EU-Strategie zur psychischen Gesundheit 'muss Schmerztherapien einbeziehen'
Die von der EU-Kommission angekündigte Strategie zur psychischen Gesundheit sollte aus Sicht des sozialdemokratischen Europaabgeordneten Alex Agius Saliba auch Schmerzbehandlungen abdecken, um diejenigen zu entlasten, "die im Stillen leiden."
Die von der EU-Kommission angekündigte Strategie zur psychischen Gesundheit sollte aus Sicht des sozialdemokratischen Europaabgeordneten Alex Agius Saliba auch Schmerzbehandlungen abdecken, um diejenigen zu entlasten, „die im Stillen leiden.“
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebten im Jahr 2021 mehr als 150 Millionen Menschen in Europa mit einer psychischen Erkrankung, während die Pandemie die Lage noch verschlimmert hat. In einem Bericht vom Dezember 2022 warnte auch die Europäische Kommission vor der wachsenden Verbreitung von Depressionen, insbesondere bei jungen Menschen.
Es wird erwartet, dass die EU-Kommission das Thema im Juni dieses Jahres in einer eigenen Strategie für psychische Gesundheit aufgreift, die Kommissionschefin Ursula von der Leyen bereits in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union im vergangenen September angekündigt hatte.
„Schmerz und psychische Gesundheit gehen Hand in Hand“, betonte Saliba bei einer Veranstaltung im Europäischen Parlament am Dienstag (21. März). Er fügte hinzu, dass sowohl die Schmerzbehandlung als auch eine gute psychische Gesundheit eine Voraussetzung für eine gute Lebensqualität seien.
Nach Angaben der Plattform Societal Impact of Pain (SIP) leiden rund 150 Millionen Menschen in Europa unter chronischen Schmerzen, die mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme wie Depressionen, Angstzustände und Drogenkonsum einhergehen.
Psychische Erkrankungen und chronische Schmerzen treten häufig gemeinsam auf, da sich die biologischen Pfade (die Bezeichnung für die Wechselwirkungen zwischen Molekülen in einer Zelle, die zu einer Veränderung in derselben Zelle führen) überschneiden und gemeinsame Risikofaktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit, ein hoher Anteil an körperlicher Arbeit und ein mangelnder Zugang zu psychologischen Gesundheitsdiensten vorliegen.
„Oft sind die am stärksten gefährdeten Menschen auch am stärksten betroffen“, so Saliba. „Das gilt auch für die Patienten, die mit Schmerzen zu kämpfen haben. In vielen Fällen leiden sie im Stillen.“
Schmerz und psychische Gesundheit beeinflussen sich gegenseitig und können einen Teufelskreis gesundheitlichen Einschränkung schaffen, so die SIP-Plattform und die European Pain Federation in ihrem gemeinsamen Positionspapier.
Beide verursachen eine verminderte Lebensqualität, Mobilität und soziale Teilhabe über die gesamte Lebensspanne, betonen die beiden Organisationen in dem Papier.
Saliba forderte die Kommission auf, eine „spezifische Schmerzdimension“ in der Initiative zur psychischen Gesundheit zu berücksichtigen und auch eine Aufstockung der Mittel für die Forschung in diesem Bereich in Betracht zu ziehen.
Die EU-Haushaltslinie für Gesundheitsausgaben, EU4Health, hat in den letzten drei Jahren bereits über 30 Millionen Euro für die Förderung der psychischen Gesundheit bereitgestellt. Darüber hinaus sind im Arbeitsprogramm der Kommission für 2023 18 Millionen Euro vorgesehen, um den neuen umfassenden Ansatz für die psychische Gesundheit in der EU zu unterstützen.
Die Strategie ist für Juni geplant, bestätigte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kürzlich in einem Interview mit EURACTIV. Sie soll umfassend sein und sich auf alle Aspekte der psychischen Gesundheit konzentrieren.
„Wenn wir von psychischer Gesundheit sprechen, müssen wir verstehen, dass sie alles umfasst, von der Kindheit bis zu älteren Menschen“, sagte Kyriakides gegenüber EURACTIV.
Sie betonte auch, dass es wichtig sei, zu verstehen, dass körperliche und geistige Gesundheit eine Einheit bilden, wenn man über die Gesundheit eines Menschen spricht.
„Man braucht beides in Harmonie, um im Leben voranzukommen“, sagte sie.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]