Grönland und der Ansturm der US-Touristen

Grönlands Hauptstadt Nuuk bereitet sich auf eine bevorstehende Flut amerikanischer Touristen vor. Auslöser dürfte Donald Trumps Ankündigung gewesen sein, die Kontrolle über die Arktisinsel übernehmen zu wollen - und neue Direktflüge zwischen New York und Nuuk. 

EURACTIV.com
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Während Grönland den zunehmenden Tourismus als Schritt in Richtung finanzielle Unabhängigkeit von Dänemark begrüßt, hoffen die Bürger von Nuuk, dass die Besucher kommen, um ihr Land und ihre Kultur zu erleben – und nicht, um es als Kolonie zu betrachten. [Unsplash, 66 North]

Grönlands Hauptstadt Nuuk bereitet sich auf eine bevorstehende Flut amerikanischer Touristen vor. Auslöser dürften Donald Trumps Pläne für die Insel gewesen sein – und eine neue Direktfluglinie.

Nuuk, Grönland – Die größte Insel der Welt rückte weltweit in die Schlagzeilen, nachdem US-Präsident Donald Trump seine Absicht, die Insel zu „kaufen“ oder anderweitig übernehmen zu wollen, zum wiederholten Male deutlich gemacht hatte. Zum ersten Mal hatte er es während seiner ersten Amtszeit davon gesprochen.

Grönland ist schon länger dänisches Territorium als es die USA überhaupt gibt. Grönländische und dänische Politiker lehnen Trumps Idee konsequent ab – aber das stört den US-Präsidenten wohl kaum. 

Wie ernst es Präsident Trump mit der Übernahme der ressourcenreichen Insel im Nordatlantik ist, wurde zu Beginn des Monats deutlich. Sein Sohn Donald Jr. reiste in der Trumpschen Privatboeing „Trump Force One“ nach Nuuk „um sich alles anzusehen„.  

So wie es aussieht, wird er nicht der letzte Amerikaner sein, der in den nächsten Monaten per Direktflug von den USA nach Grönland fliegt. Ab Juni will die US-amerikanische Linienfluggesellschaft United Airlines die erste Direktverbindung von New York nach Nuuk einführen – zweimal wöchentlich.

Die neuen Direktflüge dürften den US-Tourismus nach Grönland deutlich ankurbeln. Im Jahr 2023 machten Amerikaner lediglich 4 Prozent der Gesamtbesucher Grönlands aus.

(Zu) volles Haus?

Die bevorstehende amerikanische Touri-Invasion verspricht ein Schub für die lokale Wirtschaft zu werden. Trotzdem fragen sich die Grönländer, ob Nuuk – eine Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern – mit dem starken Buchungsanstieg umgehen kann.

Die Flugticketverkäufe lägen „im Rahmen der Erwartungen“, sagte ein United Airlines-Sprecher gegenüber Euractiv. 

Das Hotel Hans Egede – benannt nach dem dänisch-norwegischen Missionar, der Nuuk besiedelte – liegt im Herzen Nuuks und gilt als das prestigeträchtigste Hotel des Landes. Fast fünf Monate im Voraus sei es bereits nahezu ausgebucht, berichtet das Hotel. 

Ein Anbieter von Bootstouren, Nuuk Water Taxi, berichtet laut der Lokalzeitung Sermitisiaq ähnliche Entwicklungen. 

Wie alle anderen grönländischen Städte ist Nuuk eine Art in sich geschlossener Kreislauf. Die Stadt hat 30 Kilometer an befestigten Straßen zu bieten, weiter kommt man mit dem Auto nicht. Will man in die nächste Stadt, dann muss man ein Boot oder ein Flugzeug nehmen. 

Einige US-Touristen hätten bereits mehr als sechs Ausflüge wie Wal-Safaris oder Eisfjord-Touren gebucht, heißt es vom Touranbieter Nuuk Water Taxi.

Eine neue Ära für Grönland

In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Touristen in Grönland stetig zugenommen, doch diese Saison dürfte eine neue Ära mit mehr Ankünften per Flugzeug einläuten.

Seit November können internationale Reisende Nuuks neuen Flughafen direkt ansteuern. Vorher mussten sie einen Zwischenstopp im 300 Kilometer nördlich liegenden Kangerlussuaq auf sich nehmen – einem ehemaligen US-Luftwaffenstützpunkt, der in einen kommerziellen Flughafen umgewandelt wurde. 

In Kangerlussuaq mussten Reisende in eine kleinere Dash-8-Maschine umsteigen, denn nur dieser Flugzeugtyp konnte auf Nuuks alter Landebahn landen.

Der neue Flughafen ist ein Meilenstein in Grönlands Bemühungen, sich der Welt zu öffnen. Bis vor Kurzem mussten nahezu alle Besucher Grönlands über die dänische Hauptstadt Kopenhagen reisen, die 3.500 Kilometer von Nuuk entfernt liegt.

Kreuzfahrer geben weniger als Flugreisende aus 

Größere Kreuzfahrtschiffe wurden in den 2010er Jahren zu einem gewohnten Anblick. Im Jahr 2023 kamen mehr als die Hälfte der Touristen mit Kreuzfahrtschiffen nach Grönland. 

Ein Café an der Bucht sah sich gezwungen jedes Mal zu schließen, wenn ein neues Schiff anlegte, da es dem großen Touristenandrang nicht gewachsen war.

„Wenn die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen, füllen sich die Straßen einen Tag mit tausenden roten Jacken und am nächsten Tag mit gelben Jacken“, sagte ein Einheimischer in Nuuk gegenüber Euractiv und bezog sich dabei auf die farbigen Outfits, die Kreuzfahrtgruppen tragen, um niemanden zu verlieren. 

Aber das eigentliche Problem Grönlands mit Kreuzfahrttouristen ist, dass sie knauserig sind.

Eine Familie, die mit einem großen Kreuzfahrtschiff nach Grönland reist, gibt etwa 3.600 Euro aus. Eine durchschnittliche Familie, die per Flieger kommt, gibt rund 7.700 Euro aus – mehr als das Doppelte. Das geht aus einer Analyse hervor, die im letzten Jahr für das „Visit Greenland“-Regierungsprogramm erstellt wurde. 

Kreuzfahrtschiffe und ihre Landgänger sind also nicht nur eine Belastung für die Einheimischen, sondern sie tragen auch weniger zur lokalen Wirtschaft bei, als Flugreisende. 

Ein Grund, weshalb manche den erwarteten „Yankee-Ansturm“ begrüßen.

Alles hat Grenzen

Die Gefahr zu einem überlaufenden Touristenziel zu werden liegt bei einer Stadt von Nuuks Größe nicht meilenweit entfernt.

In den letzten Jahren ist Grönlands Hauptstadt an schon fast an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Bald wird sie neue Hotelbetten brauchen, um der wachsenden Nachfrage Herr zu werden. 

In den letzten Wochen sind auch eine Flut von Trumps „Make America Great Again“-Fans nach Grönland gekommen. Die Begegnungen haben einige Grönländer, von denen rund 90 Prozent indigene Inuit-Vorfahren haben, mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. 

Bleibenden Eindruck bei der lokalen Bevölkerung hat auch das Spektakel der MAGA-Influencer hinterlassen, die Geld verteilt und Grönland als den „51. Bundesstaat der USA“ begrüßt hatten. 

Die Trump-Fans haben Unterschriften gesammelt, um Grönland in die USA einzugliedern, doch ihre Bemühungen könnten kontraproduktiv gewesen sein.

Lokale Medien berichteten von wütenden Eltern, die ihren Kindern die ausgeteilten 100-Dollar-Scheine abgenommen haben. 

„Ich weiß nicht, was die sich dabei gedacht haben – Geld an Kinder zu geben, damit sie in ihren Videos auftauchen?“, sagte ein anderer Einwohner von Nuuk gegenüber Euractiv am Tag nach der Aktion der Influencer-Gruppe Nelk Boys im Zentrum von Nuuk. „Das grenzt an Manipulation.“

Während Grönland den zunehmenden Tourismus als Schritt in Richtung finanzielle Unabhängigkeit von Dänemark begrüßt, hoffen die Bürger von Nuuk, dass die Besucher kommen, um ihr Land und ihre Kultur zu erleben – und nicht, um es als Kolonie zu betrachten.

[AB/MK/VB]