Französische Landwirte protestieren gegen Massenkeulung von Rindern
Französische Landwirte protestieren gegen die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lumpy Skin Disease, die die Keulung sämtlicher Tiere in betroffenen Beständen vorschreiben. Die Regierung verteidigt ihr Vorgehen als verhältnismäßig.
Französische Landwirte protestieren gegen die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lumpy Skin Disease, die die Keulung sämtlicher Tiere in betroffenen Beständen vorschreiben. Die Regierung verteidigt ihr Vorgehen als verhältnismäßig.
Am 29. Juni bestätigte Frankreich den ersten Ausbruch von Lumpy Skin Disease (LSD) bei Rindern im Département Savoie. Seitdem hat sich das Virus ausgebreitet und betrifft inzwischen 77 Herden in drei Départements, wie das Landwirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Ein neuer Fall wurde am Wochenende entdeckt.
Für den Menschen ungefährlich, verursacht LSD bei Rindern Fieber, Hautknoten, sinkende Milchleistung, mögliche Unfruchtbarkeit bei Bullen, Hautschäden und in manchen Fällen den Tod.
Um die Ausbreitung einzudämmen, gelten seit dem 16. Juli Einschränkungen: Bewegungsverbote, Impfpflicht und die „vollständige Keulung infizierter Herden“. Trotz erhöhter Entschädigungen für die Landwirte sorgt vor allem die letzte Maßnahme für massiven Widerstand.
Die Strategie sei „eine politische Entscheidung, die anders ausfallen könnte und nicht auf einem wissenschaftlichen und gesundheitlichen Konsens beruht“, kritisierte die links-grüne Bauerngewerkschaft Confédération Paysanne am Montag.
Die Gewerkschaft fordert stattdessen eine Teilkeulung betroffener Bestände und kündigte an, sämtliche geplanten Vollkeulungen zu blockieren.
„Die Maßnahme ist nicht nur gesundheitspolitisch, sondern vor allem wirtschaftlich motiviert“, sagte Gewerkschaftssprecher Stéphane Galais. Ziel der Regierung sei es, „den seuchenfreien Status Frankreichs zu erhalten, der Voraussetzung für den Export ist“.
Auch andere Bauernverbände lehnen das Vorgehen ab.
Bereits im vergangenen Monat hatte ein Landwirt aus Savoie gemeinsam mit der rechtsgerichteten Bauerngewerkschaft Coordination Rurale beim Verwaltungsgericht in Grenoble beantragt, die Keulungsverfügung aufzuheben. Das Gericht wies den Antrag jedoch ab und bestätigte die „Rechtmäßigkeit, Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit“ der Maßnahme.
In Frankreich haben die verschiedenen Bauernverbände traditionell eine klare politische Ausrichtung, von konservativ über grün-links bis hin zu rechtspopulistisch.
Strenge EU-Vorgaben
Auf EU-Ebene gilt: Da die LSD in der EU normalerweise nicht vorkommt und als Krankheit der „Kategorie-A“ eingestuft ist, sind die rechtlichen Vorgaben besonders strikt.
Im Fall eines Ausbruchs schreibt das EU-Recht vor, dass „alle Tiere gelisteter Arten im betroffenen Bestand so schnell wie möglich am Ort zu töten sind“.
Frankreich hält seine Maßnahmen deshalb für angemessen.
„Ein Tier kann infiziert sein, ohne dass dies bei Tests erkannt wird“, sagte Landwirtschaftsministerin Annie Genevard am Dienstag im Radiosender France Inter und bekräftigte den Willen, „diese Krankheit kompromisslos zu bekämpfen“.
Die Entscheidung zur Vollkeulung basiere „auf Empfehlungen der Veterinärbehörden und Wissenschaftler“, erklärte Genevard bereits am 16. Juli.
„Wenn wir die Quelle des Virus nicht schnell austrocknen, indem wir die Hotspots vollständig entvölkern, werden wir die Ausbreitung des Virus nicht kontrollieren können und die Zahl der Hotspots wird sich vervielfachen“, ergänzte Laurent Perrin, Präsident des Nationalen Veterinärverbands SNVEL.
Korrektur: Zuvor wurde Lumpy Skin Disease fälschlicherweise als Blauzungenkrankheit bezeichnet.
(adm, aw, jl)