Euro-Rettungsfonds erhält Bestnoten
Die Ratingagenturen Moody's, Fitch sowie Standard & Poor's erteilen dem Europäischen Rettungsfonds (EFSF) vorläufig die Bestnote. EFSF-Chef Klaus Regling hatte in den vergangenen Wochen intensiv mit den Ratingagenturen über das angestrebte Dreifach-A-Rating verhandelt. "Das war ein schwieriger Prozess, weil die EFSF ein schwieriges Tierchen ist", so Regling.
Die Ratingagenturen Moody’s, Fitch sowie Standard & Poor’s erteilen dem Europäischen Rettungsfonds (EFSF) vorläufig die Bestnote. EFSF-Chef Klaus Regling hatte in den vergangenen Wochen intensiv mit den Ratingagenturen über das angestrebte Dreifach-A-Rating verhandelt. „Das war ein schwieriger Prozess, weil die EFSF ein schwieriges Tierchen ist“, so Regling.
Die drei großen Ratingagenturen erteilten dem von den Euro-Ländern gegründeten Europäischen Rettungsfonds (EFSF) am Montag (20. September) allesamt vorläufig die Bestnote Dreifach-A. "Das Rating spiegelt unsere Einschätzung wider, dass die Garantien der Staaten mit AAA-Rating und die frei verfügbaren Liquiditätsreserven die Verbindlichkeiten der EFSF abdecken werden", erklärte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P).
Der Chef der in Luxemburg ansässigen Zweckgesellschaft EFSF, Klaus Regling, begrüßte die Entscheidung der Agenturen. Er bekräftigte, von den Euro-Ländern garantierte Anleihen würden erst begeben, wenn ein Land in Schwierigkeiten sei. Bisher gehe er aber davon aus, dass dies nicht notwendig werden würde. "Warum sollten wir Mittel aufnehmen? Es würde uns nur Geld kosten, diese zu halten, das ist nicht sinnvoll", sagte Regling.
Die Zweckgesellschaft war bei einem Krisentreffen der EU-Staaten auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise im Mai beschlossen worden. Sie sieht einen Garantierahmen von bis zu 750 Milliarden Euro vor, durch den Euro-Mitgliedsländer mit Krediten versorgt werden könnten, wenn sie selbst sich nicht mehr zu bezahlbaren Zinsen am Kapitalmarkt finanzieren können. Über die EFSF übernehmen die beteiligten 16 Euro-Staaten davon Kreditgarantien von bis zu 440 Milliarden Euro. Der Schutzschirm soll verhindern, dass die Krise Griechenlands andere schwache Euro-Länder wie Portugal, Irland oder Spanien ansteckt.
Nervosität über Finanzlage Irlands
Die Risikoaufschläge dieser Länder gegenüber den marktbestimmenden deutschen Staatsanleihen sind derzeit trotzdem zum Teil wieder fast so hoch wie in der heißen Phase der Krise. Vor allem über Irlands Finanzlage herrscht große Nervosität an den Finanzmärkten. Das von der Finanzkrise schwer getroffene kleine Euro-Land will am Dienstag 1,5 Milliarden Euro über Staatsanleihen einsammeln.
Regling sagte dazu, Preisschwankungen seien ein normaler Prozess. Er gehe dennoch davon aus, dass die EFSF nicht einspringen müsse. Der Garantierahmen sei nicht dazu geschaffen worden, um bei steigenden Spreads einzugreifen. Für den Fall, dass ein Euro-Land doch in eine Schuldenkrise gerate und die EFSF aktiv wird, erwartet Regling großes Interesse der Investoren. Banken hätten künftig wegen der schärferen Eigenkapitalregeln (Basel III) Bedarf an Anlagemöglichkeiten, wie sie dieses neue supranationale Instrument biete.
Intensive Verhandlungen
Der EFSF-Chef hatte in den vergangenen Wochen intensiv mit den Ratingagenturen über das angestrebte Dreifach-A-Rating verhandelt. Denn nicht alle Euro-Länder, die als Garantiegeber für die Anleihen gerade stehen, bringen so wie Deutschland die Bestnote als Mitgift ein. "Das war ein schwieriger Prozess, weil die EFSF ein schwieriges Tierchen ist – ein privat organisiertes Unternehmen, das den 16 Finanzministern gehört", sagte Regling.
Um die Bestnote zu bekommen, machte Regling keine Zusagen über die bereits im Rahmenvertrag vereinbarten Bedingungen hinaus. Doch um das Dreifach-A zu halten, wenn zum Beispiel ein großes Land wie Spanien Hilfe bräuchte und als Garantiegeber ausfallen würde, müsste S&P zufolge die Kreditsumme schrumpfen. Diese liegt laut Regling unter 440 Milliarden Euro, denn diese Summe entspricht einer 120-prozentigen Garantie für Anleihen.
Zudem fällt Griechenland aus, da es selbst ein Hilfspaket der Partnerländer braucht. Schließlich würden Bearbeitungsgebühren und andere Liquiditätspuffer von der Kreditsumme an ein Land abgezogen. S&P schätzt die verfügbaren Kredithilfen deshalb auf höchstens 350 Milliarden Euro.
Ausblick für EFSF-Bonität: "stabil"
Die Agenturen bewerten den Ausblick für die Bonität des EFSF mit "stabil". Sollte sich das Rating eines dahinter stehenden Staates verschlechtern, würde sich das auch auf das EFSF-Rating auswirken. Die Kreditvergabekapazität würde weiter sinken, erklärte S&P. Sollte eines der entsprechenden Euro-Länder seine Bestnote verlieren, ginge auch das Dreifach-A für die Zweckgesellschaft verloren, warnte Moody’s.
EURACTIV / rtr / dto
Links / Download
EFSF: Rating agencies assign top credit rating to EFSF (20. September 2010)
Bundesfinanzministerium: European Financial Stability Facility (EFSF)-Rahmenvertrag (7. Juni 2010)
EURACTIV.de: EFSF-Chef Regling: Keine Rückkehr der Eurokrise (30. August 2010)
EURACTIV.de: Rating-Agenturen – Konkurrenz für die drei Großen (29. Juli 2010)
EURACTIV.de: Euro-Rettungsschirm – "Bruch mit dem Grundgesetz" (5. Juli 2010)
EURACTIV.de: Klaus Regling als Chef der Euro-Finanzgesellschaft? (8. Juni 2010)