Experten für "vollständig integrierte Energiepolitik"

Der Wechsel von einer nationalen zur europaweit einheitlichen Förderung von erneuerbaren Energien könnte bis 2020 über 100 Milliarden Euro sparen. So das Ergebnis einer heute vorgestellten Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).

Der Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ vor der ostfriesischen Insel Borkum wird Ende April offiziell eingeweiht. Ähnliche Projekte würden von einer vollständig europäisch integrierten Energiepolitik profitieren.
Der Offshore-Windpark "Alpha Ventus" vor der ostfriesischen Insel Borkum wird Ende April offiziell eingeweiht. Ähnliche Projekte würden von einer vollständig europäisch integrierten Energiepolitik profitieren.

Der Wechsel von einer nationalen zur europaweit einheitlichen Förderung von erneuerbaren Energien könnte bis 2020 über 100 Milliarden Euro sparen. So das Ergebnis einer heute vorgestellten Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).

Anlagen für erneuerbare Energien werden bisher dort gebaut, wo der Staat die meisten Fördergelder bereitsstellt. Das führt zu Ineffizienzen. Eine heute vorgestellte Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) belegt, dass Steuerzahler und Verbraucher bis 2020 über 100 Milliarden Euro einsparen könnten, falls erneuerbare Energien EU-weit harmonisiert und technologieneutral gefördert werden.

Die EWI-Experten argumentieren, dass eine europaweite Förderpolitik zu einem Wettbewerb um die Erzeugung führen würde. Sie plädieren dabei für ein "technologieneutrales Quotensystem". Dabei würde auf europäischer Ebene ein Mengenziel für erneuerbare Energien festgelegt – unabhängig davon, ob die Energie durch Sonne, Wind, Wasser, Biomasse etc. erzeugt wird. "Ein mengenbasiertes Quotensystem würde der Logik des Emissionshandels entsprechen, bei dem europaweite CO2-Emissionsmengen vorgegeben werden – nicht eine (einheitliche) Steuer pro Tonne CO2", heißt es in der Studie.

Fehlanreize im Fördersystem

Die derzeit höheren Kosten für erneuerbare Energien führen die Experten auf eine "teilweise ineffiziente Standortwahl" und auf die "Investitionen in teure Technologien, vor allem in Photovoltaik" zurück. Durch die Fehlanreize im derzeitigen Fördersystem wird Photovoltaik in den eher nördlichen EU-Ländern, so auch Deutschland, "mit vergleichsweise wenigen Sonnenstunden zugebaut".

Von einem "harmonisierten Quotenszenario" würde bis 2020 vor allem die Windkraft profitieren. Es käme den EWI-Experten zufolge zu einer systematischen Erschließung der besten Windstandorte in Großbritannien, Deutschland, Polen, Spanien und Frankreich (onshore) sowie Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Frankreich und Dänemark (offshore). "Zudem werden die günstigsten Biomassebrennstoffe genutzt, bevor auf teurere Technologien zurückgegriffen wird."

Unflexibles Stromsystem

Die Einspeisung von immer größeren Mengen an erneuerbaren Energien, deren Kapazitäten allerdings stark schwanken, überfordert bisher die Elektrizitätsnetze. Bisher ist das Stromsystem so unflexibel, dass es an der Leipziger Strombörse aufgrund des Überangebots mehrfach zu negativen Strompreisen kam. Das heißt, Abnehmer erhielten Geld dafür, Strom zu beziehen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Harmonisierung des erneuerbaren Teilsystems dieses Netzproblem sogar verstärken würde, falls das Gesamtsystem nicht ebenfalls harmonisiert würde.

Netzausbau gefordert

"Abhilfe könnte eine vollständig europäisch integrierte Energiepolitik schaffen", schreiben die Experten. Sie empfehlen die "stärkere Vermaschung der nationalen Stromsysteme durch Netzausbau".

Neun Länder (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Benelux, Dänemark, Irland und Norwegen) planen bereits, ihre Ökostrom-Aktivitäten mit einem gemeinsamen Hochspannungsnetz unter der Nordsee zu bündeln. (EURACTIV.de vom 5. Januar und vom 28. Januar)

Außerdem seien auch "Speicherlösungen, flexiblere Nachfrageprozesse und eine angepasste Förderpolitik, welche die Bedarfsgerechtheit der Stromeinspeisung unterstützt, […] zwingend erforderlich".

"Wenn die Verantwortung eines regional konzentrierten Zubaus erneuerbarer Energien mit der Netzausbauplanung koordiniert ist und gleichzeitig die am besten geeigneten, noch immer [zur Leistungsabsicherung] benötigten konventionellen Kraftwerke in die Regionen gebaut werden, in denen ihre technischen und ökonomischen Eigenschaften bestmöglich zum Tragen kommen, ist ein effizientes Gesamtsystem möglich", schlussfolgern die EWI-Experten.

mka

Dokumente / Download / Links

Institute

EWI: Initiates  file downloadStudie über die Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen in Europa (Zusammenfassung)
EWI: Initiates  file downloadPressemitteilung zur Studie (April 2010)

DEWI
: Status der Windenergienutzung in Deutschland 2009
DEWI:
Windenergie in Deutschland ? Aufstellungszahlen für das Jahr 2009


Verbände

BWE: Jahresbilanz Windenergie 2009. Pressemitteilung (27. Januar 2010)

EWEA:
European offshore wind power market grew 54% in 2009 (18. Januar 2010)

Bundesregierung

Novelle des EEG zum 1. Januar 2009 (25. Oktober 2008)


EU-Kommission

Mehr als 1,5 Mrd. EUR für 15 CCS-Projekte und Offshore-Windenergie-Projekte zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung in Europa bewilligt (9. Dezember 2009)

Selection of offshore wind and carbon capture and storage projects for the EEPR (9. Dezember 2009, englisch)

Liste der 15 genehmigten Energieprojekte (9. Dezember 2009, englisch)

Verordnungsvorschlag zu Investitionsvorhaben für Energieinfrastruktur (16. Juli 2009)

EU-Notfallpläne gegen neue Gasblockaden (16. Juli 2009)

Vorschläge der Erdgaskoordinierungsgruppe (2. Juli 2009)

Investitionen in Höhe von 5 Milliarden Euro für Energie- und Breitband-Infrastrukturen (28. Januar 2009)

EU-Aktionsplan für Energieversorgungssicherheit (13. November 2008)

Rat

Kompromissvorschlag zur Finanzierung der Infrastrukturprojekte (20. März 2009)


EU-Projekte zur Förderung der Windkraft:

Windbarriers

OffshoreGrid

UpWind

Windplattform