Hälfte aller EU-Honigimporte wahrscheinlich gestreckt

Laut einer neuen Analyse der EU-Kommission besteht der Verdacht, dass ein erheblicher Teil des in die EU eingeführten Honigs in betrügerischer Absicht mit zugesetzten Sirupen gepanscht wurde - deutlich mehr als im Vorjahr.

Euractiv.com
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Gegenwärtig produziert die EU nicht genug Honig, um die Nachfrage zu decken, und importiert etwa 40 Prozent aus Drittländern. Dadurch haben die europäischen Erzeuger mit zunehmenden Billigimporten zu kämpfen, mit denen sie nicht konkurrieren können, vor allem aus China. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/honey-drip-jar-on-table-115307500" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Laut einer neuen Analyse der EU-Kommission besteht der Verdacht, dass ein erheblicher Teil des in die EU eingeführten Honigs in betrügerischer Absicht mit zugesetzten Sirupen gepanscht wurde – deutlich mehr als im Vorjahr.

Gegenwärtig produziert die EU nicht genug Honig, um die Nachfrage zu decken, und importiert etwa 40 Prozent aus Drittländern. Dadurch haben heimische Erzeuger zunehmend damit zu kämpfen, mit Billigimporten vor allem aus China nicht konkurrieren zu können.

Um ein klareres Bild der Situation zu erhalten, wurde die Analyse von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden von 18 Ländern, dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) und der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission durchgeführt.

Die am Donnerstag veröffentlichte Analyse ergab, dass 46 Prozent der 320 Proben von importiertem Honig, die zwischen November 2021 und Februar 2022 nach dem Zufallsprinzip entnommen und analysiert wurden, wohl manipuliert waren.

Auf dieser Grundlage besteht „der starke Verdacht, dass ein großer Teil des aus Nicht-EU-Ländern eingeführten Honigs, der von der GFS als verfälscht eingestuft wurde, weiterhin auf dem EU-Markt vorhanden und unentdeckt ist“, hieß es in der Analyse.

Auch wenn die Testmethode nicht ausreiche, um eine Verfälschung zweifelsfrei festzustellen, lasse sie doch darauf schließen, dass die Proben „verdächtig sind, verfälscht zu sein“ und somit nicht der EU-Honigrichtlinie entsprechen.

Honig enthält von Natur aus Zucker und muss nach den einschlägigen EU-Vorschriften rein bleiben, was bedeutet, dass ihm keine Zutaten zugesetzt werden dürfen. Eine Verfälschung liegt vor, wenn Zutaten wie Wasser oder billiger Zuckersirup künstlich hinzugefügt werden, um das Volumen des Honigs zu erhöhen.

Das Risiko für die menschliche Gesundheit wird zwar als gering eingeschätzt, aber solche Praktiken betrügen die Verbraucher und gefährden die Erzeuger in der EU, die einem unlauteren Wettbewerb durch Produkte mit illegalen, billigen Zutaten ausgesetzt sind.

So lag der durchschnittliche EU-Einheitswert für importierten Honig im Jahr 2021 bei 2,32 Euro pro Kilogramm, während Zuckersirupe aus Reis etwa 0,40/0,60 Euro pro Kilogramm kosteten.

Die in dieser jüngsten Analyse ermittelte Quote von Fälschungen war deutlich höher als die der Jahre 2015 bis 2017, die bei 14 Prozent lag.

Die höchste absolute Zahl verdächtiger Sendungen stammte aus China (74 Prozent), aber Honig aus der Türkei relativ gesehen einen der höchsten Anteile verdächtiger Proben auf (93 Prozent).

Bei aus dem Vereinigten Königreich eingeführtem Honig war die Verdachtsrate sogar noch höher (100 Prozent), was den Forschern zufolge wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass der Honig in anderen Ländern erzeugt und im Vereinigten Königreich weiter gemischt wurde, bevor er in die EU reexportiert wurde.

Insgesamt hatten mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Marktteilnehmer Honigsendungen exportiert, bei denen der Verdacht bestand, dass sie mit Fremdzucker gestreckt waren, während mehr als 60 Prozent der Marktteilnehmer mindestens eine verdächtige Sendung importierten.

„Die EU ist ein Importeur von Honig, da die Binnennachfrage höher ist als unsere heimische Produktion. Es ist wichtig, dass wir wachsam gegenüber jeglichem Missbrauch bleiben“, sagte Ville Itälä, Generaldirektor des OLAF.

Er fügte hinzu, dass die häufigste Form des Betrugs bei Honig die Verfälschung sei, dass aber bei einer zweiten Untersuchung auch Fälle von Herkunftsbetrug festgestellt worden seien, bei denen auf den Etiketten falsche Angaben zum Ursprung des Erzeugnisses gemacht wurden.

„Diese Aktion diente dazu, die Aufmerksamkeit zu wecken, zur Ordnung zu rufen und von betrügerischen Praktiken abzuschrecken“, schloss er und forderte eine angemessene Weiterverfolgung von Verdachtsfällen.

Als Reaktion auf die Ergebnisse forderte der EU-Landwirtschaftsverband COPA-COGECA die EU-Entscheidungsträger auf, „jetzt zu handeln, um die Zerstörung des Berufsstandes zu verhindern“, was ihrer Meinung nach zu einem erheblichen Rückgang der Honigbienen auf dem Kontinent führen könnte.

Stanislav Jaš, Vorsitzender der Honig-Arbeitsgruppe des EU-Landwirtschaftsverbandes COPA-COGECA, sagte, die Ergebnisse würden erklären, „warum wir in der EU eine echte landwirtschaftliche Katastrophe erleben.“

In Anlehnung an die jüngsten Forderungen der EU-Mitgliedstaaten nach einer strengeren Herkunftskennzeichnung und Rückverfolgbarkeit fordert der Verband eine obligatorische Herkunftskennzeichnung mit „prozentualen Anteilen in absteigender Reihenfolge.“

Außerdem forderte der Verband verstärkte nationale Kontrollen und systematische Überprüfungen von importierten Honigpartien auf der Grundlage verbesserter Methoden in Verbindung mit dem Nachweis der Rückverfolgbarkeit vom Bienenstock bis zum Topf.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]