Französische Pharmaindustrie hat mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen
Die französische Pharmaindustrie wird derzeit von einem Arbeitskräftemangel geplagt und gilt auch insgesamt als wenig attraktiver Arbeitgeber. Um nicht längerfristig den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren, versucht die Branche derzeit eine Trendwende herbeizuführen.
Die französische Pharmaindustrie wird derzeit von einem Arbeitskräftemangel geplagt und gilt auch insgesamt als wenig attraktiver Arbeitgeber. Um nicht längerfristig den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren, versucht die Branche derzeit eine Trendwende herbeizuführen.
In Frankreich beschäftigen mehr als 270 Unternehmen des pharmazeutischen Sektors rund 103.000 Mitarbeiter, so die Zahlen aus dem Jahr 2021
„Es gibt einen Mangel an Bewerbern:innen. Wir sind auf der Suche nach neuen Talenten“, erklärt Vincent Guiraud-Chaumeil, Vorsitzender der Beschäftigungskommission von Leem, dem Berufsverband der Pharmaunternehmen.
Um den Mangel zu beheben, will Leem zusammen mit der französischen Arbeitsagentur Pôle Emploi vom 3. bis 8. Oktober 2022 Tausende von Bewerbern:innen überzeugen, in die Pharmaindustrie einzusteigen, um den Ruf der Branche wiederherzustellen.
Das Ziel ist es, bis 2030, 10.000 Menschen in der Biotechnologie anzuwerben und 5.000 in der digitalen Gesundheit bis 2026.
Im Juni 2021 stellte Präsident Emmanuel Macron die Gesundheitsinnovationsstrategie 2030 vor, die aus der Arbeit des Strategischen Rates für die Gesundheitswirtschaft entstanden ist.
Da der Ruf der französischen Industrie auf dem Spiel steht, zielt die Strategie darauf ab, Frankreich bis 2030 zu Europas Spitzenreiter in Sachen Gesundheitsinnovation und -souveränität zu machen.
Dafür sei es jedoch unverzichtbar, „das französische Forschungsökosystem grundlegend umzugestalten“ und die „Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Industrie“ des Landes wiederherzustellen, betont Leem.
Außerdem hat Frankreich noch einen großen Nachholbedarf. Die Pandemie hat gezeigt, dass Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt aufgrund seiner Abhängigkeit von chinesischen und indischen Importen von Arzneimittelwirkstoffen eingeschränkt ist.
Geringere Attraktivität für Arbeitssuchende
Die Ursachen dafür, dass die Pharmabranche für Arbeitssuchende heutzutage nicht mehr so attraktiv ist, sind vielfältig.
Nach Meinung von Chaumeil ist dies zum Beispiel auf das Image der Branche zurückzuführen, das sich seiner Meinung nach „im Laufe der Jahre verschlechtert hat“. Die Branche hat einen schlechten Ruf und ist „im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern weniger anerkannt“, fährt er fort.
„Wir müssen uns bemühen, an diesem Image zu arbeiten. Der Sektor wird nicht entsprechend seinem Wert anerkannt“, fügt er hinzu.
Eine der größten Herausforderungen besteht laut Leem darin, dass potenzielle Arbeitnehmer nicht wissen, wie vielfältig die Aufgaben in diesem Sektor sein können.
Emilie Pertuiset, Generaldirektorin von Biocodex France, wies beispielsweise darauf hin, dass der Sektor auch Kühltechniker braucht, um die Labors auf niedrigen Temperaturen zu halten, und nicht nur Laborwissenschaftler.
Leem weist jedoch auf einen weiteren Grund hin, warum es dem Sektor nicht gelingt, neue Mitarbeiter zu finden: den Konkurrenzkampf mit attraktiveren Sektoren wie der Digital-, Daten- und Energiebranche.
In Bezug auf die Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles in der Branche erklärte Leem außerdem, dass noch „einiges zu tun“ sei. Allerdings habe sich das Gefälle von 9,8 Prozent im Jahr 2014 auf 0,5 Prozent im Jahr 2021 deutlich verringert.
Spitzenreiter bei Pharmaexporten
Diese Entwicklung scheint jedoch etwas überraschend, wenn man berücksichtigt, dass Frankreich, historisch gesehen, ein Pionierland bei der Herstellung von Arzneimitteln ist. Frankreich steht weltweit auf dem fünften und auf europäischer Ebene auf dem vierten Platz, gleich hinter Italien, Deutschland und der Schweiz, wie in einem Parlamentsbericht vom Juni 2021 festgestellt wurde.
Auch die französischen Unternehmen selbst haben nach und nach mehr Geld in die Branche gesteckt. So investierten sie im Jahr 2020 2 Milliarden Euro in die französische Industrie, was einem Anstieg von 11 Prozent gegenüber den Investitionen des Vorjahres entspricht.
Angesichts der steigenden Investitionen und der guten finanziellen Entwicklung des Sektors überrascht es ein wenig, dass die französische Pharmaindustrie Schwierigkeiten hat, das Interesse von Arbeitssuchenden zu wecken.
Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.