Experte: Tierschutzstandards müssen positive Indikatoren enthalten
Der Experte Antonio Velarde sieht im Tierschutz einen zunehmenden "Philosopiewechsel" der darauf abziele, positive Indikatoren - wie Zufriedenheit - zu fördern, statt lediglich zu verhindern, dass Tiere negative Erfahrungen machen.
Der Experte Antonio Velarde sieht im Tierschutz einen zunehmenden „Philosopiewechsel“ der darauf abziele, positive Indikatoren – wie Zufriedenheit – zu fördern, statt lediglich zu verhindern, dass Tiere negative Erfahrungen machen.
Die wichtigsten Indikatoren für das Wohlergehen von Tieren, die aktuell in der wissenschaftlichen Forschung und bei der Entscheidungsfindung verwendet werden, sind die sogenannten „fünf Freiheiten“: Freiheit von Hunger und Durst, Freiheit von Unbehagen, Freiheit von Schmerzen oder Krankheiten, Freiheit, normales Verhalten zu zeigen, und Freiheit von Angst und Leid.
Laut Antonio Velarde, Leiter des katalanischen Instituts für Agrarforschung und Technologie (IRTA), haben neuere Forschungsergebnisse jedoch gezeigt, wie wichtig es sei, auch das positive Wohlergehen der Tiere zu berücksichtigen.
„Es handelt sich um eine Änderung der Philosophie des Tierschutzes“, sagte er. Dabei gehe es darum „nicht nur Probleme zu vermeiden, sondern auch das Wohlbefinden [des Tieres] zu fördern.“
Solche Indikatoren für positives Wohlergehen seien bereits „auf dem Weg“, aber noch weniger entwickelt als andere.
„Die Indikatoren für Schmerz, Leiden oder Frustration wurden beispielsweise bereits eingehend untersucht, sodass wir bereits wissen, wann ein Tier leidet, und wir haben entsprechende Instrumente“, sagte er. „Aber die Indikatoren für positives Wohlbefinden – also wenn [das Tier] spielt oder zufrieden ist – müssen wir noch weiter entwickeln.“
Laut Velarde ist die Wissenschaft „ein grundlegender Bestandteil des Tierschutzes“, da sie beispielsweise quantifizierbare Indikatoren und anderes Wissen liefere, um Entscheidungen zum Schutz der Tiere treffen zu können.
Der Experte, der auch Mitglied des Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist, reagierte auf die Zurückhaltung des Tierhaltungssektors gegenüber den wissenschaftlichen Gutachten der Behörde, indem er betonte, die Empfehlungen sollten der Ausgansgpunkt für neue Gesetze sein, nicht aber das Ende der Diskussion.
„Ich denke, dass sie [die Gutachten der EFSA] auf Ablehnung gestoßen sind, aber vor allem, weil sie falsch interpretiert wurden“, sagte er.
Als wissenschaftliches Gremium der EU hat die EFSA im Rahmen der laufenden Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung wissenschaftliche Gutachten veröffentlicht.
Zu ihren Empfehlungen an die Kommission gehören die Einführung von käfigfreien Systemen für bestimmte Tierarten sowie ein Verbot von Verstümmelungspraktiken und langen Transporten lebender Tiere.
„Vom Standpunkt des Tierschutzes aus“, sagte er, „wenn wir keine wirtschaftlichen oder ökologischen Probleme hätten, was bräuchten [die Tiere] dann?“
„Und dann muss man schauen, wie man das mit den anderen Aspekten kombinieren kann“, erklärte er.
Vollautomatisches Tierwohl
Laut Velarde ist das „ideale“ Zukunftsszenario, dass „alles automatisiert ist und Sie einen Computer haben, der Ihnen sagt: Sehen Sie, hier gibt es ein Problem.“
Dieser Traum sei jedoch noch lange nicht erreicht.
„Wir haben zwar Sensoren, die die Aktivität, das Wachstum oder den Körperzustand eines Tieres messen können, aber die Herausforderung besteht darin […], dies so auszuwerten, dass es etwas über das Wohlbefinden aussagt.“
Seiner Meinung nach ist es wichtig, Fortschritte bei der Festlegung der Grenzen zu machen und herauszufinden, wie die Informationen und Daten, die wir erhalten, zu interpretieren sind.
Er fügte hinzu, dass die Informationen, die zum Beispiel von Geolokatoren stammen, im Moment von den Unternehmen selbst gesammelt werden.
Aber „vielleicht kann auf lange Sicht eine Cloud mit all diesen Daten gebildet werden, die ausgewertet werden kann und die das Wohlergehen Ihrer Tiere zertifizieren kann“, sagte er und fügte hinzu, dass „es auch im Interesse der Unternehmen ist, diese Daten zu veröffentlichen, damit sie dafür werben können.“
In diesem Sinne versicherte Velarde, dass „Tierschutz eine Geschäftsstrategie sein kann“, die auch „dem Arbeitgeber zugutekommt.“
„Ich denke, der Trend geht nicht dahin, billiges Fleisch zu produzieren, sondern nachhaltiges Fleisch“, sagte er. „Es ist vielleicht nicht notwendig, so viel Fleisch zu produzieren, aber von besserer Qualität.“
[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]