Französische Linke könnte sich hinter Mélenchon versammeln
Vier Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen fragen sich viele linke Wähler immer noch, ob sie den linksextremen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon unterstützen sollen.
Nur vier Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen fragen sich viele linke Wähler:innen noch immer, ob sie den linksextremen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon unterstützen sollen, der als einziger Kandidat der Linken Chancen gegen das rechtsextreme Lager haben dürfte. EURACTIV Frankreich berichtet.
Wie schon 2017 scheinen die meisten linken Wähler:innen in Frankreich im Zwiespalt zu sein, ob sie für den amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron oder den linksextremen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon von La France Insoumise stimmen wollen.
In Frankreich neigen viele dazu, bei der Wahl eines Präsidentschaftskandidaten eine „strategische Stimme“ abzugeben, also für einen Kandaten zu votiereren, der viellicht nicht genau mit ihren Ansichten übereinstimmt, aber bessere Chancen hat, in die zweite Runde zu kommen.
Mélenchon, der den Begriff „strategische Stimme“ ablehnt, hat das Konzept der „effektiven Stimme“ in den Mittelpunkt seiner Kampagne gestellt.
Um die unentschlossene linke Wählerschaft zu überzeugen, erklärte er auf seinen letzten Kundgebungen, dass er in der ersten Runde die Rechtsextremen und in der zweiten Runde Macron schlagen werde.
Mélenchon hofft, am Sonntag (10. April) für eine Überraschung zu sorgen und die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen vom Rassemblement National aus dem Rennen zu werfen. Le Pen ist in den letzten Umfragen näher an Macron herangerückt.
Die Idee klingt verlockend für linke Wähler, die in den letzten zehn Jahren keinen wirklich linken Kandidaten im zweiten Wahlgang gesehen haben.
Kopfschmerzen für sozialdemokratische und grüne Wähler
Christine, eine pensionierte Beamtin und langjährige Linke, hat ihr ganzes Leben lang für die Sozialdemokraten gestimmt, unter anderem 1981 für François Mitterrand und 2012 für François Hollande sowie für Benoît Hamon, der es 2017 mit nur 6 Prozent der Stimmen nicht in die zweite Runde schaffte.
Dieses Mal jedoch, erzählt Christine gegenüber EURACTIV, würde sie sich für Mélenchon entscheiden, wenn auch „widerwillig.“
Während „ein Blankoscheck für Macron [in der ersten Runde] nicht in Frage kommt“, räumte sie ein, dass sie sich auch „der ökologischen Notlage bewusst“ sei und von der Kandidatur des grünen Kandidaten Yannick Jadot überzeugt war.
Schließlich entschied sie sich jedoch für Mélenchon.
„Das wird mich viel kosten“, sagte sie, nichtsdestotrotz sei die Linke auf diese Weise im zweiten Wahlgang „wenigstens vertreten.“
Mélenchons bisher versöhnliche Positionen gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie seine Anti-NATO- und manchmal euroskeptischen Ansichten haben Christine verunsichert.
Le Pen-Wähler überzeugen
Mélenchon gibt an, sich auch an Le Pens Wähler zu wenden, da dies der beste Weg sei, sie am Wahltag aus dem Rennen zu werfen.
Der linksextreme Kandidat griff Le Pen während seiner Kundgebung in Lille am Dienstagabend (5. April) an, die in elf weiteren Städten übertragen wurde.
Mélenchon appellierte an die „wütenden, nicht faschistischen“ Menschen, die seine Enttäuschung und Wut über Macron teilen, aber nicht zu den Rechtsextremen tendieren und Le Pen nur wählen, weil es nichts Besseres gibt.
Seine Strategie scheint im Moment aufzugehen, zumindest den letzten Umfragen zufolge. Dies gilt jedoch auch für Le Pen, die in den Umfragen den gleichen allmählichen Anstieg wie Mélenchon verzeichnet und hinter Macron auf dem zweiten Platz bleibt.
‚Alles außer Macron‘
Andere linke Kandidaten, die alle deutlich unter 10 Prozent liegen, versuchen, potenzielle Wähler:innen dazu zu bewegen, ihren Überzeugungen zu folgen und nicht den Meinungsumfragen.
„Die Freiheit, zu wählen, ist die schönste Freiheit“, sagte der kommunistische Kandidat Fabien Roussel am Montag (4. April) am Rande eines Besuchs in einem sozialen Wohnungsbauprojekt in einem Pariser Vorort.
Damit die aktuellen Umfragen nicht zur Realität werden, setzt Mélenchon, der in den Umfragen derzeit auf Platz drei liegt, auch auf die Wahlbeteiligung derjenigen, die sich normalerweise der Stimme enthalten – darunter die Jugendlichen, die ihn im Allgemeinen unterstützen.
Der linksextreme Kandidat hofft auch, dass seine „Alles-außer-Macron“-Strategie Früchte tragen wird – eine Strategie, die auch von Le Pen, seiner Hauptkonkurrentin um den zweiten Wahlgang, verfolgt wird.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Benjamin Fox]