EU verlässt Abkommen zur Eindämmung schädlicher Fischereigeräte

Die EU ist aufgrund einer fehlenden wissenschaftlichen Bewertung aus einem Abkommen zur Einschränkung schädlicher Fischereigeräte im Indischen Ozean ausgestiegen. Meeresschützer kritisierten die Begründung jedoch als heuchlerisch.

Euractiv.com
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Im Februar 2023 erzielte die Thunfischkommission für den Indischen Ozean (IOTC) - eine zwischenstaatliche Organisation zur Bewirtschaftung der Thunfischarten im Indischen Ozean, zu deren Mitgliedern auch die Europäische Union gehört - eine bahnbrechende Vereinbarung zur Einschränkung des Einsatzes und zur Erhöhung der Transparenz von treibenden Fischsammelgeräten (dFADs). [<a href="http://[SHUTTERSTOCK]" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die EU ist aufgrund einer fehlenden wissenschaftlichen Bewertung aus einem Abkommen zur Einschränkung schädlicher Fischereigeräte im Indischen Ozean ausgestiegen. Meeresschützer kritisierten die Begründung jedoch als heuchlerisch.

Im Februar 2023 erzielte die Thunfischkommission für den Indischen Ozean (IOTC) – eine zwischenstaatliche Organisation zum Management der Thunfischarten im Indischen Ozean, zu deren Mitgliedern auch die Europäische Union gehört – eine bahnbrechende Vereinbarung zur Einschränkung des Einsatzes und zur Erhöhung der Transparenz von treibenden Fischsammelgeräten.

Diese Geräte bestehen aus einer schwimmenden Oberfläche im Ozean, die pelagische Fische anlockt, insbesondere Thunfischarten wie den überfischten Gelbflossenthun und Großaugenthun. Sie werden mit negativen Auswirkungen auf die Thunfischpopulationen in Verbindung gebracht, wie dem Fang kleiner Jungtieren und dem Beifang gefährdeter Arten.

Eine Gruppe von IOTC-Mitgliedsstaaten – die Komoren, der Oman, Kenia, die Seychellen und die Philippinen – entschied jedoch, gegen die Resolution Einspruch zu erheben. Das bedeutet, dass diese Länder nun von der Einhaltung der neuen Regeln ausgenommen sind, die voraussichtlich im August dieses Jahres in Kraft treten werden.

Die EU erhob als letztes Einspruch und kündigte ihren Rückzug von der Resolution an. Diese Entscheidung könnte das gesamte Abkommen gefährden, da es automatisch für alle IOTC-Mitglieder null und nichtig wird, wenn elf von ihnen am Ende Einspruch erheben.

Aus Kommissionskreisen hieß es gegenüber EURACTIV, dass die EU die Resolution, die nach dem Einspruch im August 2023 in Kraft tritt, nicht einhalten werde. Man habe aber auch einen Kompromiss in Form von vier Vorschlägen vorgelegt, die auf der nächsten IOTC-Sitzung vom 8. bis 12. Mai diskutiert werden sollen.

„In ihren Vorschlägen beauftragt die EU den Wissenschaftlichen Ausschuss, die Wirksamkeit verschiedener Minderungsmaßnahmen zu untersuchen, einschließlich einer möglichen Definition eines nachhaltigen Niveaus des Einsatzes von treibender Fischsammelgeräte“, hieß es aus Kommissionskreisen.

Für die EU-Kommission soll der IOTC die Schlussfolgerungen des Wissenschaftlichen Ausschusses prüfen und entsprechend handeln – allerdings erst auf seiner Jahrestagung 2024.

„Auf diese Weise wird die IOTC bei ihrer Entscheidungsfindung einen wissenschaftsbasierten Ansatz verfolgen“, hieß es gegenüber EURACTIV.

Vorerst wird die EU damit nicht an die neueste IOTC-Resolution gebunden sein, sondern an die vorherige, die aus dem Jahr 2019 stammt.

Europäische Schiffe sollen seit der Verabschiedung der Resolution von 2019 das im Rahmen der IOTC vereinbarte Limit eingehalten haben – das entspricht 300 FADs, die gleichzeitig eingesetzt werden.

Jährliches Verbot von 72 Tagen

Die Kommission beanstandet insbesondere das 72-tägige jährliche Verbot des Einsatzes von dFADs „ohne jegliche wissenschaftliche Bewertung“ und ein „schwerfälliges“ Echtzeit-Tracking-System, das zur Offenlegung kommerziell sensibler Informationen führen könnte.

„Die Resolution führt Bestimmungen ein, die entweder praktisch nicht umsetzbar sind oder […] zu einer unverhältnismäßigen Belastung der Ringwadenflotten in diesem Gebiet führen würden“, schrieb die Generaldirektorin für maritime Angelegenheiten und Fischerei der Kommission, Charlina Vitcheva, in einem Brief.

Die Kommission lehnt auch den Plan ab, die Zahl der dFADs bis 2026 schrittweise von 300 auf 200 zu reduzieren. Sie hat vorgeschlagen, die Zahl bis 2028 auf 240 zu beschränken.

Anne-France Mattlet, Direktorin der Europêche Tuna Group, die den Fischereisektor in der EU vertritt, schloss sich der Position der Kommission an. Sie bedauerte die „Annahme einer unfairen und undurchführbaren Resolution für die europäische Ringwadenflotte.“

„Wir hoffen, dass die Einreichung eines Einspruchs zusammen mit einem neuen Vorschlag für eine Resolution durch die Europäische Union es ermöglichen wird, die Verhandlungen auf einer guten Grundlage zu beginnen und eine nachhaltige und gerechte Bewirtschaftung der Ressource zu ermöglichen“, fügte sie hinzu.

Meeresschutzgruppen und Nichtregierungsorganisationen schlagen jedoch Alarm wegen des Widerstands der EU gegen die Eindämmung nicht nachhaltiger Fischereipraktiken.

„Der Vorschlag der Kommission ist sehr heuchlerisch, weil sie die wichtigsten Teile der Resolution gestrichen hat, nämlich das 72-Tage-Verbot und die Transparenzanforderungen“, sagte Frédéric Le Manach, wissenschaftlicher Direktor der Meeresschutzorganisation Bloom.

„Wir haben keine Anforderungen an die Transparenz von der Fischsammelgeräte“, sagte er, „wir wissen nicht, wie viele es da draußen gibt, wer sie betreibt und wo sie sind.“

Laut Bloom haben französische und spanische Ringwadenfischer in den Jahren 2020 und 2021 87 Prozent ihrer Fänge mit treibenden FADs getätigt und dabei vor allem Jungfische gefangen – was die Fähigkeit zum Wiederaufbau der Fischpopulation einschränkt.

„Im Indischen Ozean entfällt ein Drittel der Fänge auf die französische und spanische Flotte“, einschließlich der Fänge von Schiffen, die unter anderen nationalen Flaggen registriert sind – wie Mauritius, Oman oder Tansania -, aber den beiden EU-Ländern gehören, erklärte Le Manach.

Die bevorstehende IOTC-Tagung, welche in Mauritius stattfinden wird, dürfte nach Ansicht des Meeresforschers aufgrund der zunehmenden Polarisierung des Themas „ziemlich hitzig“ werden.

Auf der einen Seite stehen Küstenländer wie Indonesien, die die Resolution unterstützen oder nicht ablehnen. Auf der anderen Seite stehen Länder wie Kenia oder die Seychellen, die „sehr enge Beziehungen“ zur Europäischen Union haben.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Zoran Radosavljevic]