Europäer unterstützen internationale Solidarität durch Entwicklungshilfe

Die überwiegende Mehrheit der Europäer und insbesondere der Italiener befürwortet laut einer Umfrage, dass ihr Land in Entwicklungshilfe außerhalb der EU-Grenzen investiert. Auch das Thema Migration spielt dabei eine besondere Rolle.

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Auf die Frage, wohin die Entwicklungshilfe zuerst fließen sollte, gaben die Befragten Afrika und den EU-Erweiterungskandidaten den Vorrang. [Wulandari Wulandari/Shutterstock]

Die überwiegende Mehrheit der Europäer und insbesondere der Italiener befürwortet laut einer Umfrage, dass ihr Land in Entwicklungshilfe außerhalb der EU-Grenzen investiert. Auch das Thema Migration spielt dabei eine besondere Rolle.

Für ihre Umfrage über die Unterstützung der Europäer für internationale Solidarität und nachhaltige Entwicklung befragte die französische Entwicklungsagentur im April 2024 über 6.000 Europäer in Polen, Italien, Deutschland, Frankreich und Schweden.

In einem europäischen Wahlkampf, der durch den Aufstieg rechter Parteien und eine Tendenz zum Protektionismus gekennzeichnet ist, sind fast drei von vier Europäern (72 Prozent) der Meinung, dass die Herausforderungen, denen sich die Welt gegenübersieht, kollektive Antworten erfordern.

Für den Direktor der Entwicklungsagentur, Rémy Rioux, ist dies kaum überraschend. „Mit den Römischen Verträgen wurde der Europäische Entwicklungsfonds (EEF) geschaffen. Der erste Aspekt von Europa ist nicht geopolitisch. Es ist in erster Linie eine Vision der Zusammenarbeit und der Entwicklung“, erklärte er bei der Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage am Dienstag (14. Mai).

Der Kontrast ist jedoch noch ausgeprägter, wenn man die Staaten im Einzelnen betrachtet: 87 Prozent der Italiener sind dafür, dass ihr Staat die Entwicklungsländer unterstützt. In Frankreich sind es dagegen nur 66 Prozent.

In Deutschland und Schweden sind es 71 Prozent und in Polen 72 Prozent.

Der Chef der französischen Entwicklungsagentur räumte ein, dass es „eine gewisse Skepsis in Frankreich“ gebe. Er bezeichnete das Ergebnis aber dennoch als „hoch.“ Allerdings sei er „ein wenig überrascht“, dass die Ergebnisse in Italien so hoch seien.

Seiner Meinung nach könnte dies auf die „sehr starke politische Botschaft“ von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei der Vorstellung des Mattei-Plans zurückzuführen sein. Dieser Plan ruft zu „Investitionen in Afrika“ auf.

Im Januar lud Meloni 25 afrikanische Staats- und Regierungschefs nach Rom ein und versprach, die Entwicklung Afrikas zu einem zentralen Thema ihrer Amtszeit zu machen. Dabei verfolgte sie zwei Ziele: ein Energiezentrum für Europa zu werden und die Migrationsströme zu verringern.

„Es handelt sich um einen konkreten Plan [den Mattei-Plan] strategischer Maßnahmen, die sich auf einige mittel- und langfristige Prioritäten konzentrieren: Bildung und Ausbildung, Gesundheit und Landwirtschaft, Wasser und Energie“, erklärte sie auf dem Gipfel.

Rioux wies darauf hin, dass Italien zwar Anfang der 2000er Jahre aus der Entwicklungshilfe ausgestiegen sei. Die Budgets seien jedoch in den letzten Jahren aufgestockt worden, vor allem unter den ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Mario Draghi.

Auf die Frage, wohin die Entwicklungshilfe zuerst fließen sollte, gaben die Befragten Afrika und den EU-Erweiterungskandidaten den Vorrang.

Frankreich bevorzugt das französischsprachige Afrika, Italien die nordafrikanischen Maghreb-Staaten und Deutschland und Polen die Erweiterungskandidaten.

Die Staaten Lateinamerikas, Asiens und des Nahen Ostens stehen auf der Liste an letzter Stelle.

In Migration investieren

Die Umfrage befasste sich auch mit dem Thema Migration. Die Befragten waren geteilter Meinung über die Auswirkungen von Migranten auf die Wirtschaft und Kultur ihrer Länder.

Italien und Schweden sehen diese Auswirkungen mit 59 beziehungsweise 54 Prozent als positiv an, verglichen mit nur 38 Prozent der französischen und polnischen Befragten und 46 Prozent der Deutschen.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge ist jedoch eine Mehrheit der Europäer (83 Prozent) davon überzeugt, dass ihr Land in migrationsbezogenen Fragen helfen und investieren sollte.

Dies umfasst unter anderem die verstärkte Bekämpfung von Menschenschmuggel sowie die Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern. Auch die Unterstützung von Regierungen bei der Entwicklung ihrer Migrationspolitik gehört dazu.

Rund 70 Prozent der Polen sind der Meinung, dass ihr Staat Bevölkerungen und Regionen unterstützen sollte, die von Zwangsvertreibungen im Zusammenhang mit Krisen, Konflikten oder dem Klimawandel betroffen sind. In Frankreich sind es 67 Prozent, in Deutschland 68 Prozent, in Schweden 74 Prozent und in Italien 82 Prozent.

„Polen steht der Entwicklungshilfe sehr positiv gegenüber“, erklärte Phillipe Gautier, Generaldirektor von MEDEF International, einer gemeinnützigen Organisation, die das Know-how französischer Unternehmen im Ausland fördert.

Er sagte, dass „insbesondere seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine die Wahrnehmung der Risiken von außen und die Notwendigkeit, sich für den Schutz der Grenzen einzusetzen, zugenommen haben.“

Die EU wurde in der letzten Legislaturperiode des Europäischen Parlaments von zahlreichen Krisen heimgesucht – Corona, Russlands Krieg gegen die Ukraine, Energiekrise, Inflation. Daher zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass „angesichts der zunehmenden Gewalt und der geopolitischen Instabilität die internationale Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung wieder an Bedeutung gewonnen hat“, erläuterte Rioux abschließend.

[Edited by Chris Powers/Kjeld Neubert]