deutschland entgegennehmen. Überreicht wurde die Auszeichnung von EU-Kommissar Johannes Hahn.
Erstmals hatten sich dafür Bewerber aus allen 27 Mitgliedsländern der EU gemeldet. 87 Einreichungen gab es. RegioStars soll zeigen, wie Regionen jeglicher Größe und jeglicher Lage in Sachen Innovation voneinander lernen können, wie Dirk Ahner, EU-Generaldirektor für Regionalpolitik, erläutert.
Der Europaparlamentarier Jan Olbrycht – er war bis 2009 Vizevorsitzender des Ausschusses für Regionale Entwicklung – bedauert, dass die Kohäsionspolitik zwar schon seit Jahren viel zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung im EU-Raum beiträgt und hochinteressante Projekte in ganz Europa umsetzt, dass aber die erfolgreichen lokalen und regionalen Initiativen des EU-Strukturfonds und des Kohäsionsfonds oft nur örtlich begrenzt bekannt sind. Mit der Ausschreibung der RegioStars Awards habe die Kommission etwas gegen diese Schwäche unternommen.
Litauische Website ausgezeichnet
Außer bei der Teltower Firma getemed Medizin- und Informationstechnik AG kam das Bundesland Brandenburg bei der Preisverleihung noch einmal zur Sprache: Der zweite Brandenburger Finalist war die Website www.entdecke-efre.de – sie musste aber dem Gewinner aus Litauen den Vortritt lassen. Das war die litauische Webseite www.esparama.lt, die klare und zugängliche Informationen zu allen EU-Strukturfonds im Land anbietet.
Dennoch erfuhr das Projekt aus Brandenburg bei der feierlichen Preisübergabe eine besondere Erwähnung. EU-Kommissar Johannes Hahn, zuständig für Regionalpolitik, ließ sich am Rande der Veranstaltung die Website www.entdecke-efre.de vorführen.
Alle Gewinner des RegioStars Award 2010:
Kategorie 1:
„CityStars“ – Innovative Nutzung brachliegender Flächen im städtischen Raum:
C-Mine Center, Genk, Belgien (EU-Beitrag aus dem EFRE: 3,2 Mio. €)
Das Multifunktionszentrum „C-Mine“, das auf den früheren Bergbaustätten von Genk errichtet wurde, hat das ehemalige Industriegebiet in einen Anziehungspunkt sowohl für Unternehmer als auch für Besucher verwandelt. Zwei Konzertsäle, Ausstellungsräume und ein Design-Center sollen im September 2010 öffnen.
Kategorie 2:
„CityStars“ – Integration von Migranten und Randgruppen in städtischen Gebieten:
Institut für Mikrofinanzierung, Ost-/Mittelschweden (EU-Beitrag aus dem EFRE: 340.000 €)
Bei diesem 2008 aufgelegten Projekt geht es darum, Immigrantinnen, die bei der Kapitalbeschaffung zur Gründung oder zum Ausbau ihres eigenen Unternehmens oft auf Schwierigkeiten stoßen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten zu bieten.
Vorrangiges Ziel war die Schaffung eines ständigen Instituts für Mikrofinanzierung, das helfen soll, diese Hindernisse zu überwinden. Bislang hat das Projekt 80 Jungunternehmerinnen unterstützt and zur Gründung von 15 Kleinstbetrieben – und dadurch zur Schaffung von 20 Arbeitsplätzen – beigetragen.
Kategorie 3:
IKT-Anwendungen im Bereich digitale Integration:
Informatikgrundkurse für litauische Bürger, Litauen (EU-Beitrag aus dem ESF: 2 Mio. €)
Im Jahr 2002 hat sich eine Gruppe von Unternehmen, Banken, Telekommunikations- und IT-Firmen zu dem Projekt „Langas Zukunft) zusammengeschlossen. Das Ziel bestand darin, Schulungen anzubieten, öffentliche Internet-Terminals einzurichten, e-Dienste auszubauen und Computerkenntnisse zu verbessern. Das Projekt richtete sich vor allem an ältere, behinderte und in abgelegenen Gebieten lebende Menschen, die nur geringe Zugangsmöglichkeiten haben. In zwei Jahren haben 50.400 Erwachsene an Schulungsmaßnahmen teilgenommen.
Kategorie 4:
IKT-Anwendungen von und für KMU:
Neues Unternehmensmodell für ambulante Patientenüberwachung, Brandenburg, Deutschland (EU-Beitrag aus dem EFRE: 86.000 €)
Bei diesem neuartigen Projekt in Brandenburg wurde – siehe oben – die Erfahrung verschiedener regionaler Partner zusammengeführt, um die Telemedizin zur Überwachung und Behandlung von Herzinfarktpatienten außerhalb des traditionellen klinischen Umfelds einzusetzen. Dabei ging es vor allem darum, die Zahl der Krankenhauseinlieferungen pro Patient zu senken. Mehr als 100 Patienten konnten von dem Projekt profitieren.
Kategorie 5:
Breitbandzugang in weniger entwickelten Regionen und ländlichen Gebieten:
Highspeed-Breitbandanschlüsse in der Auvergne, Frankreich (EU-Beitrag aus dem EFRE: 10 Mio. €)
Highspeed-Breitbandanschlüsse sind eine wesentliche Voraussetzung, um in der heutigen Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch nehmen private Telekommunikationsbetreiber ungern das Risiko auf sich, in dünn besiedelte Gegenden – die sogenannten „weißen Flecken“ – zu investieren. Angesichts dieser Herausforderung wurde im Jahr 2005 in der Auvergne eine öffentlich-private Partnerschaft gegründet, um 100 % der Haushalte den Zugang zu ermöglichen (Ziel Anfang 2009 erreicht).
Kategorie 6:
Information und Kommunikation (Websites):
www.esparama.lt, Litauen (EU-Beitrag: 110.000 €)
„Esparama“ steht im Litauischen für EU-Strukturbeihilfen – diese offizielle Website bietet flächendeckende Daten zur EU-Strukturförderung in Litauen, welche von „Content Administrators“ aus 15 Behörden geliefert werden. Die benutzerfreundliche Website ist in verschiedene Rubriken für Antragsteller, Begünstigte, Medien, Öffentlichkeit, Institutionen und Informationen unterteilt.
Vier Sonderprojekte:
Vier weitere Projekte wurden von der Jury der RegioStars 2010 mit Sonderpreisen ausgezeichnet:
Gewerbegebiet Pieper, Wallonien, Belgien
Dieses Projekt, das in einen größeren wirtschaftsbezogenen Stadterneuerungsprozess eingebunden ist, hat einen innovativen Ansatz zur Umgestaltung einer früheren Industriebrache in eine Gewerbefläche verfolgt. Dabei will der Standort vor allem Unternehmen anziehen, die gut mit dem angrenzenden Wohngebiet harmonieren.
Erfolgreiche Integration von Roma-Kindern, Ljubljana, Slowenien
Die Roma bilden die größte ethnische Minderheit in mittel- und osteuropäischen Ländern und sind häufig mit Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Das Projekt will einige dieser Probleme angehen, indem mit Unterstützung von Roma-Integrationslehrkräften die Beziehungen zwischen Roma-Kindern, der Schule und ihren Eltern gestärkt werden.
eREGIO, Nordkarelien, Finnland
Dieses Projekt zielte darauf ab, den Highspeed-Breitbandzugang in ländlichen und weit abgelegenen Gebieten Finnlands zu verbessern. Angesichts der enormen Aufgabe hat das Projekt eRegio hervorragende Ergebnisse erzielt – 2008 waren fast 99 % der Region abgedeckt.
Website entdecke-efre, Brandenburg, Deutschland
Die Website „entdecke-efre“ bietet – in einem benutzerfreundlichen Format – eine Vielzahl von Informationen über EU-Förderprojekte und die jeweiligen Antragsverfahren.
Hintergrund:
Die Gewinner erhalten gläserne Trophäen in Form eines Sterns sowie ein Projektvideo, das von der Region und den Projektträgern zu Werbezwecken verwendet werden kann. Informationen zu allen Projekten in der Endauswahl, Zulassungskriterien und Jurymitgliedern finden Sie auf der folgenden Website:
http://ec.europa.eu/regional_policy/index_de.htm
Ewald König
Links:
RegioStars für innovative Projekte honoriert (EURACTIV.com)
Informationen zum Preisträger: http://getemed.net
Informationen zum RegioStars Award: http://ec.europa.eu/regional_policy/conferences/sustainable-growth/index_en.cfm?nmenu=2