Europäische Weltraumagentur erhält Rekordbudget bis 2028

Deutschland trat erneut als größter Einzelzahler hervor und sagte als Gastgeberland des Treffens rund fünf Milliarden Euro zu.

EURACTIV.com
[Photo by Patrick AVENTURIER/Gamma-Rapho via Getty Images)]

Bremen, DEUTSCHLAND – Die 23 Mitgliedstaaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA haben sich am Donnerstag darauf verständigt, 22,1 Milliarden Euro bereitzustellen – für alles vom Raketenprogramm und wissenschaftlichen Missionen bis hin zur Modernisierung der europäischen Startinfrastruktur.

Die Zusagen, die überwiegend bis 2028 laufen, entsprechen – inflationsbereinigt – einem Anstieg von rund 20 Prozent im Vergleich zur letzten ESA-Ministerratskonferenz 2022 in Paris. Damals waren 16,9 Milliarden Euro für verschiedene Programme zugesagt worden.

„Wir haben rekordhohe Beiträge erreicht“, sagte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher, nachdem das Budget in Bremen fixiert wurde. „Die Botschaft, dass Europa mehr tun muss, wurde von unseren Ministern sehr ernst genommen.“

Deutschland trat erneut als größter Einzelzahler hervor und sagte als Gastgeberland des Treffens rund fünf Milliarden Euro zu.

Zudem wurde bekanntgegeben, dass ein deutscher Astronaut als erster aus dem aktuellen ESA-Korps auf eine Mission zur neuen, den Mond umkreisenden Raumstation fliegen soll – voraussichtlich später in diesem Jahrzehnt. Wann genau, ist allerdings noch offen. Eine feste Zusage der NASA für einen ESA-Platz auf einer der Artemis-Mondmissionen steht ebenfalls weiterhin aus.

Nach dem ESA-Finanzierungsmodell treffen sich die zuständigen Minister alle drei Jahre, um gemeinsame Investitionsschwerpunkte festzulegen. Die Beiträge fließen anschließend über das sogenannte Geo-Return-System in Form von Industrieaufträgen in gleicher Höhe an die Mitgliedstaaten zurück.

Rund 900 Millionen Euro – deutlich mehr als erwartet – wurden für Projekte zugesagt, die fünf private europäische Raketenentwickler stärken sollen, wie Aschbacher erläuterte. Ziel ist es, Alternativen zu Elon Musks SpaceX und Europas einzigem Schwerlastträger Ariane 6 zu schaffen.

Trotz des deutlichen Mittelzuwachses bleibt das europäische Engagement im All jedoch weit hinter dem der USA und Chinas zurück. Allein die NASA verfügt über ein Jahresbudget von 25 Milliarden US-Dollar – ohne die zusätzlichen Ausgaben für militärische Raumfahrtprogramme.

Hinzu kommt, dass die ESA vor erheblichen Herausforderungen steht. Ihre Kooperation mit der NASA – vom Artemis-Mondprogramm bis zur seit Jahren verzögerten ExoMars-Mission – hängt stark von politischen Entscheidungen in Washington D.C. ab.

Unklarheit herrscht zudem über das Flaggschiffprojekt der europäischen Weltraumverteidigung.

Die Regierungen stellten 1,2 Milliarden Euro für ein neues Satellitennetzwerk bereit – „European Resilience from Space“ –, eine militärisch ausgelegte Konstellation, die gemeinsam mit der EU finanziert werden soll.

„Wir arbeiten Hand in Hand“, sagte Aschbacher zur Zusammenarbeit mit der EU. Eine eigene Arbeitsgruppe sei im April gemeinsam mit der EU-Kommission eingerichtet worden, und man stimme die Planungen bereits auf den nächsten siebenjährigen EU-Finanzrahmen ab, der 2028 beginnt.

(jl)