EU-Szenarien zum Umbau der Strom- und Gasnetze

Die Politik hat entschieden, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2050 deutlich zu steigern. Das wird aber nur funktionieren, wenn die Regionen grenzüberschreitend Strom und Gas austauschen können, meinen Energieexperten in einer aktuellen Studie.

Offshore-Windparks produzieren erneuerbare Energien. Noch fehlt allerdings die europäische Energieinfrastruktur, um die schwankende Stromerzeugung weiterzuleiten oder effektiv zu speichern. © Andrea Damm / PIXELIO
Studie „Globales Energiesystem basierend auf 100% Erneuerbarer Energie – Stromsektor“ [Pixelio]

Die Politik hat entschieden, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2050 deutlich zu steigern. Das wird aber nur funktionieren, wenn die Regionen grenzüberschreitend Strom und Gas austauschen können, meinen Energieexperten in einer aktuellen Studie.

Energieexperten haben im Auftrag der EU-Kommission drei Jahre lang analysiert, wie die Erneuerbaren besser in Europas Energiesystem integriert werden können. Ihr Fazit: Die EU-Länder sollen eine gemeinsame Strategie für die Entwicklung der europäischen Energieinfrastruktur entwickeln. Dies sei eine Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.

Im sogenannten Susplan-Projekt haben die Energieexperten untersucht, welche Herausforderungen die Integration großer Mengen von erneuerbaren Energien europaweit im Zeitraum von 2030 bis 2050 mit sich bringt. Dabei wurden vier Szenarien durchgerechnet. Das ambitionierteste Szenario geht davon aus, dass die Erneuerbaren bis 2050 über 50 Prozent des Endenergiebedarfs und rund 70 Prozent der Stromerzeugung in Europa decken.

Zum Vergleich: 2005 betrug der Anteil der Erneuerbaren an der europäischen Primärenergieversorgung 6,4 Prozent.

Regionaler Strom-Austausch

Die Energieexperten haben anhand von neun europäischen Regionen analysiert, wie sich im jeweiligen Szenario die Erzeugungs- und Bedarfsstruktur verändern wird und wie die Strom- und Gasnetze sich daran anpassen müssen. Die ausgewählten Modellregionen sind der Rhein-Neckar-Raum, Österreich, Spanien, Italien, Serbien, Rumänien, Norwegen, der Verwaltungsbezirk Pommern in Polen sowie die schottische Inselgruppe der Äußeren Hebriden.

Die Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass "die Regionen auch zunehmend auf den Austausch von Strom und Gas mit Nachbarregionen angewiesen sein werden. Einige Regionen werden in großem Ausmaß Strom aus erneuerbaren Energien exportieren, andere werden mehr importieren", heißt es in der Mitteilung der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Die Experten haben die bestehende europäische Energieinfrastruktur untersucht und kamen zu dem Schluss, "dass vor allem zwischen Südwest- und Zentraleuropa und zwischen Nord- und Südeuropa die Stromübertragungskapazitäten erweitert werden müssen". Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung: Für die Gasversorgung Europas werden Italien, Spanien, die Türkei und der Balkan in den kommenden Jahrzehnten als Transitregionen an Bedeutung gewinnen.

Erdgasnetz als Speicher für Erneuerbare

Die Speicherung der schwankenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist ein weiteres, bisher ungelöstes Problem bei der Umstellung des europäischen Energiesystems auf Erneuerbare. Die Deutsche Energie-Agentur analysiert derzeit im Rahmen der Strategieplattform Power to Gas, inwieweit das Erdgasnetz genutzt werden kann, um große Mengen erneuerbaren Stroms langfristig zu speichern.

"Überschüssiger Strom kann, zum Beispiel in Zeiten mit viel Wind oder Sonne, im Erdgasnetz gespeichert werden. Dafür muss er zunächst zur Wasserstoffproduktion genutzt werden. Der Wasserstoff kann dann direkt oder weiterverarbeitet als synthetisches Methangas in das Erdgasnetz eingespeist und so langfristig gespeichert werden. Der mögliche Anteil von Wasserstoff im Erdgasnetz ist zurzeit auf fünf Prozent begrenzt. Im Rahmen der Strategieplattform Power to Gas wird analysiert, inwieweit dieser Anteil gesteigert werden kann", heißt es in einer dena-Mitteilung.

Red

Links

Dena: Umbau der Strom- und Gasnetze europaweit planen (31. Oktober 2011)

Dena:
Erdgasnetz als Speicher für erneuerbaren Strom (20. Oktober 2011)

Susplan: Website zum Susplan-Projekt mit den Berichten zum Download