Europa kann Emissionen um 30 Prozent reduzieren, zeigen EU-Zahlen
Eine Kürzung der Treibhausgasemissionen um 30 Prozent ist bis 2020 möglich, wenn Europa seine Effizienzziele erreicht. Das geht aus Berechnungen hervor, auf die sich Klimakommissarin Connie Hedegaard stützt.
Eine Kürzung der Treibhausgasemissionen um 30 Prozent ist bis 2020 möglich, wenn Europa seine Effizienzziele erreicht. Das geht aus Berechnungen hervor, auf die sich Klimakommissarin Connie Hedegaard stützt.
Allerdings wird dies in der Kommission niemand öffentlich sagen, und zwar aus zwei Gründen.
Der erste ist, dass die trockenen Zahlen auf einen wohl bekannten und immer noch andauernden Streit zwischen den Generaldirektionen der Europäischen Kommission für Klima und für Energie hindeuten.
Der andere ist, dass der Mangel an Koordinierung zwischen den Abteilungen aus der Frage ein technisches Wirrwarr gemacht hat.
Viele Unstimmigkeiten
Offiziell behauptet die Klimaabteilung der Kommission weiter, dass bis 2020 eine Kürzung der Gase, die zur Erderwärmung beitragen, um 25 Prozent möglich sei – wenn das EU-Ziel einer Verbesserung der Energieeffizienz um 20 Prozent auch erfüllt wird.
Die Seite 55 der Folgenabschätzung, die ihre CO2-arme Strategie für 2050 aufschlüsselt, sieht eine Energieverbrauchsrate in Europa von 1.740 Millionen Tonnen Rohöleinheiten (Mill. t RÖE) in Europa vorher.
Im starken Gegensatz dazu sieht die Seite 2 der Mitteilung, die den von der GD Energie entworfenen Energieeffizienzplan begleitete, einen Verbrauch von nur 1.600 Mill. t RÖE bis 2020 vor.
Vertreter der Kommission bestätigen, dass es zur Diskrepanz von 140 Mill. t RÖE kam, weil die Szenarien, die für die CO2-arme Strategie genutzt wurden, davon ausgehen, dass das Ziel der 20-prozentigen Energieeffizienz nicht erfüllt wird – vielleicht deswegen, weil es rechtlich nicht bindend ist.
Sollte dieses Ziel jedoch erreicht werden, zeigen die Berechnungen von GD Klima, dass die geplante 25-prozentige Kürzung der für die Atmosphäre schädlichen Gase in der Tat um fünf Punkt auf 30 Prozent erhöht werden würde.
Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass das mathematische Modell der Kommission eine Mill. t RÖE auf zwei Millionen Tonnen CO2 (Mill. t CO2) schätzt, sodass 140 Mill. t RÖE = 280 Mill. t CO2. Im Jahr 1990, dem Basisjahr für die 2020-Ziele der EU, betrugen die CO2-Emissionen 5.567 Mill. t CO2. Wenn man 280 durch 5.567 dividiert, kommt man auf fünf Prozent der gesamten CO2-Emmissionen 1990.
Eine „politisch sensible“ Frage
Die Diskrepanz wird von Beamten innerhalb der Kommission eingeräumt, freilich ist keiner der von EURACTIV Befragten zu einem offiziellen Kommentar bereit.
Ein Informant beschrieb das Thema als „politisch sensibel“.
Man habe dort viele politische Probleme, sagte er.
Nach Erkenntnissen von EURACTIV haben sowohl die GD für Klima als auch die für Energie für ihre Berechnungen das PRIMES-Modell genutzt.
Die Koordinierung zwischen den beiden GD ist jedoch von langjährigen Spannungen belastet worden.
Einem Beamten zufolge sei die GD Energie bei der Zusammenarbeit mit der GD Klima „sehr widerwillig“ gewesen, vor allem bei den Statistiken, die geeignet waren, eine Verbindung zwischen Energieeffizienz und Emissionskürzungen herzustellen, einschließlich der Energieverbrauchszahlen, die in der Folgenabschätzung der Strategie beinhaltet sind.
Diese Unruhen haben grundlegende politische Differenzen überdeckt.
Energiekommissar Günther Oettinger bevorzugt eine Beibehaltung des derzeitigen EU-Ziels einer Emissionskürzung um 20 Prozent bis 2020. Er erachtet es als das Maximum, was noch „ohne Entindustrialisierung Europas“ erreicht werden kann.
Klimakommissarin Connie Hedegaard dagegen will, dass es erhöht wird, um das langfristige EU-Ziel einer Kürzung um 85 bis 90 Prozent bis 2050 zu unterstützen.
Dies stellt das für Wissenschaftler nötige Minimum dar, um eine globale Erwärmung um mehr als zwei Grad zu vermeiden. Eine solche Erwärmung könnte katastrophale Folgen mit sich bringen.
Die CO2-Emissionen in der EU-27 sind seit 1990 bereits wesentlich gesunken und könnten – obwohl sie nach der Rezession wieder ansteigen – das offizielle Ziel einer Kürzung um 20 Prozent bis 2020 übertreffen.
Freude der Grünen
Umweltschützer haben die Perspektive, dass die Reduktion von 30 Prozent erreicht werden könnte, freudig angekündigt. Brook Riley von Friends of the Earth , der gemeinsam mit Arianna Vitali vom World Wildlife Fund die statistischen Abweichungen entdeckt hatte, beschrieb sie als „Durchbruch“.
Dies sei ein Beweis seitens der Kommission, dass man innerhalb der EU 30 Prozent erreichen könne, erklärte er begeistert, "und nicht durch Aufrechnungen und nicht durch 15 Prozent hier und 15 Prozent woanders mit einem künstlichen CDM-Kredit". Es seien 30 Prozent in Europa, und dies werde nicht von Nichtregierungsorganisationen gesagt, sondern immerhin von der Kommission.
Alles, was man benötige, sei, dass eine starke Energieeffizienzrichtlinie im Juni empfehle, dass die Effizienzziele der EU auch rechtsverbindlich gemacht würden.