Griechenland: Schluss mit Polemik, Zeit für Respekt!

"Wir müssen aufhören mit Polemik und Populismus über Griechenland", fordert EURACTIV.de-Leser und Unternehmer Christian Seyrer in einem Standpunkt. Die heutige Generation könne nichts für die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte. "Wir müssen Griechenland eine Chance geben." EURACTIV.de lädt zu weiteren Debattenbeiträgen ein.

Manches Gerede über Griechenland erscheint kopflos. (Foto: dpa)
Manches Gerede über Griechenland erscheint kopflos. (Foto: dpa)

„Wir müssen aufhören mit Polemik und Populismus über Griechenland“, fordert EURACTIV.de-Leser und Unternehmer Christian Seyrer in einem Standpunkt. Die heutige Generation könne nichts für die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte. „Wir müssen Griechenland eine Chance geben.“ EURACTIV.de lädt zu weiteren Debattenbeiträgen ein.

Der Autor

Christian Seyrer ist Geschäftsführer der G.I.S Global Immobilien Service GmbH, dem Marktführer für Immobilien und Bauen in Griechenland. Das deutsche Unternehmen hat 14 Jahre Erfahrung beim Bau von Ferienimmobilien und Altersruhesitzen in Griechenland und nimmt griechische Arbeitnehmer massiv in Schutz.

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Wir müssen aufhören mit der Polemik und den populistischen Aussagen über Griechenland. Die heutige Generation kann nichts für die Versäumnisse der Politiker in all den vergangenen Jahrzehnten und für das "System" Griechenlands. Die jungen Griechen sind ja geradezu verpflichtet, in diesem System mitzumachen, da sie ansonsten keine Chancen haben.

Nach Lektüre der jüngsten EURACTIV.de-Artikel – die Analyse von EBD-Präsident Dieter Spöri und die Aussagen der griechischen Wirtschaftsministerin Anna Diamantopoulou – kann ich nur bestätigen: Die Bürger Griechenlands haben nicht die jetzige Situation verschuldet, werden aber von vielen Medien oftmals als die Schuldigen und Uneinsichtigen hingestellt. Stabilität, Wachstum und Zukunftsperspektiven – und dazu gehören auch Motivation sowie Solidität – ist das, was die Menschen Griechenlands jetzt dringend benötigen. Die von griechischen Bürgern erbrachten Opfer in Form von Sparmaßnahmen, Steuererhöhungen etc. verdienen höchsten Respekt.

Viele Medien haben in der Vergangenheit Halbwahrheiten verbreitet, oft nicht sachlich fundiert, anstatt objektiv zu berichten.

So sind die erschreckenden Bilder aus Griechenland über Ausschreitungen, Demonstrationen etc. gegen die heimische Politik die absolute Ausnahme und nicht die Regel. Die Proteste sind zumeist auf das Zentrum Athens beschränkt. Jede gewachsene Demokratie gibt das Recht, seine Meinung kundzutun – und dies geschieht wie auch in Deutschland meist mit Demonstrationen und Protesten. Auch in Deutschland, England oder Frankreich gab und gibt es immer wieder Unruhen.

Nun ist es an der Zeit, nicht immer nur das Negative, sondern auch das Positive herauszustellen und den Menschen die daraus automatisch entstehenden Chancen aufzuzeigen.

Es ist an der Zeit, das Augenmerk auf die Fortschritte zu lenken, die Griechenland gemacht hat, und auf die Opfer, die die Griechen bereits auf sich genommen haben. Sie mussten sich dem härtesten Sparprogramm der neueren Geschichte unterwerfen.

Die Griechen müssen einen hohen Preis für die Fehler der Vergangenheit zahlen. Trotzdem sind sie entschlossen, die Reformen durchzusetzen, um wieder Aufschwung und Wachstum zu erlangen.

Das ist wie im realen Leben – auf jedes Tief folgt ein Hoch. Als einer, der Griechenland und die Mentalität der Griechen wie kaum ein anderer kennt und der als Brückenbauer zweier Welten fungieren möchte, betone ich: Wir müssen Griechenland eine Chance geben!

Christian Seyrer