Für Spanien bietet der Green Deal „Chancen und Gefahren”
Der europäische Green Deal bietet Chancen und Herausforderungen für spanische Landwirte. Interessenvertreter warnen, dass die Branche wohl mehr Unterstützung beim Übergang zu einem nachhaltigeren Landwirtschaftsmodell benötigt.
Der europäische Green Deal bietet Chancen und Herausforderungen für spanische Landwirte. Interessenvertreter warnen, dass die Branche wohl mehr Unterstützung beim Übergang zu einem nachhaltigeren Landwirtschaftsmodell benötigt. EURACTIVs Partner EFE Agro berichtet.
Die Biodiversitäts- und Farm to Fork-Strategien der Europäischen Kommission sind das Herzstück der ambitionierten Pläne im Rahmen des Green Deal der Kommission. Übergeordnetes Ziel ist es, die EU bis 2050 in eine klimaneutrale Wirtschaft zu verwandeln.
Die Farm to Fork (F2F)-Strategie legt dabei konkrete Ziele für die Ökologisierung der Landwirtschaft fest. Dazu gehören eine 50-prozentige Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden, eine ebenfalls 50-prozentige Reduzierung des Verkaufs von antimikrobiellen Mitteln und das Ziel, 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche künftig in Form von Bio-Landwirtschaft zu nutzen.
Zehn Monate nach der F2F-Veröffentlichung im Mai 2020 zeigen sich viele Bauernorganisationen optimistisch, was die Zukunft des Sektors angeht, äußern aber auch Bedenken hinsichtlich der Idee, „mehr Anforderungen mit weniger Mitteln zu erfüllen“.
Chancen: Grüne Landwirtschaft in Spanien
Die Vereinigung Por otra PAC („Für eine andere GAP“), eine Gruppe aus 30 spanischen Landwirtschaftsverbänden, Umwelt-NGOs und Lebensmittelfachleuten, die sich für eine andere Vision im EU-Agrarsubventionsprogramm einsetzen, unterstützt die Strategie und nennt sie einen „ersten Schritt“ in Richtung eines „grünen Wandels“.
Fernando Viñegla, der Sprecher der Allianz, betont, gerade in Spanien gebe es viele Beispiele, die zeigen, dass der Wandel bereits Realität ist. „Die Strategie ist eine große Chance für Spanien, das ja ein durchaus für den Klimawandel anfälliges Land ist. Wenn wir schnell an nachhaltigen Optionen arbeiten, werden die Auswirkungen geringer sein,“ so Viñegla.
Er fügt hinzu, dass die Vielfalt der spanischen Landwirtschaft ebenfalls ein entscheidender Vorteil sein könnte.
„Das derzeitige Landwirtschaftsmodell steht kurz vor dem Zusammenbruch und löst keine Probleme wie die Entvölkerung der ländlichen Gebiete. Es werden aber Lösungen benötigt,“ betonte Viñegla.
Was die staatliche Unterstützung angehe, so sei Spanien hingegen schlechter positioniert als Länder wie Frankreich oder Deutschland: In letzteren werde in der Öffentlichkeit „mehr auf grüne Investitionen und auf eine GAP mit mehr Beteiligung der betroffenen Gebiete gesetzt“.
Spanien ist derweil der EU-Mitgliedsstaat mit dem höchsten Prozentsatz an landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Bio-Anbau. Mit 2,35 Millionen Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche liegt das Land damit weltweit an dritter Stelle hinter Australien und Argentinien, so der spanische Berufsverband für Bio-Landbau Ecovalia.
Die Regionen Katalonien, Andalusien und Navarra liegen bereits heute nahe an dem von der Europäischen Kommission vorgegebenen Ziel von 25 Prozent.
Risiken: Ein “Schuss ins eigene Knie”
Derweil warnt die Allianz für nachhaltige Landwirtschaft (ALAS), ein Zusammenschluss, der die Mehrheit der spanischen Landwirtschaftsorganisationen vertritt, dass „neue grüne Forderungen“ aus Brüssel angesichts der Schwierigkeiten, mit denen der Sektor während der Coronavirus-Krise konfrontiert sei, zu einem unpassenden Zeitpunkt kommen. Letztendlich gefährde man damit die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Landwirtschaft.
Laut dem Präsidenten von ALAS, Pedro Gallardo, schießt sich die EU mit Vorschlägen, die „die eigene Fähigkeit gefährden, die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, selbst ins Knie“.
Darüber hinaus brauche es mehr Unterstützung für Umweltmaßnahmen, die die spanische Regierung bei der Vorbereitung ihres nationalen GAP-Strategieplans in Betracht zieht. Die Anforderungen an die Bäuerinnen und Bauern „können nicht erhöht werden“, wenn sie keine weiteren Unterstützungsmittel erhalten, so Gallardo.
Besondere Bedingungen
In Bezug auf das F2F merkt Gallardo auch an, dass Spanien aufgrund klimatischer Faktoren und der geografischen Nähe zu Afrika, wo „nicht die gleichen Umweltanforderungen erfüllt werden wie in Europa“, mehr Pflanzenschutzmittel benötige als beispielsweise Finnland oder die baltischen Länder.
In dieser Hinsicht müsse auch das von der Kommission gesetzte Reduktionsziel für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln angepasst werden. Ansonsten ähnele das Vorhaben einer „Gesundheitspolitik, die eine Reduzierung der in der Apotheke erhältlichen Medikamente vorsieht“, meint er.
ALAS vertritt derweil auch die Ansicht, dass die EU ihre Produktivität erhöhen und dafür „innovative Tools“ wie Gen-Editierung fördern sollte.
In ähnlicher Weise kommt ein Bericht des Beratungsunternehmens PWC über die Landwirtschaft in Spanien zu dem Schluss, dass „der Einsatz neuer Technologien, neuer Sorten, Gen-Editierung und ein starker Fokus auf Forschung“ die richtigen Lösungen für die nationale Landwirtschaft seien.
[Bearbeitet von Natasha Foote, Gerardo Fortuna und Tim Steins]