Trägerrakete Ariane 6: Europas Wiedereintritt in den Weltraum verzögert sich erneut

Auf die Möglichkeit, wieder eigenständig ins All zu starten, wartet Europa seit Langem. Am Montagnachmittag stand der erste kommerzielle Flug der europäischen Trägerrakete Ariane 6 auf dem Plan - bis dieser aufgrund einer "Anomalie am Boden" abgesagt wurde. 

EURACTIV mit AFP
Ariane 6 before the planned launch into space
Die erste Mission der Rakete hat nun den französischen Spionagesatelliten CSO-3 in 800 km Höhe in den Orbit gebracht. [Rachel Boßmeyer/picture alliance via Getty Images]

Auf die Möglichkeit, wieder eigenständig ins All zu starten, wartet Europa seit Langem. Am Montagnachmittag stand der erste kommerzielle Flug der europäischen Trägerrakete Ariane 6 auf dem Plan – bis dieser aufgrund einer „Anomalie am Boden“ abgesagt wurde. 

Seit der Ausmusterung der Ariane 5 im Juli 2023 und dem Ende der europäischen Raumfahrtpartnerschaft mit der russischen Sojus-Rakete fehlte der EU die Möglichkeit, unabhängig militärische oder staatliche Satelliten zu starten. Nach einem erfolgreichen Test im Juli 2024 sollte die Ariane 6 dies ändern.

Auf ihrer ersten Mission sollte die Rakete am Montag um 17:24 MEZ von Kourou, Französisch-Guayana, den französischen Spionagesatelliten CSO-3 in 800 km Höhe in die Erdumlaufbahn bringen.

Obwohl zuerst grünes Licht für den Start gegeben wurde, wurde dieser wenige Minuten vor dem Zünden der Rakete abgesagt. Nachdem eine „Anomalie“ entdeckt wurde, sei eine Verschiebung des Starts „die einzig mögliche Entscheidung“ gewesen, erklärte Arianespace-Chef David Cavailloles.

Der Satellit sollte die militärischen Operationen Frankreichs in der Luft, zu Wasser und zu Lande unterstützen und gleichzeitig die Katastrophenhilfe erleichtern, wie etwa nach dem Zyklon Chido im vergangenen Dezember, der Frankreichs Überseedépartement Mayotte im Indischen Ozean schwer traf.

„Der CSO-3 ermöglicht uns die Überwachung von Gebieten, die wir als sensibel oder instabil erachten. Das bedeutet, dass wir bestimmte Krisen erkennen und ihnen zuvorkommen können“, erklärte der Rüstungsingenieur Michel Sayegh letzte Woche, wie Libération berichtete.

Der kommerzielle Einsatz von Ariane 6 hatte sich bereits im Vorfeld lange verzögert. Ursprünglich war der Start für 2020 geplant, aber aufgrund von Problemen mit der Bodenausrüstung und durch die Corona-Pandemie musste der Start verschoben werden.

Insbesondere die europäische Antwort auf das amerikanische GPS – die Galileo Satelliten-Konstellation –  ist von der neuen Trägerrakete abhängig. Als die Situation kritisch wurde, begann die EU an einer Vereinbarung mit SpaceX zu arbeiten, um ihre neue Generation von Galileo-Satelliten zu starten, wie Euractiv berichtete.

Volle Auftragsbücher

Airiane 6 hat bereits jetzt 32 Missionen geplant, darunter mehrere Satelliten, die im Jahr 2025 für die Europäische Kommission in die Umlaufbahn gebracht werden sollen: Metop-SG-A1 für die Wetterbeobachtung, Sentinel-1D für die Erdbeobachtung und zwei Galileo-Navigationssatelliten.

Ein wichtiger kommerzieller Auftrag ist auch der Start von 18 Satelliten für Amazons Kuiper-Konstellation, den Satelliten-Internetdienst des amerikanischen Unternehmens. Auf die Dienste der Konkurrenz von SpaceX wollte Amazon nicht zurückgreifen.

„Jeff Bezos hat seine eigene Trägerrakete, New Glenn, entwickelt, die am 16. Januar ihren Jungfernflug absolvierte, aber sie bleibt experimentell“, sagte Xavier Pasco, ein Raumfahrtexperte und Direktor der Foundation for Strategic Research, gegenüber Euractiv.

„Der Amazon-Gründer ist jedoch bestrebt, sich aus dem Griff von SpaceX zu befreien, um mit Elon Musk zu konkurrieren, der derzeit etwa 70 Prozent der operativen Satelliten im Orbit kontrolliert.“

„Die großen Tech-Milliardäre wollen den Weltraum normalisieren, indem sie ihn zu einer weiteren Infrastruktur für den Informationstransport machen. Ihr Ziel ist es auch, das Cloud-Computing zu revolutionieren, indem sie sichere weltraumgestützte Datenspeicherdienste anbieten“, fügte Pasco hinzu.

Musk selbst richtetet seine Augen am Montag ebenfalls gen Himmel, denn SpaceX bereitet sich auf den zweiten Testflug von Starship – der größten jemals gebauten Rakete – in Boca Chica, Texas, vor.

[MM]