Frankfurter Buchmesse: EU-Literaturpreis für "die besten jungen Autoren in Europa"

Die Preisträger des Literaturpreises der Europäischen Union 2014 wurden auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Die diesjährigen Gewinner kommen aus sieben EU-Staaten sowie Albanien, Island, Liechtenstein, Montenegro, Serbien und der Türkei.

Euractiv.de
Foto: Berliner Büchertisch (CC BY-SA 2.0)
Foto: Berliner Büchertisch (CC BY-SA 2.0)

Die Preisträger des Literaturpreises der Europäischen Union 2014 wurden auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Die diesjährigen Gewinner kommen aus sieben EU-Staaten sowie Albanien, Island, Liechtenstein, Montenegro, Serbien und der Türkei.

Auf der Frankfurter Buchmesse wurden am Mittwoch (8. Oktober) die Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2014 bekanntgegeben worden. Mit diesem Preis werden die besten Nachwuchsautoren in Europa ausgezeichnet.

Gemeinsam mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Dienstag die 66. Frankfurter Buchmesse eröffnet. Zur weltgrößten Bücherschau werden vom 8. bis 12. Oktober rund 1.000 Autoren aus aller Welt und knapp 300.000 Besucher erwartet. Ehrengast ist in diesem Jahr Finnland.

Der EU-Literaturpreis kann an Staatsangehörige der Länder vergeben werden, die am EU-Programm für die Kultur- und Kreativbranche, Kreatives Europa, teil­nehmen. Jedes Jahr wählen nationale Jurys in einem Drittel der Länder und Gewinner aus. Die Gewinner erhalten je 5.000 EUR. Ihren Verleger wird nahegelegt, EU-Mittel zu beantragen, um die preisgekrönten Bücher übersetzen zu lassen und so weitere Absatzmärkte zu erschließen. Zusätzliche Aufmerksamkeit soll den Gewinnern auf den großen Buchmessen Europas, darunter Frankfurt, London, Göteborg und das Passa-Porta-Festival in Brüssel, zuteil werden.

In diesem Jahr gibt es dreizehn Gewinner: Ben Blushi (Albanien), Milen Ruskow (Bulgarien), Makis Tsitas (Griechenland), Oddný Eir (Island), Janis Jonevs (Lettland), Armin Öhri (Liechtenstein), Pierre J. Mejlak (Malta), Ognjen Spahi? (Montenegro), Marente de Moor (Niederlande), Uglješa Šajtinac (Serbien), Jan N?mec (Tschechische Republik), Birgül O?uz (Türkei) und Evie Wyld (Vereinigtes Königreich).

Die 13 Preisträger werden am 18. November im Concert Noble in Brüssel im Rahmen einer Galaveranstaltung ausgezeichnet, an der auch das für Bildung und Kultur zuständige Kommissionsmitglied, Mitglieder des Europäischen Parlaments und Vertreter des italienischen EU-Vorsitzes anwesend sein werden.

„Die Auszeichnung gebührt den besten jungen Autoren in Europa, unabhängig von ihrem Land oder ihrer Sprache“, sagte Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend. „Ziel ist es, die beste zeitgenössische Literatur Europas zu präsentieren sowie den grenzüberschreitenden Verkauf und die Übersetzung, Veröffentlichung und Lektüre von Literatur aus anderen Ländern zu fördern. Übersetzungen können aus dem neuen EU-Programm ‚Kreatives Europa‘ finanziell unterstützt werden; das soll den Autoren helfen, auch über Landes- und Sprachgrenzen hinweg Leser anzuziehen.“

Pierre J. Mejlak, Gewinner aus Malta, sagte gegenüber „Malta Independent„: „Ich bin natürlich sehr über die Auszeichnung erfreut. Es ist auch eine Auszeichnung für die zeitgenössische maltesische Literatur und ich möchte diese mit anderen maltesischen Autoren teilen. Ich hoffe, die Auszeichnung ermöglicht mir den Zugang zu einem breiteren Publikum und dass sie mir die Möglichkeit gibt, meine Arbeit mit mehr Menschen aus verschiedenen Ländern zu teilen.“

Der Lette Janis Jonevs erklärte kurz nach der Preisverleihung, dass er nicht einmal gewusst hatte, dass er nominiert gewesen war:

Der Preis wurde erstmals im Jahr 2009 vergeben. Seitdem hat die EU Gelder für die Übersetzung der Bücher von 56 der insgesamt 59 Preisträger in 20 europäische Sprachen bewilligt. Durchschnittlich sind drei bis vier Übersetzungen je Buch angefertigt worden; insgesamt waren es 203.

Der Literaturpreis der EU erhält Mittel aus dem neuen Programm „Kreatives Europa“, das die Wettbewerbsfähigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft stärken und die kulturelle Vielfalt fördern soll. Das neue Programm wird für den Zeitraum 2014-2020 mit insgesamt 1,46 Milliarden Euro ausgestattet. Damit kann unter anderem die Übersetzung von 4.500 Büchern finanziert werden. Außerdem ermöglicht es über 250.000 Künstlern und Kulturschaffenden, mit ihren Werken internationale Bekanntheit zu erlangen, und es können Hunderte von europäischen Projekten, Plattformen und Netzwerken im Bereich der kulturellen Zusammenarbeit unterstützt werden.

Grenzen der Politik überwinden

In seiner Eröffnungsrede zur Buchmesse am Dienstag machte Steinmeier deutlich, wie die Literatur es schaffe, die Grenzen der Politik zu überwinden: Literatur könne Dinge benennen, die Politiker nicht in Worte fassen könnten – gerade deshalb käme ihr in der gegenwärtigen Welt mit all ihren komplexen Krisen und wenigen eindeutigen Antworten eine besondere Rolle zu. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, sein Gegenüber zu verstehen, um die Voraussetzung für Dialog zu schaffen und Probleme friedlich zu lösen. Zu diesem Verstehen könne die Literatur beitragen, so Steinmeier.

Der Außenminister ging auch auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ein: Die Buchmesse sei ein Marktplatz, auf dem über Rechte, Lizenzen und kulturelle Inhalte verhandelt werde. Durch die Digitalisierung werde dieser Marktplatz von Grund auf verändert. Der digitale Raum habe aber, ähnlich wie die Agora in der Antike und der europäische Marktplatz, auch eine gesellschaftliche und politische Logik: „Und weil das so ist, können wir die Gestaltung dieser Agora nicht allein staatlichen Behörden überlassen und erst recht nicht großen Konzernen. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen internationale Regeln, wir brauchen ein Völkerrecht des Netzes.“