Frankreich kämpft mit Engpässen bei Abtreibungspillen

Seit Wochen hat Frankreich mit einem Mangel an Pillen zum Schwangerschaftsabbruch zu kämpfen. Nun will man das Mittel Misoprostol aus Italien importieren, wie Gesundheitsminister François Braun am Mittwoch mitteilte.

EURACTIV.fr
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Misoprostol ist eine Pille, die laut der Direktion für Forschung, Studien, Bewertung und Statistik (Drees) bei 76 Prozent der medizinischen Schwangerschaftsabbrüche in Frankreich eingesetzt wird. Derzeit ist dieses Medikament in den Städten Lille und Colmar sowie in den Regionen Île-de-France und Okzitanien knapp, so die OTMeds, die am Freitag Alarm schlug. [Shutterstock/New Africa]

Seit Wochen hat Frankreich mit einem Mangel an Pillen zum Schwangerschaftsabbruch zu kämpfen. Nun will man das Mittel Misoprostol aus Italien importieren, wie Gesundheitsminister François Braun am Mittwoch mitteilte.

Misoprostol ist eine Pille, die laut der französischen Statistikbehörde bei 76 Prozent der medizinischen Schwangerschaftsabbrüche in Frankreich eingesetzt wird. Derzeit ist dieses Medikament in den Städten Lille und Colmar sowie in den Regionen Île-de-France und Okzitanien knapp.

Die Nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit (ANSM) erklärte offiziell, es handele sich um eine „Versorgungsspannung“ und nicht um einen Mangel. Solche „Spannungen“ bei Misoprostol gebe es im Land demnach seit Anfang des Jahres.

Nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gibt es in keinem anderen Land der EU eine ähnliche Situation wie in Frankreich.

„Die EMA wurde nicht über die jüngsten Engpässe bei Abtreibungspillen in der EU informiert“, sagte die EMA gegenüber EURACTIV Frankreich.

„Die zuständigen nationalen Behörden handhaben Engpässe bei zugelassenen Produkten in der Regel auf nationaler Ebene, insbesondere wenn sie keine anderen Länder betreffen“, hieß es weiter.

Die Spannungen um Misoprostol führen zu Befürchtungen über einen eingeschränkten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Mehrere Verbände und Politiker haben sich besorgt geäußert.

„Die Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Abtreibungspillen haben direkte Auswirkungen auf Menschen, die eine Abtreibung wünschen. Die Situation kann so nicht weitergehen“, schrieb die Organisation Family Planning auf Twitter.

„Heute geht die Verknappung noch einen Schritt weiter. Sie beeinträchtigt das Recht der Frauen auf Abtreibung“, schrieb die Vizepräsidentin des Senats, Laurence Rossignol, in einem Brief an den Gesundheitsminister.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Arzneimitteltransparenz ist der Misoprostol-Mangel auf eine „Konzentration der Produktion“ zurückzuführen, die die Lieferkette „anfällig“ mache.

„Die Verteidigung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch erfordert eine öffentliche Verlagerung der Produktion von Abtreibungspillen. Diese Produktion muss auch auf europäischer Ebene koordiniert werden“, forderte die Organisation OTMeds via Twitter.