Frankreich: Streit um Pläne für Europas größte Lachszucht

Pläne zum Bau der bisher größten Onshore-Lachszucht im Südwesten Frankreichs spalten vor Ort die Gemüter und haben nun auch die Aufmerksamkeit der Europäischen Kommission und des EU-Parlaments auf sich gezogen.

EURACTIV France
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Das französische Projekt, das für Verdon-sur-Mer vorgesehen ist, fand seinen Weg ins Europäische Parlament, wo der Petitionsausschuss (PETI) am 23. März Experten und Vertreter von NRO anhörte. [Photo : Pure Salmon]

Pläne zum Bau der bisher größten Onshore-Lachszucht im Südwesten Frankreichs spalten vor Ort die Gemüter und haben nun auch die Aufmerksamkeit der Europäischen Kommission und des EU-Parlaments auf sich gezogen.

Während Aktivisten die Pläne als „absurd und unverhältnismäßig“ kritisieren, preist das Unternehmen hinter dem Projekt den Bau der Zuchtanlage in der Ortschaft Verdon-sur-Mer als Chance an, die EU bei Lebensmitteln weniger abhängig von Drittstaaten zu machen.

Die Debatte fand ihren Weg bis ins EU-Parlament, wo der Petitionsausschuss (PETI) am 23. März Experten und Aktivisten anhörte.

Aus Sicht von Esther Dufaur, Sprecherin des Kollektivs Eaux Secours Agissons, verstößt das Projekt im Mündungsgebiet der Gironde gegen EU-Recht.

„Es ist ein absurdes und unverhältnismäßiges Projekt, bei dem der französische Staat gegen 18 europäische Richtlinien verstößt, darunter die Habitat-, die Vogelschutz-, die Wasser- und die Nitratrichtlinie“, sagte sie.

Das 200 Millionen Euro schweren Pläne des multinationalen Unternehmens Pure Salmon könnten 2024 umgesetzt werden. Das Projekt wäre die größte Aquakulturfarm Europas, die rund 10.000 Tonnen Fisch pro Jahr produzieren soll.

In Frankreich wird mit rund 200.000 Tonnen jährlich im europäischen Vergleich die größte Menge an Lachs verzehrt. Während fast der gesamte in Frankreich konsumierte Lachs aus Norwegen oder Schottland stammt, gibt es in der Normandie eine Farm, die aus den Süßwassergewässern des Kanals Lachs „Made in France“ züchtet.

Doch im Gegensatz zu den Fischen aus der Normandie werden die Fische aus der Farm in Verdon-sur-Mer an Land in riesigen, mit Grundwasser gefüllten Becken aufgezogen.

„Diese Methode vermeidet die negativen Auswirkungen der Meereszucht. Wir stellen sicher, dass die Fische eine optimale Wasserqualität haben, wir kontrollieren das Wachstum, und das hat viele Vorteile“, erklärte Paul Miliotis, Leiter des Projekts bei 8F, dem Hauptinvestor, gegenüber EURACTIV Frankreich.

Das Verfahren, das bereits in Norwegen eingesetzt wird, würde es ermöglichen, die wachsende Nachfrage zu befriedigen und Supermärkte in bis zu 600 km Entfernung noch am selben Tag mit Lachs zu beliefern, so der Projektleiter.

Verschmutzung der Gewässer

Seit Monaten warnen jedoch die Gegner des Projekts vor den Gefahren dieser Art von Produktion, die aus ihrer Sicht durch die geografische Lage und die schiere Menge des zu produzierenden Lachses verursacht werden.

Dazu gehört auch die Verschmutzung der Gironde, des letzten wilden Mündungsgebiets Europas, das sich in einer industriellen Enklave befindet, die der Hafen von Bordeaux vor etwa zehn Jahren gekauft hat. Sie ist von Gebieten umgeben, die aufgrund ihrer reichen Umweltqualitäten durch nationale Gesetze oder EU-Richtlinien geschützt sind.

„Wenn der Betrieb nur auf seinem Industriestandort bleiben würde, wäre das in Ordnung. Aber das Projekt wird sich auf die Schutzgebiete auswirken und das Mündungsgebiet verschmutzen. Dies würde alle Bemühungen zum Schutz dieser Gebiete untergraben“, so Dufaur gegenüber EURACTIV Frankreich.

Dem Verband zufolge wird das Oberflächenwasser zur Speisung der Teiche mit Wachstumshormonen und anderen Medikamentenrückständen belastet in die Umwelt eingeleitet. Letztere könnten das Mündungsgebiet langfristig verschmutzen, ebenso wie Cadmium, ein Schwermetall, das den Austernzüchtern in der Region ernsthafte Probleme bereitet.

„Es wird keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt geben“, versicherte Millotis, dessen Unternehmen den Einsatz von Hormonen, Antibiotika und Impfstoffen bestreitet. Man werde „nur 0,008 Prozent des täglichen Durchflusses der Gironde-Mündung pro Tag einleiten.“

Pure Salmon besteht darauf, dass es die Zu- und Abflüsse kontrolliere und den Fischen eine einwandfreie Wasserqualität biete.

Umweltschützer befürchten jedoch zudem einen hohen Energieverbrauch und schlechte Lebensbedingungen der Lachse.

20.000 Tonnen Lachs bis 2027

Dies ist jedoch nicht das einzige Lachsprojekt, das in Frankreich geplant ist.

Das lokale Unternehmen Océan will in Boulogne-sur-Mer 9.000 Tonnen Lachs an Land produzieren, während Smart Salmon in Plouisy in der Region Côtes-d’Armor 8.000 Tonnen produzieren will.

In seinem Aquakulturplan für die Zukunft erkennt Frankreich das „starke Wachstumspotenzial“ des Sektors an und strebt an, die Produktion von derzeit 1.000 Tonnen Lachs pro Jahr auf 20.000 Tonnen zu erhöhen, was die Einrichtung solcher Zuchtbetriebe erfordert.

Das Europäische Parlament beklagte kürzlich, dass die Aquakulturproduktion in der EU nur 10 Prozent der Nachfrage decke, und forderte die Kommission, die die Aquakultur als Mittel zur „Kreislaufwirtschaft“ betrachtet, auf, „den derzeitigen Trend umzukehren.“

Doch überall sorgt die Größe dieser „Industriefarmen“ für Kontroversen.

„Wir sind nicht gegen die Aquakultur, aber gegen die intensive Fischzucht. Diese Modelle sind zerstörerisch für die Umwelt. Die Aquakultur ist nach der Viehzucht die Industrie mit der zweitgrößten Umweltverschmutzung“, so Dufaur.

Befürworter des Projekts verweisen auf die Notwendigkeit, die EU im Lebensmittelsektor souveräner zu machen, da die EU aktuell über 70 Prozent der von ihr verbrauchten Meeresfrüchte importiert.

Begrenzung der Produktion

Das Projekt in Verdon-sur-Mer, das 160 Arbeitsplätze und beträchtliche Steuereinnahmen schaffen soll, hat bereits die Zustimmung zahlreicher lokaler Mandatsträger erhalten, darunter auch des Bürgermeisters der Stadt.

Die Durchführbarkeit des Projekts und die Einhaltung der Umweltvorschriften werden erst in den nächsten Monaten geprüft. Außerdem muss das Unternehmen auf eine öffentliche Untersuchung reagieren.

Vor den EU-Abgeordneten forderte Dufaur die Kommission auf, sich mit der Angelegenheit zu befassen.

Diese ist jedoch bisher nicht in der Lage, „einen Verstoß gegen europäisches Recht festzustellen“, da das Projekt noch nicht „konkretisiert“ worden sei, wie ein Sprecher gegenüber EURACTIV erklärte.

Weltweit sind schätzungsweise 123 ähnliche intensive Aquakulturprojekte in Planung.

Lesen Sie die Originalfassung des Artikels auf Französisch hier.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna]