IBM will erstes europäisches Quantencomputerzentrum in Deutschland eröffnen

Das US-amerikanische Technologieunternehmen IBM hat am Dienstag (6. Juni) seinen Plan bekannt gegeben, das erste europäische Quantenrechenzentrum in Deutschland zu eröffnen, das 2024 in Betrieb gehen soll.

EURACTIV Germany
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Das IBM-Quantenzentrum wird im baden-württembergischen Ehningen eröffnet, um Unternehmen, Forschungs- und Regierungseinrichtungen den Zugang zur modernsten Quantencomputern zu ermöglichen. [[nitpicker / Shutterstock]]

Das US-amerikanische Technologieunternehmen IBM hat am Dienstag (6. Juni) seinen Plan bekannt gegeben, in Deutschland das erste europäische Quantenrechenzentrum zu eröffnen, welches 2024 in Betrieb gehen soll.

Das IBM-Quantenzentrum wird im baden-württembergischen Ehningen eröffnet, um Unternehmen, Forschungs- und Regierungseinrichtungen den Zugang zur modernsten Quantencomputern zu ermöglichen.

Mehrere IBM-Quantencomputersysteme mit Quantenprozessoren von mehr als 100 Qubits wird das Rechenzentrum verfügen. Dies wird es Anwendern in der europäischen Cloud-Region zu ermöglichen, Quantensysteme einzusetzen und Kundendaten ausschließlich in Europa zu verarbeiten.

„Mit der Errichtung des geplanten Quanten-Rechenzentrums und der dazugehörigen Cloud-Region erhalten europäische Nutzer die Möglichkeit, das Potenzial von Quantencomputern zu nutzen und damit einige der größten Herausforderungen der Welt zu lösen“, erklärt Jay Gambetta, Vice President von IBM Quantum.

Neben der neuen Hardware kündigt IBM auch eine neue Software an, die das Routing von Quantencomputer-Workflows verbessern soll. Um die effiziente Ausführung von Programmen auf verschiedenen Architekturen zu überbrücken und die unterschiedlichen Rechtslagen für Daten in den Quanten-Cloud-Regionen zu handhaben, hat IBM den „Multichannel Scheduler“ eingeführt. Diese Softwareschicht ist zwischen Nutzer und Cloud-Diensten angesiedelt, um die verschiedenen Quanten-Cloud-Regionen zu regeln.

IBM Europe

2009 wurde in Ehningen bereits der IBM Campus eingeweiht. Der Campus fasst andere Bereiche der IBM Deutschland GmbH zusammen und ist bereits heute Standort des Hauptrechenzentrums.

Im Jahr 2021 nahm IBM in Ehningen auch den ersten Quantencomputer Europas in Betrieb, was damals als Meilenstein auf dem Weg zur technologischen Souveränität Deutschlands gesehen wurde.

Mehr als 60 Organisationen in ganz Europa nutzen derzeit die Quantenhardware und -software des IBM Quantum Network über die Cloud. Als europäische Kunden erforschen diese Unternehmen potenzielle Einsatzmöglichkeiten für das Quantencomputing in den Bereichen Materialwissenschaft, Hochenergiephysik, Energiewende, Nachhaltigkeit und Finanzanwendungen.

Laut der Erklärung des IT-Unternehmens soll die europäische IBM Quantum Cloud Region ein Schlüsselaspekt der Bemühungen von IBM sein. Hierbei soll mit führenden europäischen Unternehmen, Universitäten und Regierungsbehörden zusammengearbeitet werden, um das Quantencomputing voranzutreiben und den Aufbau von Arbeitskräften in diesem Bereich in Europa zu unterstützen.

Deutsche Strategie zur Quantentechnologie

Der Plan für die erste europäische IBM Quantum Cloud Region in Deutschland spielt in die Hände der Quantenstrategie der Bundesregierung.

Mitte Mai hat die Regierung im Bundestag das sogenannte „Handlungskonzept Quantentechnologien“ vorgestellt, um eine führende Position im Bereich der Quantentechnologie einzunehmen und zu China und den USA aufzuschließen.

Im Rahmen des deutschen Anspruchs auf technologische Souveränität soll das Potenzial der Quantentechnologien genutzt und gesellschaftliche Herausforderungen in den Bereichen Klimaforschung, Energie, Gesundheit, Mobilität und Sicherheit angegangen werden.

Der Aktionsplan erklärt, dass es entscheidend für Deutschland ist „kommende Technologien und deren Potenziale möglichst früh zu identifizieren, exzellente Rahmenbedingungen für die künftige Ausgestaltung und Nutzung zu schaffen und den Technologiesprung aktiv mitzugestalten“.

Der internationale Wettlauf auf dem Gebiet der Quantencomputer ist sowohl von kommerzieller als auch strategischer Relevanz, da diese im Vergleich zu herkömmlichen Supercomputern wesentlich leistungsfähiger sind und das Potenzial haben, herkömmliche Verschlüsselungstechnologien zu knacken.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]