Europäische Verbraucher finden Lebensmittelpreise sozial ungerecht

Der Anstieg der Lebensmittelpreise und die Verknappung von Lebensmitteln beunruhigen einen Großteil der europäischen Verbraucher:innen, während fast die Hälfte der Befragten findet, dass die Kosten ungerecht verteilt sind. Das geht aus einer neuen Studie hervor.

Euractiv.com
German Green party summer tour at REWE in Cologne
epa08558598 Fruit and vegetables on display at the Richrath REWE supermarket during the German Green party summer tour in Cologne, Germany, 21 July 2020. EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL

Der Anstieg der Lebensmittelpreise und die Verknappung von Lebensmitteln beunruhigen einen Großteil der europäischen Verbraucher:innen, während fast die Hälfte der Befragten findet, dass die Kosten ungerecht verteilt sind. Das geht aus einer neuen Studie hervor.

Laut der Umfrage unter 5.000 Personen in zehn europäischen Ländern sparen Verbraucher:innen in Europa in der Weihnachtszeit bei den Lebensmittelkosten, um mit steigenden Preisen umzugehen.

Den Daten zufolge sind die meisten Verbraucher:innen der Meinung, dass der Krieg in der Ukraine die Lebensmittelpreise in Europa erhöht hat, während viele die ungleiche Verteilung dieser Kosten sowie der durch den Krieg erzielten Gewinne als ungerecht empfinden.

„Fast die Hälfte ist der Meinung, dass diese Kosten ungerecht verteilt sind, wobei 48 Prozent der Befragten glauben, dass der Krieg den Lebensmitteleinzelhändlern und -herstellern ermöglicht hat, mehr Gewinn zu machen“, erklärten die Forscher:innen in einer Mitteilung.

Die Untersuchung wurde von einem Konsortium europäischer Universitäten unter der Leitung der Universität Aarhus und mit Unterstützung des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT Food) durchgeführt.

Anfang dieses Jahres hatte Oxfam International berichtet, dass das Vermögen der Lebensmittel- und Energiemilliardäre seit 2020 um mehr als 400 Milliarden Euro – oder 453 Milliarden Dollar – gestiegen ist, was einem Gewinn von einer Milliarde Dollar alle zwei Tage entspricht.

Die Produkte, bei denen die Käufer:innen den Eindruck hatten, dass die Preise am stärksten gestiegen sind, sind tierische Erzeugnisse wie rotes Fleisch (55 Prozent), Fisch (52 Prozent) und Milchprodukte (51 Prozent).

Der Umfrage zufolge hat dies dazu geführt, dass knapp vier von zehn Verbraucher:innen (37 Prozent) weniger rotes Fleisch kaufen, während ein Drittel weniger Fisch und Geflügel kauft (jeweils 33 Prozent).

Andere von den Forschern beobachtete „kostensparende Verhaltensweisen“ sind der Wechsel zu billigeren Marken und Läden.

Einige Verbraucher:innen laut der Studie auch dafür, bestimmte Artikel gar nicht mehr zu kaufen. Dabei handelt es sich vor allem um Fertiggerichte (12 Prozent) und alkoholische Getränke (10 Prozent).

Leere Geldbeutel, „bewusste“ Entscheidungen

Die Untersuchung ergab, dass die steigenden Lebensmittelpreise Verbraucher:innen zu „bewussteren“ Kaufentscheidungen veranlassen.

Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, stärker auf Preise zu achten als vor der Pandemie, während vier von zehn erklärten, weniger ungeplante Einkäufe zu tätigen. Das entspricht einem Anstieg von 35 Prozent beziehungsweise 26 Prozent seit 2020.

Klaus Grunert, Professor an der Universität Aarhus, hofft, dass die Studie politische Entscheidungsträger:innen in die Lage versetzen wird, sachkundige und rechtzeitige politische Maßnahmen zu ergreifen, obwohl die Krise in der Ukraine und der globale Wirtschaftsabschwung einzigartige und erhebliche Bedrohungen für das europäische Lebensmittelsystem darstellen.

Seiner Meinung nach müssen solche Maßnahmen den wachsenden Bedenken der Verbraucher:innen hinsichtlich der steigenden Lebensmittelkosten angemessen Rechnung tragen.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Folgestudie zu einer 2020 durchgeführten Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass die Corona-Lockdownmaßnahmen möglicherweise dauerhafte Verhaltensänderungen in Bezug auf den Lebensmittelkonsum bewirkt haben.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass es für die weniger wohlhabenden Haushalte nicht ausreicht, einfach nur ihr Kaufverhalten bei Lebensmitteln anzupassen“, erklärte Camille Perrin, leitende Referentin für Ernährungspolitik beim Europäischen Verbraucherverband (BEUC).

Ihrer Meinung nach müssen diese Haushalte durch angemessene sozialpolitische Maßnahmen während der Lebenshaltungskostenkrise unterstützt werden.

„Auch die Supermärkte müssen eine Rolle spielen, indem sie beispielsweise sicherstellen, dass preisgünstige Produkte dort erhältlich sind, wo die Verbraucher sie am meisten brauchen“, so Perrin weiter.

Insgesamt zeigt der Trend in Europa, dass die meisten Menschen ihre Einkaufsgewohnheiten angepasst haben, indem sie entweder den Lebensmittelpreisen mehr Aufmerksamkeit schenken oder anderweitig bewusstere Entscheidungen treffen, beispielsweise indem sie die Etiketten überprüfen.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/ Alice Taylor]