Großbritannien entwirft Regulierungsmodell für künstliche Intelligenz
Großbritannien stellt die Weichen für sein geplantes Regulierungsmodell für Künstliche Intelligenz (KI).
Großbritannien stellt die Weichen für sein geplantes Regulierungsmodell für Künstliche Intelligenz (KI).
Ähnlich wie die EU wird dabei ein risikobasierter Ansatz verfolgt, der sich jedoch von dem der EU dadurch unterscheidet, dass die Durchsetzung einem Gremium von Regulierungsbehörden anvertraut werden soll.
Die britische Regierung hat am Montag (18. Juli) ihren „innovationsfreundlichen Ansatz zur Regulierung von KI“ zusammen mit ihrem neuen Gesetzentwurf über Datenschutz und digitale Informationen vorgestellt.
Es folgt auf die Vorstellung der nationalen KI-Strategie im vergangenen September, einem Zehnjahresplan, der sicherstellen soll, dass das Vereinigte Königreich zu einer globalen KI-Supermacht wird. Das Land hat seit 2014 mehr als 2,3 Milliarden Pfund (2,7 Milliarden Euro) in die KI investiert.
Der britische Regulierungsansatz konzentriert sich auf risikoreiche Anwendungen und lässt die geringeren Risiken im Zusammenhang mit KI unberücksichtigt, um die Innovation nicht zu behindern und die Branche nicht mit Bürokratie zu belasten.
Der Rechtsrahmen basiert auf einer Reihe von sektorübergreifenden Grundsätzen, die sich an den Prinzipien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für KI orientieren: sicher und geschützt, transparent und nachvollziehbar, fair und anfechtbar.
Regulierungsbehörden
Im Gegensatz zum EU-Ansatz, bei dem die Durchsetzung des KI-Gesetzes einer einzigen nationalen Regulierungsbehörde für jeden Mitgliedstaat übertragen wird, plant das Vereinigte Königreich, die Verantwortung an eine Reihe von Behörden zu übertragen.
Auf der Liste stehen die britische Kommunikationsaufsichtsbehörde Ofcom, die Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA), das Information Commissioner’s Office (ICO), die Financial Conduct Authority (FCA) und die Medicine and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA). Bei einigen von ihnen könnten die Befugnisse und Aufgabenbereiche möglicherweise aktualisiert werden.
Die Grundsätze des britischen Ansatzes „bieten den Regulierungsbehörden klare Anhaltspunkte, die sich jedoch nicht unbedingt in verbindliche Verpflichtungen umsetzen lassen“, heißt es in der Erklärung, in der sie aufgefordert werden, stattdessen „in erster Linie weniger einschneidende Optionen in Betracht zu ziehen.“
Was die Definition der Technologie selbst angeht, die oft eine Herausforderung darstellt, hat die britische Regierung es abgelehnt, eine allgemeingültige Definition festzulegen, und sich stattdessen dafür entschieden, sich auf die Kernmerkmale und -fähigkeiten der KI zu konzentrieren, auf die sich Regulierungsbehörden stützen können.
Von ihnen wird auch erwartet, dass sie die Führung bei der Identifizierung, Bewertung und Priorisierung der von den Grundsätzen angesprochenen Risiken übernehmen und dabei stärker zusammenarbeiten.
Die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den Regulierungsbehörden, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz zu bewältigen, wurde durch einen am Montag veröffentlichten unabhängigen Bericht des Alan Turing Institute bestätigt.
Dieser betont, dass sich die Technologie inzwischen in Umfang und Komplexität auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ausgeweitet hat und dass die Schwierigkeiten, mit denen die Regulierungsbehörden bereits konfrontiert sind, eine gemeinsame Strategie erfordern.
Globales Thema
Ein „florierendes KI-Ökosystem“ könne international einen Wettbewerbsvorteil darstellen, schrieb die Staatssekretärin für Digitales, Nadine Dorries, in einer politischen Stellungnahme und versprach, dass das Vereinigte Königreich „sich weiterhin international für einen innovationsfördernden Ansatz einsetzen“ werde. Sie betonte, dass sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen der KI globale Themen seien.
London erkenne die „inhärente grenzüberschreitende Natur des digitalen Ökosystems“ an und betone die Notwendigkeit, „eng mit Partner:innen“ zusammenzuarbeiten, um eine Fragmentierung des globalen Marktes zu vermeiden, „Interoperabilität zu gewährleisten und die verantwortungsvolle Entwicklung von KI international zu fördern“, so Dorries.
Großbritannien habe sich verpflichtet, weiterhin gegen Autoritarismus, Unterdrückung und Diskriminierung zu kämpfen und ein „aktiver Akteur“ in globalen Organisationen wie der Globalen Partnerschaft für Künstliche Intelligenz (GPAI), der OECD oder Standardisierungsgremien zu bleiben, so Dorries weiter und fügte hinzu, dass das Land bestrebt sein, in den laufenden Verhandlungen des Europarats eine „pragmatische, innovationsfreundliche Position“ zu vertreten.
Die Akteure im Bereich der künstlichen Intelligenz sind aufgefordert, bis Ende September ihre Ansichten zu diesem Regulierungsansatz zu äußern, damit sie in ein geplantes Weißbuch über die Umsetzung einer solchen Strategie einfließen können.
[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Nathalie Weatherald]