Euro-Überschuss leicht gesunken

Die Ausfuhren aus der Eurozone legten zuletzt stärker zu als die Einfuhren. Dadurch sinkt der Überschuss. In Deutschland gilt jedoch ein anderer Trend. Auch der Überschuss gegenüber den USA ist weiter gewachsen.

Euractiv.de
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Über 100 Milliarden Euro an Straf- und Vergeltungszöllen haben sich die beiden Weltmächte in den letzten drei Monaten aufgelegt. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/g/xue%20jingwen" target="_blank" rel="noopener">shutterstock/tcly</a>]

Zwar legten die Ausfuhren aus der Eurozone um 5,7 Prozent zu, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Doch die Einfuhren zogen mit einem Anstieg um 8,6 Prozent noch deutlicher an.

Laut der jüngst präsentierten Statistik für Juli 2018 ist dadurch der Exportüberschuss im Vergleich zum Juli 2017 leicht von 25,7 auf 22,5 Milliarden Euro gesunken. Eigentlich ist das eine gute Nachricht, denn ausgeglichene Handelsbilanzen sorgen für mehr wirtschaftliche Stabilität. Außerdem lässt sich am Abbau des Überschusses erkennen, dass die Menschen in der Eurozone einen größeren Teil des von ihnen erwirtschafteten Wohlstands selbst verbrauchen, statt ihn ins Ausland zu verkaufen.

Andererseits besteht eines der strategischen Ziele der EU darin, die „wettbewerbsfähigste Region der Welt“ zu werden. Je wettbewerbsfähiger man ist, desto größer sind jedoch die Überschüsse, schließlich ist man in der Lage, auf fremden Märkten die einheimischen Anbieter zu verdrängen. Ein gewisses Maß an Instabilität und eine niedrige Kaufkraft der eigenen Bevölkerung werden in Kauf genommen. Von dieser Warte aus betrachtet ist die Entwicklung dann doch wieder nicht so gut.

Weitgehend unstrittig ist indes, dass der Überschuss eines bestimmten Eurolandes zu hoch ist: Deutschland. Der Überschuss liegt schon seit 2012 über der Sechs-Prozent-Grenze des Europäischen Semesters, zuletzt gar bei 8,1 Prozent – mit steigender Tendenz. Das geht sogar der EU zu weit. Sie betrachtet den deutschen Überschuss als „Gefahr für die Stabilität der Währungsunion“ und fordert Jahr für Jahr mehr Investitionen und höhere Löhne, um ihn abzubauen.

Geändert hat das bisher wenig. Die Bundesregierung argumentiert, der Überschuss sei Ausdruck wirtschaftlicher Stärke und einer besonders hohen Wettbewerbsfähigkeit. Da könne man nichts machen. In der aktuellen Eurostat-Statistik ging zwar auch der deutsche Überschuss ein wenig zurück – mit einer Zunahme der Einfuhren um fünf Prozent und einer der Ausfuhren um vier Prozent allerdings deutlich moderater als im Rest der Währungsunion.

Bezieht man alle Länder der EU ein, nicht nur die Euroländer, ergibt sich weiterhin ein Überschuss gegenüber dem Rest der Welt – allerdings ein mit 6,9 Milliarden Euro recht überschaubarer. Gegenüber dem Vorjahr haben die Ausfuhren um 8,2 und die Einfuhren um 8,4 Prozent zugelegt. Es kam also zu keiner nennenswerten Veränderung der Außenhandelsbilanz.

Der wichtigste Handelspartner der EU sind laut den Eurostat-Daten übrigens trotz aller Querelen der letzten Monate die USA. Die Ausfuhren der EU in die USA haben im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,9 Prozent zugelegt. Was Donald Trump nicht gefallen dürfte: Zugleich sind die Importe der EU aus den USA um 2,3 Prozent zurückgegangen. Damit ist der Überschuss der EU gegenüber dem Partner auf der anderen Seite des Atlantiks von 56,2 auf 66,9 Milliarden Euro angestiegen. Wie sich diese Daten weiter entwickeln, ist angesichts bereits verhängter und weiterer angedrohter Zölle eine spannende Frage.

Leicht abbauen konnte die EU derweil ihr Defizit gegenüber China, dem zweitgrößten Handelspartner. Belief sich die Negativbilanz gegenüber Peking im Juli 2017 noch auf 83,6 Milliarden Euro, ist sie seither auf 81,2 Milliarden Euro zurückgegangen.