Deutschsprachige Länder streben eine engere militärische Zusammenarbeit im Weltraum an

Die vier Länder wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen – von gemeinsamen Übungen bis hin zur Lageerfassung im Weltraum –, um Kollisionen zu verhindern, Informationen zu sammeln und die Satellitensysteme der anderen Länder zu schützen.

EURACTIV.com
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Boris Pistorius (2. von rechts), mit den Amtskollegen aus der Schweiz, Martin Pfister (links), Österreich, Klaudia Tanner (2. von links), und Luxemburg, Yuriko Backes. [Foto: Kay Nietfeld/picture alliance via Getty Images]

Die Verteidigungsminister Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Luxemburgs haben am Montag zugesagt, ihre Zusammenarbeit im Bereich der Weltraumressourcen zu verstärken.

„Weltraumfähigkeiten spielen in jeder Form militärischer Konflikte eine immer größere, immer wichtigere und zunehmend unverzichtbare Rolle“, sagte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen drei Amtskollegen.

Die vier deutschsprachigen Länder wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen – von gemeinsamen Übungen bis hin zur Lageerfassung im Weltraum –, um Kollisionen zu verhindern, Informationen im Weltraum zu sammeln und die Satellitensysteme der anderen Länder zu schützen.

Die EU-Agentur für das Weltraumprogramm (EUSPA) koordiniert solche Angelegenheiten für EU-Ressourcen und mit überwiegend ziviler Ausrichtung, doch die vier Länder streben eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen ihren nationalen militärischen Konstellationen an.

Der Weltraum hat an Bedeutung gewonnen

Der Weltraum hat in den letzten Jahren für militärische Zwecke an Bedeutung gewonnen, insbesondere in den Bereichen Beobachtung, Kommunikation und Raketenabwehr. Er wurde von der Europäischen Kommission als vorrangiger Kompetenzbereich für die europäische Verteidigung identifiziert.

Pistorius sagte, ein kürzlicher Besuch in der Ukraine habe ihm erneut gezeigt, wie wichtig Kommunikationssysteme wie Starlink und moderne Drohnentechnologie sind, um die militärische Logistik Russlands abseits der Frontlinien zu treffen.

Europa ist derzeit stark von den Weltraumkapazitäten der USA abhängig und drängt darauf, eigene zu entwickeln. Deutschland hat 35 Milliarden Euro für den Ausbau seiner eigenen Weltraumressourcen bereitgestellt, was bei einigen seiner europäischen Partner die Sorge weckt, das Land könnte seine Verteidigungsmittel vor allem für nationale Projekte statt für gemeinsame europäische Vorhaben einsetzen.

Weltraumkapazitäten kann man nicht alleine erreichen

Pistorius versuchte, diese Bedenken auszuräumen, und erklärte gegenüber Reportern, dass „Weltraumkapazitäten nichts sind, was Nationalstaaten alleine erreichen können – zumindest nicht, wenn sie keine Supermächte sind“.

Klaudia Tanner, Österreichs Verteidigungsministerin, sagte auf derselben Pressekonferenz, dass „Partnerschaften und grenzüberschreitende Zusammenarbeit unglaublich wichtig“ seien, insbesondere für die satellitengestützte Navigation und die Aufklärung mittels Satellitenbildern.

Tanner erklärte gegenüber Euractiv in einem separaten Interview, dass sie davon ausgehe, dass Deutschland eine wichtige koordinierende Rolle in dieser neuen Zusammenarbeit übernehmen werde, und dass sie auch eng mit Luxemburg hinsichtlich der gemeinsamen Nutzung von Satelliten zusammenarbeiten werde.

Luxemburg ist stolz auf sein umfassendes Fachwissen im Bereich Satelliten für Kommunikations- und Beobachtungszwecke. „Wir stellen diese Kompetenzen unseren Partnern sehr gerne zur Verfügung“, sagte Yuriko Backes, Luxemburgs Verteidigungsministerin.

Neben ihrer künftigen Zusammenarbeit betonten die vier Minister, wie wichtig es für Europa sei, ausreichende Autonomie zu erlangen, um Satelliten selbst starten zu können, insbesondere im Bereich mittelgroßer Startkapazitäten.

(at)