Euro-Zone droht Rezession?

Die Wirtschaft der Euro-Zone droht in eine Rezession abzurutschen. "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen", erklärt EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die EU-Kommission spricht von einem drastischen Vertrauenseinbruch, der Investitionen und Konsum behindere.

Für die Euro-Zone erwartet EU-Währungskommissar Olli Rehn 2011 nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr. Foto: dpa
Für die Euro-Zone erwartet EU-Währungskommissar Olli Rehn 2011 nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr. Foto: dpa

Die Wirtschaft der Euro-Zone droht in eine Rezession abzurutschen. „Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen“, erklärt EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die EU-Kommission spricht von einem drastischen Vertrauenseinbruch, der Investitionen und Konsum behindere.

Der Aufschwung der EU-Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen, warnt die EU-Kommission in ihrem am Donnerstag vorgestellten Herbstgutachten. "Der drastische Vertrauenseinbruch beeinträchtigt Investitionen und Konsum, das nachlassende Weltwirtschaftswachstum bremst die Exporte und die dringend nötige Finanzkonsolidierung belastet die Binnennachfrage", heißt es in einer Mitteilung der Brüsseler Behörde. Der aktuellen Prognose zufolge wird das BIP in der EU bis weit ins Jahr 2012 hinein stagnieren.

Für das Gesamtjahr 2012 wird ein Wachstum von rund 0,5 Prozent erwartet. 2013 soll dann wieder ein langsames Wachstum von rund 1,5 Prozent erzielt werden. An den Arbeitsmärkten sei real keine Verbesserung zu erwarten, und die Arbeitslosigkeit dürfte auf ihrem derzeit hohen Niveau von rund 9,5 Prozent verharren. Die Inflation soll in den kommenden Quartalen wieder unter die 2 Prozent-Marke sinken. Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte soll vorangehen, wobei die öffentlichen Defizite unter der Annahme einer unveränderten Politik bis 2013 auf knapp über 3 Prozent sinken dürften.

Auch für Deutschland haben sich die Wachstumsaussichten stark getrübt. Die deutsche Wirtschaft werde nur noch um 0,8 Prozent wachsen, so die Brüsseler Behörde. Im Folgejahr sollen es dann 1,5 Prozent sein. Die Neuverschuldung Deutschlands dürfte weiter leicht abnehmen und im kommenden Jahr bei etwa einem Prozent des BIP liegen. Die Gesamtstaatsverschuldung bleibt jedoch weiterhin hoch: In Deutschland dürfte sie 2012 bei 81,2 Prozent liegen.

Für Griechenland erwartet die Kommission einen Rückgang der Neuverschuldung von 10,3 Prozent des BIP in diesem Jahr auf 8,3 Prozent im kommenden Jahr. Die Lage bleibt jedoch dramatisch: Die Gesamtstaatsverschuldung soll 2012 in Griechenland bei 198,3 Prozent liegen. Erlaubt sind maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Gesamtschuldenstand Italiens bleibt der Prognose zufolge mit 120,5 Prozent auf demselben Niveau wie in diesem Jahr.

EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte: "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen, und es besteht das Risiko einer erneuten Rezession. Auch wenn die Beschäftigung in einigen Mitgliedstaaten wächst, wird bei der Arbeitslosigkeit für die EU insgesamt doch mit keiner realen Verbesserung gerechnet. Der Schlüssel zu erneutem Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum liegt darin, das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte und in das Finanzsystem wiederherzustellen und die Reformen zur Steigerung des europäischen Wachstumspotenzials rascher voranzutreiben. Über die nötigen Politikmaßnahmen besteht ein breiter Konsens. Was wir jetzt brauchen, ist eine rigorose Umsetzung. Ich jedenfalls werde die neuen Regeln für die wirtschaftspolitische Steuerung vom ersten Tag an nutzen."

dto

Links

Dokumente

EU-Kommission: European Economic Forecast – Autumn 2011

EU-Kommission: European Economic Forecast – Autumn 2011, Statistical Annex

EU-Kommission: Herbstprognose 2011-13: Wachstum im Stillstand (10. November 2011)

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Kommission: Aufschwung kommt zum Erliegen (15. September 2011)